VCI-Präsident auf Mittelstandsreise

Zuhören, was kleine und mittlere Unternehmen bewegt

Anfang Oktober hat VCI-Präsident Christian Kullmann zwei mittelständische Mitgliedsunternehmen besucht. Im Gespräch mit den Leitungen von Jowat SE in Detmold und Dr. Paul Lohmann in Emmerthal wollte er aus erster Hand jene Probleme kennenlernen, die vor allem die vielen mittelständischen und kleineren Unternehmen im VCI beschäftigen. Dabei kamen neben zu viel Bürokratie auch lange Genehmigungsverfahren, das Unternehmenssanktionsrecht und das geplante Lieferkettengesetz zur Sprache.

Erste Station: Jowat SE in Detmold. Vorstand Ralf Nitschke (l.) erklärt VCI-Präsident Kullmann, wo die Industrieklebstoffe seines Unternehmens genutzt werden. - Foto: © VCI/Lemke-Pantze
Erste Station: Jowat SE in Detmold. Vorstand Ralf Nitschke (l.) erklärt VCI-Präsident Kullmann, wo die Industrieklebstoffe seines Unternehmens genutzt werden. - Foto: © VCI/Lemke-Pantze

Die chemisch-pharmazeutische Industrie ist eine mittelständisch geprägte Branche. Über 90 Prozent der Chemiebetriebe hierzulande sind kleine und mittelständische Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten. Sie erwirtschaften mit rund 53 Milliarden Euro pro Jahr gut ein Viertel des Branchenumsatzes. Die Mittelstandsreise sollte zeigen, was diese Firmen neben dem Tagesgeschäft umtreibt. Begleitet wurde der VCI-Präsident von Henrik Follmann, selbst mittelständischer Familienunternehmer aus Minden, Mitglied im VCI-Präsidium und Vorsitzender des Ausschusses Selbständiger Unternehmer, und VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup.

Zweite Station war das Unternehmen Dr. Paul Lohmann in Emmerthal nahe Hameln, das Mineralsalze herstellt. Im Bild: Hans-Martin Lohmann, Jürgen Lohmann, Christian Kullmann, und Henrik Follmann (v.l.n.r.). - Foto:
Zweite Station war das Unternehmen Dr. Paul Lohmann in Emmerthal nahe Hameln, das Mineralsalze herstellt. Im Bild: Hans-Martin Lohmann, Jürgen Lohmann, Christian Kullmann, und Henrik Follmann (v.l.n.r.). - Foto: © VCI/Stuhl
Bürokratie schadet Rechtssicherheit

Bei den Gesprächen ging es um die Themen, die trotz aller positiven Aspekte des Standortes Deutschland negativ zu Buche schlagen. So beschäftigen etwa bürokratische Pflichten den Mittelstand über Gebühr und binden Mitarbeiter und Ressourcen, die an anderer Stelle im Unternehmen eingesetzt werden könnten. Vor allem die Summe bürokratischer Pflichten und Aufgaben ist dabei eine Herausforderung. Zum Beispiel überlagern sich gleichwertige Schutzrechte aus den Bereichen Denkmalschutz, Umweltschutz und Klimaschutz und verhindern so schnelle und rechtssichere Entscheidungen.

Das zeigt sich unter anderem bei der Planung zur Ausweitung oder zum Umbau von Produktionsanlagen. Insgesamt werden Genehmigungsverfahren immer komplexer und schwieriger. Aktuelle Gesetzgebungsvorhaben wie das Unternehmenssanktionsrecht und das Lieferkettengesetz bringen zusätzliche Belastungen für Unternehmen und nähren Zweifel, ob unternehmerische Tätigkeit am Standort Deutschland auch künftig noch gewünscht ist und der Mittelstand die nötige Wertschätzung der Politik erfährt.

Sprecher für die gesamte Branche

Die gesammelten Eindrücke sind wichtig und wertvoll für den VCI-Präsidenten. Es ist ihm ein Anliegen, für die gesamte Branche zu sprechen. Kullmann: „Der Mittelstand ist das Rückgrat der Chemie- und Pharmaindustrie in Deutschland. Nicht nur für unsere großen Mitgliedsunternehmen sind angemessene Rahmenbedingungen am Standort Deutschland von herausragender Bedeutung für erfolgreiches Wirtschaften und innovative, wettbewerbsfähige Produkte. Gerade der Mittelstand, oftmals seit mehreren Generationen von der Eigentümerfamilie geführt, ist fest am Standort Deutschland verwurzelt, braucht hier ein wettbewerbsfähiges Umfeld. Dafür will ich mich in meiner Präsidentschaft in Gesprächen mit der Politik und anderen Stakeholdern einsetzen.“

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Martin Stuhl

E-Mail: stuhl@vci.de