Erdgas: Wettbewerbsnachteil für deutsche Unternehmen verschärft sich

Zusätzliche Last sollte sinken

27. Juni 2023 | Bericht

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Beruhigung am Markt, aber weiter hohe Belastung durch staatliche Umlagen und Entgelte.

Jüngst hat sich die Umlage zur Sicherung der Füllstandsvorgaben für Gasspeicher mehr als verdoppelt. Umlagen und Entgelte machen einen erheblichen Anteil des Endpreises für Erdgas aus. Stellschraube kann aus Sicht des VCI die sogenannte Bilanzierungsumlage sein. © picture alliance / SVEN SIMON
Jüngst hat sich die Umlage zur Sicherung der Füllstandsvorgaben für Gasspeicher mehr als verdoppelt. Umlagen und Entgelte machen einen erheblichen Anteil des Endpreises für Erdgas aus. Stellschraube kann aus Sicht des VCI die sogenannte Bilanzierungsumlage sein. © picture alliance / SVEN SIMON

Nachdem die Spotmarkt-Preise für Erdgas im letzten Jahr Extremwerte von über 300 EUR pro Megawattstunde (MWh) erreichten, haben sich die Märkte inzwischen wieder beruhigt. Die Marktpreise sind stark gesunken, liegen aber weiterhin deutlich über dem Vorkrisenniveau. Trotz dieses Preisrückgangs bleibt die Belastung für die Industrie hoch und die Wettbewerbsfähigkeit ist weiterhin gefährdet. Ein Grund dafür sind die staatlich induzierten Preisbestandteile wie Umlagen und Entgelte, die im Zuge der Krise deutlich gestiegen sind und auf den Endpreis hinzugerechnet werden.

Lag die Belastung aus Umlagen und Entgelten 2021 noch bei circa 0,5 EUR/MWh, hat sich dieser Beitrag seit 2022 mehr als verzehnfacht. Mit der angekündigten Steigerung der Gasspeicherumlage von 0,59 auf 1,45 EUR/MWh liegen die Umlagen und Entgelte ab dem 1. Juli 2023 sogar bei über 6 EUR/MWh. Umlagen und Entgelte machen damit zusammengenommen einen erheblichen Anteil des Endpreises aus. Sie stellen für die deutsche Industrie auch im europäischen Vergleich einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Ländern dar, wo solche Umlagen nicht erhoben werden – vom internationalen Wettbewerb ganz zu schweigen.

Aufgrund der hohen Einspeicherkosten bei der notwendigen Befüllung der Gasspeicher im vergangenen Jahr gab es wenig Spielraum, eine Erhöhung der Gasspeicherumlage abzuwenden. An anderer Stelle gibt es aber durchaus Handlungsoptionen.

Der VCI setzt sich für eine Abmilderung der Umlagenbelastung durch die folgenden Maßnahmen ein:

  • Der mit Abstand größte Kostenblock bei den Umlagen ist die Bilanzierungsumlage, die seit 1. Oktober 2022 mit 3,90 EUR/MWh für große Industriekunden und 5,70 EUR/MWh bei kleineren zu Buche schlägt. Aus Sicht des VCI kann diese Umlage bereits vor dem regulären Anpassungstermin (1. Oktober 2023) frühzeitig abgesenkt werden – etwa zum 1. Juli. Die Festlegung der Bilanzierungsumlagen auf die genannten Höhen wurde von der Trading Hub Europe GmbH (THE), dem verantwortlichen Unternehmen für den deutschen Gasmarkt, bislang „unter anderem auf das insgesamt schwierige Marktumfeld, den prognostizierten Regelenergiebedarf und den entsprechenden Regelenergiekosten sowie auf die aktuellen Stände der SLP und RLM-Bilanzierungsumlagekonten“ zurückgeführt. Die Umlagekonten sind inzwischen aber gut gefüllt, sodass damit auch die Grundlage für das hohe Umlageniveau entfällt.
  • Die weitere Bewirtschaftung der Gasspeicher muss volkswirtschaftlich sinnvoll sein, da die Verbraucher und die Industrie die Kosten dafür tragen. Insbesondere muss in Vorbereitung für den Winter 2023/24 eine kosteneffiziente weitere Befüllung der Gasspeicher sichergestellt werden. Bereits staatlich eingespeicherte Erdgasmengen sollten bis zum Winter in den Speichern verbleiben, soweit die Versorgungssicherheit das erlaubt. Mit Speicherständen von rund 80 Prozent sind wir hier aktuell auf einem deutlich besseren Weg als zur selben Zeit im Vorjahr.
  • Die bisherige Transparenz hinsichtlich der Speicherbefüllung und dem Erwerb von Speicherkapazitäten aus öffentlichen Mitteln sollte beibehalten und weiter gestärkt werden. Die Veröffentlichung der Speicherkosten und Umlagekonten durch THE begrüßt der VCI. Zudem sollten die Prämissen und Handlungsleitlinien, nach denen Entscheidungen zur Speicherbefüllung und -entleerung durch THE getroffen wurden, im Nachgang veröffentlicht werden, um eine Bewertung vornehmen und daraus Vorschläge für die zukünftige staatliche Speicherbewirtschaftung ableiten zu können.

Der VCI hat gemeinsam mit dem Verband der Industriellen Energie- & Kraftwirtschaft eine Stellungnahme zur zunehmenden Umlagebelastung der Industrie im Erdgasbereich verfasst, die das Thema sowie die vorgeschlagenen Maßnahmen näher erläutert. Sie finden sie im Download-Bereich im Kopf dieser Seite.

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 Heinrich Nachtsheim

Kontaktperson

Heinrich Nachtsheim

Energiepolitik; Wasserstoff