Heimische Produktion aufrechterhalten

Sichere Versorgung ist das A und O

Die Corona-Pandemie hat die Gesundheitssysteme und Lieferketten weltweit einem Stresstest unterzogen. Die international vernetzte Pharmaindustrie mit ihren zahlreichen Forschungskooperationen und weltweiten Produktionsstätten sichert die Versorgung. Dies gilt gerade auch mit Blick auf die aktuelle Pandemie. Denn: Diversifizierung erhöht die Versorgungssicherheit: Fällt ein Standort aus, kann der andere kompensieren. Gleichwohl: Corona hat auch Abhängigkeiten von außereuropäischen Produktionsstandorten offengelegt. Das gilt vor allem für patentfreie Medikamente, insbesondere Generika.

Die Versorgung mit Arzneimitteln ist in Deutschland gesichert. Noch. Jetzt kommt es darauf an, diese Sicherheit auch künftig zu gewährleisten. – Bild: © Bayer AG
Die Versorgung mit Arzneimitteln ist in Deutschland gesichert. Noch. Jetzt kommt es darauf an, diese Sicherheit auch künftig zu gewährleisten. – Bild: © Bayer AG

Warum ist das so? Die Krankenkassen üben mit Rabattverträgen seit Jahren einen massiven Kostendruck auf die Hersteller aus. Längst ist die Produktion von Generika in Europa nicht mehr kostendeckend – und die Zahl der Grundstoffhersteller in Deutschland allein von 2010 bis 2018 um rund 10 Prozent auf nur noch 64 geschrumpft. Im Gegenzug sind China und Indien zu den größten Produzenten von Fertigarzneien und Wirkstoffen aufgestiegen. Plötzlich auftretende Störungen wie Qualitätsmängel, Maschinenausfälle oder Handelskonflikte können den Nachschub für die Produktion in Deutschland unterbrechen. Die Produktion von Generika in Europa sichert die Versorgung und verkürzt Transport- wie Lieferwege. Um künftige Lieferengpässe zu verhindern, sind vier Handlungsfelder wesentlich:

  • Wertschöpfungsketten stärken

Stabile Handelsabkommen für Arzneimittel können helfen, Lieferketten zu stabilisieren. Internationale Arbeitsteilung kann gleichermaßen Effizienz und Resilienz unterstützen. Im Sinne der Diversifizierung von Lieferbeziehungen sollte Forschung und Produktion verstärkt in den Ländern aufgebaut werden, die verlässliche Handelspartner sind. Es gilt, den handelspolitischen Rahmen so zu gestalten, dass der Austausch durch Abkommen abgesichert ist.

  • Kostendeckung garantieren

Die Produktion von Medikamenten in Deutschland und Europa muss wirtschaftlich sein. Nur so kann der Trend gestoppt werden, dass sich die hiesigen Unternehmen aus der Entwicklung dringend nötiger Arzneien und Therapieformen zurückziehen. Krankenkassen sollten daher Rabattverträge mindestens mit zwei, besser noch mit drei Herstellern abschließen. Außerdem sollten künftig Pharmaunternehmen, die eine europäische Lieferkette nachweisen können, bevorzugt werden. Ebenfalls wichtig: Neben dem Preis sollten auch die Qualität, hohe Standards in den Produktionsstätten sowie die Standorttreue belohnt werden und in den Rabattverträgen Berücksichtigung finden.

  • Know-how fördern

Um noch mehr Wissen für die Entwicklung fortschrittlicher Therapien und neuer Impfstoffe zu generieren, sollte eine europäische Forschungsinfrastruktur aufgebaut werden. Die Digitalisierung in den Gesundheitssystemen – ein Thema, das durch die Corona-Pandemie an Bedeutung gewonnen hat – muss weiter vorangetrieben werden. Dazu zählt besonders, digitale Gesundheitsdaten für Forschungszwecke verfügbar zu machen.

  • Nutzenbewertung vereinheitlichen

Die Einführung einer europaweit einheitlichen Nutzenbewertung für innovative Arzneimittel würde Doppelarbeit vermeiden, sodass Methodenstreitigkeiten den Zugang zu innovativen Arzneimitteln nicht unnötig behindern.

Dieser Beitrag ist Teil des VCI-Politikbriefs „Pharma wirkt!" (September 2020).

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Jenni Glaser

E-Mail: glaser@vci.de