REACH-Umsetzung

Argumente und Positionen

Mit dem Inkrafttreten der Chemikalienverordnung REACH wurde die europäische Chemikalienpolitik 2007 neu geordnet und harmonisiert. Die komplexen Vorgaben sind schrittweise bis 2020 und weit darüber hinaus umzusetzen. Bausteine sind die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien sowie die Kommunikation in den Lieferketten zur sicheren Verwendung von Stoffen und Gemischen.

Wichtige Meilensteine erreicht
Bei der REACH-Umsetzung haben die Chemieunternehmen in den drei Registrierungsphasen bis Ende November 2010, Mai 2013 und Mai 2018 viel Aufbauarbeit geleistet. Sie haben ihre Stoffregistrierungen fristgerecht bei der Chemikalienagentur ECHA eingereicht: Bisher liegen der ECHA mehr als 80.000 Registrierungen für über 20.000 Stoffe vor. Deutsche Firmen hatten dabei oft die Führungsrolle. Die Auswirkungen der letzten Frist für kostensensible Stoffe und Spezialchemikalien zeigen sich nach und nach.

Arbeitsschwerpunkte verschieben sich
REACH hat kein Ablaufdatum, und der Aufwand bleibt hoch. Die Arbeitsschwerpunkte bei der REACH-Umsetzung verschieben sich jetzt von der Registrierung hin zu Dossier-Aktualisierung, Bewertung, Zulassung/Beschränkung und Arbeit am erweiterten Sicherheitsdatenblatt.

Wettbewerbsfähigkeit unter REACH erhalten
Die REACH-Registrierungen haben die Datenlage zu vielen Stoffen verbessert. Studien belegen schon heute positive Effekte für den Schutz von Mensch und Umwelt. Den Unternehmen sind jedoch hohe Registrierungskosten und ein großer Personalaufwand entstanden. Zusätzliche Kosten können unter anderem durch weitergehende Informationsanforderungen im Rahmen des Bewertungsverfahrens auf Unternehmen zukommen. Ob die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der Chemie- und Pharma-Industrie unter REACH erhalten bleibt oder beeinträchtigt wird, kann frühestens im nächsten REACH-Bericht der EU-Kommission 2022 bewertet werden.

Unsicherheiten und Belastungen vermeiden
Immer mehr für die Chemieindustrie wichtige Stoffe, zum Beispiel Lösemittel und Katalysatoren, werden von den Behörden als Kandidaten für das Zulassungsverfahren identifiziert. Eine Zulassungspflicht bedingt Planungsunsicherheiten, Kostensteigerungen und Wettbewerbsnachteile für in der EU hergestellte Produkte. Die Rechts- und Planungssicherheit für Investitionen wird durch die Überprüfung erteilter Zulassungen beeinträchtigt. Dies kann zum Wegfall von Stoffen führen und ganze Wertschöpfungsketten betreffen.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Verordnungstext nicht ändern und aus Erfahrungen lernen
    Die Europäische Kommission stellt in ihrem Gesamtbericht zu REACH vom März 2018 fest, dass die REACH-Verordnung weiterhin gut geeignet ist, um die angestrebten Schutzziele zu erreichen, und sie deshalb keine Veranlassung sieht, den verfügenden Teil von REACH zu ändern. Dies schafft grundsätzlich stabile Rahmenbedingungen, die für die weitere Umsetzung nötig sind. Behörden und Industrie sollten jetzt die gewonnenen Erfahrungen nutzen und daran arbeiten, die Planbarkeit und Effizienz der REACH-Prozesse zu erhöhen und diese zu vereinfachen.
  • Den Mittelstand bei der weiteren REACH-Umsetzung unterstützen
    Besonders kleine und mittlere Chemiebetriebe benötigen Vereinfachungen beim Bewertungsverfahren und praxisgerechte Lösungen für die Erstellung von Sicherheitsdatenblättern. Weiterhin sind direkte Ansprechpartner bei der Europäischen Chemikalienagentur ECHA und vereinfachte, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Hilfen und Einreichungsmöglichkeiten nötig.
  • Vor Stoffaufnahme in die Kandidatenliste Alternativen mit Industriebeteiligung prüfen
    Die Roadmap für die Identifizierung von besonders besorgniserregenden Stoffen (SVHC) sieht vor, dass die Behörden bis 2020 alle relevanten SVHC auf die REACH-Kandidatenliste für das Zulassungsverfahren bringen. Dabei müssen strenge wissenschaftliche Kriterien eingehalten werden. Eine Analyse der am besten geeigneten Risikomanagement-Optionen sollte für die Behörden bei jedem Stoff verpflichtend sein. Dabei sollte die betroffene Industrie mit einbezogen werden. Außerdem sollten, wie in REACH vorgesehen, Ausnahmen für bereits spezifisch regulierte Verwendungen gewährt werden. Zulassungsanträge sollten insgesamt und unter anderem für Kleinmengen vereinfacht werden.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Angelika Hanschmidt

WTU/Produktsicherheit (PS)

E-Mail: hanschmidt@vci.de