Neue Zahlen zum Kreislauf von Kunststoffen

Die Recycling-Kurve zeigt nach oben

15. November 2022 | Bericht

Geballte Fakten rund um Produktion, Verarbeitung und Verwertung von Kunststoffen

Kunststoffe in der Wertschöpfungskette: Sowohl in Deutschland als auch in Europa macht das Recycling gute Fortschritte. © Messe Düsseldorf / tillmann
Kunststoffe in der Wertschöpfungskette: Sowohl in Deutschland als auch in Europa macht das Recycling gute Fortschritte. © Messe Düsseldorf / tillmann

Zwei kürzlich erschienene Studien bieten geballtes Faktenwissen zur Produktion, Verarbeitung und Verwertung von Kunststoffen. Die gute Nachricht: Sowohl in Deutschland als auch in Europa macht das Recycling wichtige Fortschritte. Deutschland nimmt dabei im europäischen Vergleich eine Spitzenposition ein. Hinsichtlich der Kunststoffproduktion ist in beiden Fällen ein leichter Anstieg zu vermelden.

Das „Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland 2021“ weist für das Jahr 2021 etwa 5,7 Mio. Tonnen Kunststoffabfälle aus, wovon ca. 5,4 Mio. Tonnen bei Endverbraucher:innen anfielen. Seit 1994 hat die Abfallmenge kontinuierlich zugenommen, was fast ausschließlich mit dem Anstieg der Mengen bei den Endverbraucher:innen zusammenhängt. Die Recyclingrate von diesen sogenannten „Post-Consumer-Abfällen“ lag bei rund 33 Prozent. Etwa 66 Prozent dieser Kunststoffabfälle wurden zur Erzeugung von Strom und Wärme verbrannt und gingen dem Stoffkreislauf damit verloren. Weniger als ein Prozent wurde deponiert, weil dies in Deutschland, anders als in anderen europäischen Ländern, weitestgehend verboten ist.

Es geht voran

Grund für die niedrigere Recyclingrate bei Post-Consumer-Abfällen gegenüber der Vorstudie (39 Prozent) aus dem Jahr 2019 ist eine neue Berechnungsmethode. Gemäß den EU-Vorgaben wurde die Menge bei Einbringung in die letzte Stufe des Recyclingprozesses und nicht mehr am Eingang der Recyclinganlage gemessen. Materialverluste aus dem Zerkleinern, Nachsortieren und Waschen von Kunststoffen fallen damit nicht mehr unter die Recyclingrate. Nach der alten Berechnungsmethode ist die Rate bei den Post-Consumer-Abfällen seit 2019 um sechs Prozentpunkte gestiegen (45 Prozent).

Ein ordentlicher Sprung konnte beim Output-Rezyklat bezogen auf die Menge an Post-Consumer-Abfällen verzeichnet werden. Aus der angefallenen Abfallmenge konnten 8 Prozent mehr Rezyklat hergestellt werden als noch im Jahr 2019 (2021: 27 Prozent). Das entspricht, bezogen auf die Rezyklatmenge, einem Anstieg um 50 Prozent auf 1,46 Mio. Tonnen. Insgesamt wurden 1,65 Mio. Tonnen Rezyklat aus Post-Consumer- und Post-Industrial-Abfällen in Deutschland zur Herstellung neuer Produkte genutzt, was einem Anteil an der Gesamtverarbeitung von etwa 12 Prozent entspricht. Eingesetzt wurden die Rezyklate insbesondere im Baubereich sowie in den Bereichen Verpackung und Landwirtschaft.

Die gesamte Verarbeitungsmenge von Kunststoffen hat sich nach dem schwachen vergangenen Jahr erholt und betrug im Jahr 2021 etwa 14 Mio. Tonnen. Dies war ein leichter Rückgang im Vergleich zu 2019, aber deutlich mehr als noch im ersten Corona-Jahr 2020. Größtes Anwendungsgebiet waren dabei Verpackungen, gefolgt von der Baubranche und dem Fahrzeugbereich. Die Produktion von Kunststoffen in Deutschland konnte von 20,2 Mio. Tonnen in 2019 auf rund 21,1 Mio. Tonnen steigen. 8 Prozent der Produktion in Deutschland entfiel auf Rezyklate.

Unter den Besten in Europa

Auch in Europa (EU 27 + Norwegen, Schweiz und Großbritannien) macht das Recycling von Kunststoffen Fortschritte, wie die Studie „Plastics – the Facts 2022“ belegt. Seit 2006 stieg die Menge an recycelten Post-Consumer-Abfällen kontinuierlich. So wurden im Jahr 2020 35 Prozent (alte Berechnungsmethode) der Abfälle einem Recycling zugeführt. 42 Prozent wurden energetisch verwertet, also verbrannt, während immerhin noch 23 Prozent deponiert wurden. Besonders hoch ist der Deponierungsanteil in Griechenland und in den osteuropäischen Ländern, aber auch in Frankreich, Italien und Spanien liegt er über 30 Prozent. Beim Recycling spielt Deutschland im europäischen Vergleich in der Spitzenliga und landet nach den Niederlanden, Norwegen und Spanien auf dem 4. Platz. Einen Sprung um fast zehn Prozent auf 46 Prozent seit 2018 machte die Recyclingrate von Verpackungen in Europa.

Im Jahr 2020 machte der Anteil von Rezyklaten aus Post-Consumer-Abfällen in Kunststoffprodukten etwa zehn Prozent aus, ein Zuwachs um 20 Prozent gegenüber 2018. Der Anteil an Rezyklaten ist besonders in der Landwirtschaft, aber auch im Bau und bei Verpackungen hoch. Der Kunststoffbedarf von Verarbeitern ist erstmals nach zwei Jahren wieder gestiegen. Dabei macht Deutschland innerhalb Europas den mit weitem Abstand größten Bedarf aus (etwa 23 Prozent). Fast 40 Prozent der Kunststoffverarbeitung in Europa entfällt auf Verpackungen, ca. 21 Prozent auf den Baubereich und etwa neun Prozent auf die Automobilbranche. Insgesamt wurden in Europa 2021 etwa 57 Mio. Tonnen Kunststoffe produziert. Rezyklate machten dabei etwa zehn Prozent aus. Der Anteil der Kunststoffe aus biobasierten Rohstoffen betrug rund zwei Prozent.

Europa im globalen Wettbewerb

Dass die weltweite Nachfrage nach Kunststoffen ungebrochen ist, zeigt der Zuwachs um vier Prozent in der globalen Produktion auf mehr als 390 Mio. Tonnen für das Jahr 2021 im Vergleich zu 2020. Die Produktion von Rezyklaten machte dabei etwa acht Prozent aus. Der weltweit größte Abnehmer von Kunststoffen ist die Verpackungsindustrie (ca. 44 Prozent), gefolgt von der Bau- und Automobilbranche (ca. 18 und acht Prozent). Europa war 2021 als viertgrößter Kunststoffproduzent für 15 Prozent der weltweiten Produktion verantwortlich, mit absteigender Tendenz (2017: 19 Prozent). Großer Gewinner und Nummer eins ist China, das seit 2017 drei Prozentpunkte hinzugewinnen konnte und 2021 für32 Prozent der weltweiten Produktion stand. Die USA rangiert auf Platz 2 mit einem unveränderten Marktanteil von 18 Prozent. Ungeachtet der im weltweiten Vergleich zurückgehenden Produktionsmenge spielt die Kunststoffbranche in Europa mit über 52.000 Unternehmen und mehr als 1,5 Mio. Arbeitsplätzen weiterhin eine wichtige Rolle.

Hintergründe zu den Studien

Das „Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland“ wird alle zwei Jahre durchgeführt und liefert seit 1998 verlässliche Lebenswegdaten zum Werkstoff. Die Studie, die für Behörden, Wissenschaft und Wirtschaft wichtige Bezugsquelle ist, fördert so den faktenbasierten Dialog zur Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen und zur Ressourcenschonung in der Wertschöpfungskette. Neben Vertretern aus der gesamten Wertschöpfungskette von Kunststoffen beteiligt sich auch der VCI an der Studie.

Die Kurzfassung der Studie „Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland 2021“ ist hier abrufbar. Die Langversion kann in Kürze bei der BKV erworben werden.

„Plastics – the Facts“ wird jährlich vom europäischen Verband der Kunststofferzeuger Plastics Europe in Kooperation mit dem europäischen Verband der Kunststoffrecycler und -verwerter herausgegeben. Zur Studie „Plastics – the Facts 2022“ geht es hier lang .

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 Felix Lesche

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Felix Lesche

Kommunikation Kunststoffe und Kreislaufwirtschaft