Bedeutung in Deutschland wächst weiter

Marktanteil von Biopharmazeutika erreicht neuen Spitzenwert

Der Biotech-Report 2020 zur wirtschaftlichen Situation der medizinischen Biotechnologie in Deutschland ist erschienen. Jährlich erstellt die Boston Consulting Group für vfa bio den umfassenden Branchenreport „Medizinische Biotechnologie in Deutschland“. Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe sind Arzneimittel für neuartige Therapien (Advanced Therapy Medicinal Products, ATMP). Dazu gehören Gen- und Zelltherapeutika sowie biotechnologisch bearbeitete Gewebeprodukte.

Deutschland ist insgesamt gut aufgestellt bei der medizinischen Biotechnologie. Bei den neuartigen Gentherapien gibt es aber Nachholbedarf. - Bild: © rost9 / stock.adobe.com
Deutschland ist insgesamt gut aufgestellt bei der medizinischen Biotechnologie. Bei den neuartigen Gentherapien gibt es aber Nachholbedarf. - Bild: © rost9 / stock.adobe.com

Ein 10-Jahres-Vergleich für die Jahre 2009 und 2019 verdeutlicht die wachsende Bedeutung von Biopharmazeutika für die Patienten und den Pharmastandort Deutschland. So wuchs die Zahl der Biopharmazeutika von 188 im Jahre 2009 auf 319 im Jahr 2019. Die Biopharmazeutika-Pipeline verzeichnet ein Wachstum von rund 37 Prozent innerhalb der letzten 10 Jahre. Dieser positive Trend spiegelt sich ebenfalls in den Wirtschaftsdaten wider. Gegenüber 2009 haben sich die Umsätze 2019 von 4,7 Milliarden Euro auf 12,7 Milliarden fast verdreifacht. Unternehmen in der medizinischen Biotechnologie in Deutschland mit eigenen Produkten am Markt oder in der Entwicklung verzeichnen einen Beschäftigungszuwachs um 54 Prozent von 27.500 Mitarbeitern 2009 auf rund 49.700 im Jahr 2019.

Die Zahlen zeigen, dass die Unternehmen der medizinischen Biotechnologie in Deutschland wirtschaftlich gut dastehen und mit ihren hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung die Patientenversorgung maßgeblich verbessern. Der aktuelle Branchenreport weist jedoch darauf hin, dass Deutschland gerade im wichtigen Bereich der Arzneimittel für neuartige Therapien (ATMP) immer weiter ins Hintertreffen gerät.

Was sind neuartige Gentherapien?

Bei den Arzneimitteln für neuartige Therapien (Advanced Therapy Medicinal Products, ATMP) handelt es sich um Gentherapeutika, Zelltherapeutika und biotechnologisch bearbeitete Gewebeprodukte, die schwerkranken und bisher nicht therapierbaren Patienten Perspektiven auf Linderung oder möglicherweise sogar Heilung bieten. „Neuartig“ unterstreicht dabei die Besonderheiten ihrer Entwicklung über die Produktion, Zulassung, den Marktzugang oder die Erstattung.

Während die Grundlage klassischer Arzneimittel chemische Moleküle oder Proteine sind, basieren ATMP-Wirkstoffe auf Nukleinsäuren (wie Genen), ganzen Zellen oder Geweben. Sie finden vor allem Einsatz bei Erbkrankheiten, bei denen ein defektes Gen ersetzt und somit die Krankheitsursache bekämpft werden kann, in der Onkologie oder der regenerativen Medizin. Im Gegensatz zu klassischen Arzneimitteln, die beispielsweise zur Behandlung von Erbkrankheiten meist ein Leben lang angewendet werden müssen, reicht bei ATMPs möglicherweise eine einmalige Anwendung. Durch die neuen vielfältigen Möglichkeiten wird das Versorgungsspektrum für Patienten erweitert. Umso bedenklicher, dass Deutschland bei den neuen Therapien aktuell weit abgeschlagen ist. 2018 wurden hierzulande nur 4,4 Prozent der Gentherapie-Studien durchgeführt, während die USA mit 47,5 Prozent und China mit 39,2 Prozent mit großem Abstand Spitzenreiter sind.

ATMP-Umfeld in Deutschland verbessern

Um in Deutschland ein innovationsfreundliches Umfeld für neuartige Gentherapien im Sinne der Patienten und als Biopharma-Standort zu schaffen, gilt es:

  • ein Deutsches Zentrum der Gesundheitsforschung für ATMP einzurichten, um die notwendige Infrastruktur und Vernetzung aufzubauen,
  • eine ATMP-Taskforce zu gründen, um die länderspezifischen Anforderungen bei Handhabung und Logistik dieser neuartigen Therapien zu harmonisieren,
  • das Personal beim Paul-Ehrlich-Institut aufzustocken, um die Wartezeiten für Beratungsangebote und die Bearbeitungszeiten von Studienanträgen zu verkürzen,
  • Fachpersonal auszubilden, ATMP-Kapazitäten zu erweitern und die Produktion zu automatisieren, um Deutschland als ATMP-Standort zu etablieren,
  • Finanzierungslücken in Krankenhäusern zu schließen, um den frühzeitigen Einsatz von ATMP zu gewährleisten.

Service

Der Branchenreport „Medizinische Biotechnologie in Deutschland 2020“ gibt es bei vfa bio zum Download PDF 7589 Kb

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Elina Fecher
E-Mail: elina.fecher@dib.org

Dr. Sabine Sydow

E-Mail: s.sydow@vfa.de