Anlagensicherheit

Leitfaden zur Erfassung von Performance-Indikatoren für die Prozesssicherheit

Der Schutz von Mensch und Umwelt ist ein Hauptanliegen von Chemieunternehmen weltweit. Voraussetzung hierfür ist ein effektives System zur Gewährleistung der Prozesssicherheit, mit dem sich betriebliche Risiken erkennen, beseitigen, reduzieren und in ihren Auswirkungen begrenzen lassen. Seit 2013 führt der VCI bei seinen Mitgliedsfirmen jährlich Umfragen zur Erfassung von Performance-Indikatoren zur Anlagensicherheit durch. Ab 2018 sollen die Indikatoren nach international harmonisiertem Modell erfasst werden. Dazu wurde der bisherige Leitfaden entsprechend angepasst.

Die Sicherheitsleistung von Anlagen und Verfahren lässt sich anhand bestimmter Kennzahlen bewerten. Zu ihnen gehören auch die sogenannten "Process Safety Incidents" (PSI). - Foto: © Pressefoto BASF
Die Sicherheitsleistung von Anlagen und Verfahren lässt sich anhand bestimmter Kennzahlen bewerten. Zu ihnen gehören auch die sogenannten "Process Safety Incidents" (PSI). - Foto: © Pressefoto BASF

Kernpunkte des neuen Leitfadens Stand November 2017

Der europäische Chemieverband (CEFIC) wie auch der VCI haben den bisherigen Leitfaden zur Erfassung von Performance-Indikatoren zur Anlagensicherheit an den international harmonisierten Leitfaden des International Council of Chemical Associations (ICCA) angepasst. Im Unterschied zum ICCA-Leitfaden basiert der VCI-Leitfaden auf der Anwendung des Global Harmonisierten Systems (GHS). Insbesondere wurden die Freisetzungsmengenschwellen gemäß Bild 2 auf Seite 4 des VCI-Leitfadens auf die Mengenschwellen der freigesetzten Stoffe gemäß GHS-Variante des ICCA-Leitfadens bezogen. Außerdem wird gemäß der europäischen Praxis die Meldung von Verletzungen mit Ausfallzeiten ≥ 24 Stunden (LTI) erfasst anstelle der meldepflichtigen Unfälle nach der Occupational Safety and Health Adminstration (OSHA) sowie die Anwendung der reduzierten Schadenshöhe ab 2.500,00 EUR ebenfalls in Orientierung an ICCA empfohlen.

Einführung

Die Sicherheitsleistung von Anlagen und Verfahren lässt sich anhand von Kennzahlen, den Key Performance Indikatoren (KPI), bewerten. Zu den KPI‘s zählen auch die Anlagensicherheitsereignisse, die sogenannten Process Safety Incidents (PSI), ein KPI, der in den Unternehmen regelmäßig eingesetzt wird. Sie lassen sich auch branchenweit anwenden. Die Kennzahl PSI erfasst Ereignisse die durch eine Stoff- oder Energiefreisetzung gekennzeichnet sind (Loss of Primary Containment (LoPC), d. h. Austritt aus der ersten Umhüllung). Meistens haben diese Ereignisse eher geringe oder gar keine Auswirkungen auf Menschen und Umwelt, sie beinhalten jedoch auch Ereignisse mit Personen- und Sachschaden, z. B. durch Brände, die sich aus dem Stoffaustritt entwickeln.

Der neue Leitfaden stellt eine Aktualisierung des CEFIC-Leitfadens von 2012 dar, und beschreibt ein weltweit anwendbares System, mit einheitlichen Kriterien für das Berichten von Anlagensicherheitsereignissen (PSI). Die Berichtskriterien sind an die neue weltweit harmonisierte Definition der ICCA angepasst. ICCA hat diese in einem Leitfaden beschrieben, der 2 Varianten enthält. Die detaillierte Beschreibung der ICCA-Definitionen findet sich in dem Dokument “Guidance for reporting on the ICCA Globally Harmonized Process Safety Metric” von ICCA (PDF, 26 Seiten) . Von CEFIC wurde eine auf Europa angepasste Version des ICCA-Leitfadens erstellt, die auf der CEFIC Webseite zu finden ist .

Der hier vorliegende, gegenüber dem CEFIC-Leitfaden verkürzte und vereinfachte VCI-Leitfaden bezieht sich auf die Anwendung des GHS für die Mengenschwellen der freigesetzten Stoffe gemäß der GHS-Variante des ICCA-Leitfadens. Außerdem wird, gemäß der Empfehlung von CEFIC, die Anwendung des Kriteriums „Ausfalltage“ (Lost Time Injury, LTI) anstelle der nach OSHA meldepflichtigen Unfälle (OSHA reportables), für Firmen, die dieses US-spezifische Kriterium außerhalb der USA nicht erfassen, sowie die Anwendung von Euro anstatt USD bei den Schadenshöhen beschrieben.

Der Leitfaden empfiehlt zur Einstufung eines Ereignisses als Anlagensicherheitsereignis die Anwendung der einheitlichen Kriterien und Definitionen.

Zielsetzung

Ziel ist es, ein Berichtssystem für PSI vorzulegen, das globale, regionale und nationale Daten zur Anlagensicherheitsleistung liefert, mit denen die Unternehmensleitung das tatsächliche Anlagensicherheitsniveau und Trends erkennen kann, um Verbesserungen mit dem Ziel der Verringerung der Ereignisse zu erreichen.

Anwendungsbereich

Gegenstand des Leitfadens sind PSI sowohl mit kurzfristigen Auswirkungen, wie die Freisetzung eines akut toxischen Stoffes, als auch mit langfristigen Auswirkungen, wie die Freisetzung eines krebserregenden oder umweltgefährdenden Stoffes.

Der PSI stellt einen sogenannten ‚Lagging Indicator‘ dar, der sich ausschließlich auf stattgefundene Ereignisse bezieht. Erfasst werden Anlagensicherheitsereignisse mit Stoffaustritt oberhalb definierter Mengenschwellen, oder durch Brand/Explosion, bzw. mit Verletzten durch Stoffaustritt/Brand/Explosion.

Eine Process Safety Incident Rate (PSIR), die sich durch die Division der Ereigniszahl durch die Arbeitsstunden (Normalisierung) ergibt, eignet sich z. B. für Trendanalysen und Benchmarking von vergleichbaren Standorten/Anlagen innerhalb von Firmen, aber auch zwischen Firmen. Die PSIR gibt dem Management die Möglichkeit Schlussfolgerungen zu ziehen und kontinuierliche Verbesserungen voranzutreiben.

Nicht Gegenstand dieses Leitfadens sind sogenannte ‚Leading Indicators‘, die der Prävention und der Überwachung der Kontrollsysteme dienen, auch wenn sie wichtige Managementwerkzeuge darstellen. Sie lassen erkennen, wie gut das Unternehmen zur Vermeidung von Ereignissen aufgestellt ist. Dazu zählen z. B. die Erfassung von Beinahe-Unfällen oder der Anzahl rechtzeitig durchgeführter Inspektionen. Es liegt in der Verantwortung des Unternehmens, solche Indikatoren in angemessener Weise zu verwenden, um für ein effektives Anlagensicherheitsmanagement zu sorgen.

Die Rolle des Leitfadens für die Mitgliedsunternehmen des VCI

Seit 2013 führt der VCI jährlich bei seinen Mitgliedsfirmen Umfragen zur Erfassung von Performance Indikatoren zur Anlagensicherheit (PSI) durch. Bezogen auf die Arbeitsstunden der gesamten VCI-Mitgliedsfirmen konnte mit der Abfrage bisher eine sehr hohe Abdeckung erreicht werden.

Der VCI bittet alle Mitgliedsfirmen und die Mitglieder der VCI-Fachverbände, ab 2018 die Performance-Indikatoren zur Anlagensicherheit entsprechend dem international harmonisierten neuen VCI-Leitfaden zu erfassen.

Die nach dem neuen Leitfaden erfassten Ereignisse sollen dann erstmals Anfang 2019 vom VCI abgefragt werden.

Die Mitgliedsunternehmen des VCI können den vollständigen Leitfaden (Umfang: 11 Seiten) im Download-Bereich im Kopf dieser Seite herunterladen.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Thilo Höchst

E-Mail: hoechst@vci.de