Top-60-Vorschläge der Chemie für bessere Verkehrswege

Die wichtigsten Verkehrsinfrastrukturprojekte für die chemische Industrie

Die chemische Industrie zeigt für das ganze Bundesgebiet konkret auf, für welche Verkehrsprojekte aus ihrer Sicht so rasch wie möglich umgesetzt werden sollten. Rund 60 Maßnahmen schlägt die Branche vor, unterteilt nach Regionen und Verkehrsträgern. Jedem Engpass wurde ein Ampel-Symbol zugeteilt, um den Handlungsbedarf optisch zu untermauern. Der Stand der Umsetzung Projekte und die zu erwartende Dauer bis zur Fertigstellung wurden überprüft; einige aktuelle Punkte sind ergänzt.

Die chemische Industrie zählt zu den transportintensivsten Branchen in Deutschland. Eine gute Verkehrsinfrastruktur ist eine grundlegende Voraussetzung für sichere Chemietransporte. - Foto: © © Oliver Hoffmann - Thinkstock
Die chemische Industrie zählt zu den transportintensivsten Branchen in Deutschland. Eine gute Verkehrsinfrastruktur ist eine grundlegende Voraussetzung für sichere Chemietransporte. - Foto: © © Oliver Hoffmann - Thinkstock

Übersicht: Die größten Chemiestandorte und Infrastruktur-Engpässe in Deutschland - vergrößern mit Klick auf's Bild!
Übersicht: Die größten Chemiestandorte und Infrastruktur-Engpässe in Deutschland - vergrößern mit Klick auf's Bild! © VCI
Die Übersicht „Priorisierung der Infrastruktur-Engpässe“ über die wichtigsten Verkehrsinfrastrukturprojekte für die chemische Industrie zeigt auf, wo zwingender Handlungsbedarf besteht. Die Übersicht stellt die ermittelten Engpässe dar und unterteilt diese nach Regionen. Den Regionen untergeordnet sind die für den Standort relevanten Verkehrsträger, deren jeweiliger Verschleiß oder nicht voran getriebener Ausbau für die Wirtschaft zu Infrastruktur-Engpässen führt. Die einzelnen Infrastruktur-Engpässe wurden um eine geografische Ausrichtung sowie um notwendige Maßnahmen und Lösungsansätze zur Behebung ergänzt. Zusätzlich wurde jedem Infrastruktur-Engpass ein Ampel-Symbol zugeteilt, um Handlungsbedarf optisch zu untermauern.


Die Chemieindustrie ist eine besonders transportintensive Branche

Im Jahr 2018 wurden in Deutschland etwa 229,1 Mio. Tonnen chemischer Erzeugnisse transportiert (inklusive Pipeline). Sie verantwortet 5,5 % des gesamten Güterverkehrsaufkommens. Bundesweit ist sie der zweitgrößte Auftraggeber von Transportdienstleistungen, denn ein Großteil der Chemieproduktion geht an industrielle Weiterverarbeiter. Die Branche ist besonders auf sichere Transportwege angewiesen.

Alle Verkehrsträger sind für die Chemie von Bedeutung

Alle Verkehrsträger - Straße, Schiene, Binnenschiff, Seeverkehr und Pipelines - sind für die chemische Industrie notwendig, um ihre Rohstoffversorgung zu sichern und Kunden beliefern zu können. Dabei sind Eisenbahnen und Binnenschiffe das bevorzugte Transportmittel der Branche. Sogenannte Listengüter, darunter fallen ausdrücklich „gelistete“ Gefahrgüter, dürfen nur auf der Schiene oder auf Binnenwasserstraßen befördert werden. Schienentransporte sind für die chemische Industrie die einzige wirtschaftliche Alternative, wenn die Binnenwasserstraßen ausfallen. Und versagen die Schienenwege, dann ist der Wareneingang und -ausgang massiv betroffen.

Vekehrsinfrastruktur in Deutschland lebt von der Substanz

Seit vielen Jahren ist die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland chronisch unterfinanziert. Obwohl sich das BMVI und andere zuständige Behörden darum bemühen, notwendige Baumaßnahmen einzuleiten und umzusetzen, ist eine Trendwende hin zu einer leistungsfähigeren Verkehrsinfrastruktur im Gesamtsystem leider noch nicht deutlich zu erkennen. Das deutsche Infrastrukturnetzwerk gleicht zunehmend einem „Flickenteppich“, in dem wichtige Maßnahmen teilweise noch nicht einmal geplant sind oder aber viel zu spät realisiert werden.

Fehlende Investitionen bleiben nicht ohne Folgen: Straßen in Deutschland sind löchrig, Brücken gesperrt, Kanäle und Schleusen nicht betriebsfähig, Bahntrassen überlastet:

  • Mehr als 11.000 Straßenbrücken, davon rund 2.500 im Bereich von Bundesstraßen, sind in einem so schlechten Zustand, dass eine umgehende Instandsetzung oder gar Erneuerung notwendig ist.
  • Bei 1400 von insgesamt ca. 26.000 Eisenbahnbrücken besteht ebenfalls dringender Sanierungsbedarf. Bei 55 Prozent bedarf es eines kompletten Ersatzes.
  • Es fehlen Bahntrassen und Transportkapazitäten auf der Schiene.
  • Das Kanalnetz ist zum Teil mehr als 100 Jahre alt und massiv überaltert. Rund 30 Prozent der Wasserbauwerke müssen mittlerweile saniert oder ersetzt werden.
  • In der Binnenschifffahrt fehlen moderne Umschlagpunkte und Schleusen. Auch die Durchfahrtshöhe unter den Brücken in den Kanälen verhindert bisher die Verkehrsverlagerung bei Containertransporten. Die Schiffbarkeit des Rheins muss verbessert werden.
  • Die Verbindungen zwischen den Seehäfen und dem Binnenland tragen den weiter steigenden Exportverkehren keine Rechnung.
  • Bis zum Jahr 2030 beträgt der Investitionsbedarf allein für Brücken in Deutschland über 10 Milliarden Euro, Tendenz steigend.

Die Vorschläge des VCI an die Politik in der Zusammenfassung

Die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland muss wieder in einen leistungsfähigen Zustand gebracht werden, damit das Premium-Prädikat "Made in Germany" nicht durch unzuverlässige Transporte gefährdet wird. Langfristig muss die Politik daher den Ausbau aller Verkehrsträger konsequent vorantreiben − und zwar entsprechend dem Sanierungsbedarf und dem Verkehrsaufkommen. Dabei dürfen nicht einzelne Verkehrsmittel oder Einzelmaßnahmen im Fokus stehen, sondern alle Verkehrswege müssen gleichberechtigt gefördert und intelligent miteinander verknüpft werden. Sinnvoll wäre auch die Einrichtung eines Planungs-Kompetenzzentrums.

Die Bundesregierung sollte einen Verkehrsinfrastrukturbericht als Entscheidungsgrundlage für Investitionen erarbeiten und fortschreiben, in dem konkrete Schwachstellen offengelegt werden und der den realistischen Bedarf aufgezeigt. Sinnvoll wäre auch, wenn der Bund, unter Mitarbeit der Länder, bei Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur federführend ist und einen solide finanzierten Bundesverkehrswegeplan vorlegt und umsetzt. Höhere Belastungen der Verkehrsnutzer für den Erhalt und Ausbau der Infrastruktur lehnt der VCI ab. Es sind ausreichend staatliche Mittel vorhanden, wenn die Prioritäten richtig gesetzt werden.

Aus dem Inhalt des Positionspapiers

  • Verkehrsinfrastruktur und die chemische Industrie
  • Die größten Chemiestandorte und Infrastrukturengpässe in Deutschland
  • VCI-Forderungen
  • Priorisierung der Infrastruktur-Engpässe allgemein und nach Regionen

Das vollständige Positionspapier mit einem Umfang von 32 Seiten finden Sie im Download-Bereich im Kopf dieser Seite.

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Ansprechpartner

M.A. Monika von Zedlitz

E-Mail: zedlitz@vci.de