Literaturstudie zur Sicherheitsforschung von Nanomaterialien

Schlussfolgerungen und Empfehlungen des VCI zur gesundheitlichen Bewertung, Exposition und Umwelteffekten von Nanomaterialien

Die Ergebnisse der Sicherheitsforschung zu Nanomaterialien sind schwierig zusammenzufassen und zu bewerten. Das zeigt die bisherige langjährige Diskussion. Deshalb hat der VCI eine umfassende Literaturstudie zur Sicherheitsforschung angeregt, deren Ergebnisse nun vorliegen.

Das Fazit des VCi in seinem Papier: "Schlussfolgerungen und Empfehlungen aus dem Projekt: "Gesundheitliche Bewertung, Exposition und Umwelteffekte von Nanomaterialien: Literaturrecherche und -bewertung“:

Nanomaterialien haben demnach weder per se ein höheres Gefahrenpotenzial als andere Stoffe noch eine andere toxikologische Wirkweise. Nötig ist allerdings ein besserer Standard wissenschaftlicher Studien zur (Öko-)Toxikologie von Nanomaterialien.

Die wichtigsten Ergebnisse der Literaturstudie:

  • Es gibt keine Hinweise auf eine spezifische (Öko-)Toxizität von natürlichen und industriell hergestellten Nanomaterialien.
  • Nanomaterialien zeigen keine anderen Wirkmechanismen als andere Stoffe.
  • Die Toxizität von Nanomaterialien muss, wie bei anderen Stoffen auch, im Einzelfall betrachtet werden.
  • Nanomaterialien können in sehr kleinen Mengen grundsätzlich von allen Zellen aufgenommen werden, und zwar über die Lunge sowie den Magen-Darm-Trakt, nicht jedoch über die Haut.
  • Nanomaterialien sind als natürliche Kolloide in der Natur weit verbreitet.Deren Konzentration liegt in der Regel um Größenordnungen über der industrieller Nanomaterialien.
  • Alle Nanomaterialien neigen sehr stark zur Bildung von Agglomeraten,vor allem unter natürlichen Bedingungen.
  • Die Oberflächenbeschichtung bestimmt das Umweltverhalten industriell hergestellter Nanomaterialien.Unbeschichtete oder Nanomaterialien mit abbaubarer Beschichtung verhalten sich ähnlich wie natürlich vorkommende Nanomaterialien. Für Nanomaterialien mit nicht-abbaubarer Beschichtung ist das Verhalten hingegen nicht aus natürlich vorkommenden Materialien ableitbar.
  • Bei der Durchführung toxikologischer Studien besteht deutlicher Verbesserungsbedarf und die Notwendigkei tzur Einhaltung von Qualitätskriterien.
  • Auch Studien, die keine Effekte gezeigt haben, sollten publiziert werden.

Die Schlussfolgerungen und Empfehlungen des VCI zu Nanomaterialien in der Zusammenfassung:

  • Die Anwendung besonderer Vorsorgemaßnahmen ist wissenschaftlich nicht gerechtfertigt. Daher sollten industriell hergestellte Nanomaterialien nicht strenger reguliert werden als andere Stoffe.
  • Die für eine Stoffuntersuchung angewandten Testprotokolle der OECD sind für natürliche und industriell hergestellte Nanomaterialien anwendbar. Ein Expositionsszenario muss die Konzentration natürlich vorkommender Nanomaterialien und die Umweltbedingungen berücksichtigen.
  • Eine Risikobewertung muss im Einzelfall durchgeführt werden.
  • Notwendig ist eine Priorisierung von Projekten zur Sicherheitsforschung.
  • Um Nanomaterialien durch die chemische Industrie weiterzuentwickeln, muss die begleitende Sicherheitsforschung so effektiv wie möglich gestaltet werden.

Das ausführliche Positionspapier (Umfang: 12 Seiten) finden Sie im Downloadbereich im Kopf dieser Seite.

Die Ergebnisse der Literaturstudie sind in den Zeitschriften "Angewandte Chemie" und "Angewandte Chemie International Edition" als open access in einem Sonderheft zur Nanotechnologie pubiziert worden:
http://dx.doi.org/10.1002/ange.201403367
http://dx.doi.org/10.1002/ange.201405050

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Martin Reuter

E-Mail: reuter@vci.de

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