VCI-Position kompakt

Wasserstoffstrategie

Wasserstoff ist für die chemische Industrie außerordentlich wichtig: Er bildet den Ausgangspunkt wichtiger chemischer Wertschöpfungsketten, die auf den Basischemikalien Ammoniak und Methanol aufbauen. Schon heute kommen in Deutschland jährlich etwa 12,5 Milliarden Kubikmeter Wasserstoff zum Einsatz. Damit ist die Chemie der größte Nutzer von Wasserstoff.

Wird dieser treibhausgasneutral erzeugt, wirkt sich das positiv auf die Klimabilanz der chemischen Industrie aus. Doch dazu sind neue Technologien notwendig, die heute noch nicht wettbewerbsfähig sind und deren breite Einführung ohne Anreize und Förderung in absehbarer Zeit kaum gelingen wird.

Technologieoffenheit unabdingbar

Um das Ziel der Dekarbonisierung der deutschen Grundstoffchemie bis 2050 zu erreichen, steigt der Wasserstoffbedarf der Branche bis dahin auf das Sechsfache an. Für diese immensen Mengen werden für eine lange Übergangszeit verschiedene Technologien benötigt, um Wasserstoff treibhausgasneutral zu erzeugen. Die deutsche Nationale Wasserstoffstrategie fokussiert stark auf den sogenannten „grünen“ Wasserstoff, der auf Basis der Wasserelektrolyse mithilfe von erneuerbaren Energien hergestellt wird. Einen Beitrag zum Klimaschutz können aber auch andere Wasserstoffquellen mit geringem CO2-Fußabdruck (sogenannter „blauer“ oder „türkiser“ Wasserstoff) leisten. Offenheit gegenüber alternativen Technologien spielt daher eine wichtige Rolle, um Kosten zu dämpfen, künftige technische Entwicklungen nicht zu blockieren und die Dekarbonisierung voranzutreiben.

Zugang zu klimaschonenden Gasen

Im Stromsektor gibt es Herkunftsnachweise für regenerativ erzeugten Strom, die handelbar sind. Ähnliche EU-weit anerkannte Nachweise für treibhausgasarm erzeugte Gase wie Wasserstoff würden helfen, Technologien schneller zu verbreiten. Denn damit wären Nutzer treibhausgasarm erzeugter Gase nicht mehr davon abhängig, über eine geeignete Infrastruktur einen direkten Zugang zu diesem Wasserstoff erhalten zu können. Wesentlicher Inhalt solcher Zertifikate sollte der CO2-Fußabdruck sein, unabhängig von der konkret genutzten Erzeugungstechnologie, um die klimaschonende Eigenschaft dieser Gase nachweisen zu können.

Infrastruktur muss angepasst werden

Die heutige Infrastruktur reicht für die Bedarfe der künftigen Wasserstoffwirtschaft nicht aus. Bei den teilweise länderübergreifenden Fernleitungen ist eine getrennte Infrastruktur für einerseits methanhaltige Gase (Erdgas, Biomethan, synthetisches Methan) und andererseits Wasserstoff sinnvoll, um insbesondere die stoffliche Nutzung von reinem Wasserstoff zu ermöglichen. Hierfür sollten auch Teile der bestehenden Erdgasinfrastruktur genutzt werden. Auf der Ebene der lokalen Verteilnetze ist eine differenzierte Betrachtung notwendig: Während in einigen Bereichen der Verteilnetze Wasserstoff zum Erdgas beigemischt werden kann, muss die Beimengung in anderen Bereichen begrenzt werden, da bestimmte Anlagen nicht mehr sicher betrieben werden können, wenn die Wasserstoffkonzentration im Gasnetz zu hoch ist.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Neue Technologien unter Erhalt guter Wettbewerbsbedingungen fördern
    Die Einführung neuer Wasserstofftechnologien wird ohne finanzielle Anreize und Förderung nicht gelingen. Insbesondere in der Übergangsphase müssen wettbewerbsfähige Bedingungen bestehen.
  • Technologieoffenheit wahren
    Die Nachhaltigkeit von Wasserstoff und der verschiedenen Erzeugungsverfahren sollte ausschließlich anhand des CO2-Fußabdrucks bemessen werden, nicht durch Festlegung auf bestimmte Technologien.
  • Eine für Industrieanlagen kompatible Infrastruktur aufbauen
    Der Zugang zu nachhaltigem Wasserstoff sollte durch europäisch handelbare Herkunftsnachweise ermöglicht werden. Auf Fernleitungsebene sollte eine eigene Infrastruktur für Wasserstoff geschaffen werden. Bei den Verteilnetzen muss die Beimengung von Wasserstoff ins Erdgasnetz kompatibel mit den angeschlossenen Anlagen sein.

Hier geht's zum Download PDF 149 Kb

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Alexander Kronimus

E-Mail: kronimus@vci.de