VCI-Position kompakt

Wasserstoffstrategie

08. Oktober 2026 | Position

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Wasserstoff ist einer der Schlüssel für eine klimaneutrale Wirtschaftsweise der Chemie.


Wasserstoff ist für die chemisch-pharmazeutische Industrie außerordentlich bedeutend und bildet den Ausgangspunkt wichtiger Wertschöpfungsketten. Schon heute kommen in Deutschland jährlich etwa 12,5 Milliarden Kubikmeter Wasserstoff zum Einsatz. Die Chemie ist dessen größter Nutzer. Klimafreundlicher Wasserstoff ist ein zentraler Baustein der Transformation. Ein erfolgreicher Hochlauf des Wasserstoffmarkts ist somit eine wichtige Voraussetzung für die Defossilisierung der Industrie. Der Ausbau der Wasserstoffwirtschaft stockt jedoch. Der großflächige Einsatz von klimafreundlich erzeugtem Wasserstoff erfordert neue Technologien, die derzeit weder wirtschaftlich noch international wettbewerbsfähig sind. Ihre breite Einführung wird daher ohne Anreize und Förderung in absehbarer Zeit kaum gelingen.

Technologieoffenheit unabdingbar

Für die langfristige Defossilisierung der deutschen Grundstoffchemie steigt der Wasserstoffbedarf der Branche bis 2045 voraussichtlich auf das Drei- bis Siebenfache. Für diese immensen Mengen werden diversifizierte Importquellen sowie für eine lange Übergangszeit verschiedene Technologien benötigt, um Wasserstoff klimafreundlich zu erzeugen. Die deutsche Nationale Wasserstoffstrategie fokussiert bisher vor allem auf den sogenannten „grünen“ Wasserstoff, der auf Basis von Wasserelektrolyse mithilfe von erneuerbaren Energien hergestellt wird. Dieser ist jedoch derzeit in der Erzeugung teuer und auf absehbare Zeit kaum in den nötigen Mengen verfügbar. Zugleich bleibt die Rolle kohlenstoffarmen Wasserstoffs in der Transformation weitestgehend unklar.

Es ist gut, dass die Bundesregierung die Technologieoffenheit stärken will, um das Angebot von Wasserstoff konsequent auszuweiten und Kosten zu senken.

Rahmen schaffen und Infrastruktur anpassen

Mit der nationalen Umsetzung der Renewable Energy Directive (RED) und des Gaspakets entsteht ein Regelungsrahmen für den Wasserstoffhochlauf. Dabei sollte eine Marktbildung nicht behindert werden. Es zeigt sich bereits heute, dass die Kriterien für die Herstellung von „grünem“ Wasserstoff zu restriktiv sind und den Hochlauf behindern. Es muss daher frühzeitig eine Vereinfachung der EU-Kriterien vorgenommen werden. Die Industriequote für „grünen“ Wasserstoff muss so angepasst werden, dass die Rolle von kohlenstoffarmem Wasserstoff bei der Transformation berücksichtigt wird. Zumindest muss eine möglichst pragmatische nationale Umsetzung der EU-Vorgaben erfolgen.

Die Wasserstoffinfrastruktur entsteht derzeit erst mit dem Aufbau des Kernnetzes. Wichtig ist die Wahrung höchster Qualitätsstandards, zum Beispiel ein Reinheitsgrad von ≥ 99,9 Prozent. Zur Wahrung der Versorgungsqualität im Erdgasnetz muss zudem eine physische Beimischung von Wasserstoff im Fernleitungsnetz ganz unterbleiben und bei Verteilernetzen mit angeschlossenen Industriekunden ebenfalls ausgeschlossen werden. Bei der Umwidmung von Teilen des Erdgasnetzes für die Wasserstoffversorgung muss sichergestellt sein, dass industrielle Erdgasverbraucher weiter zu wettbewerbsfähigen Kosten versorgt werden. Gerade als Rohstoff spielt Methan langfristig eine Rolle in der Chemie.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Technologieoffenheit wahren
    Die Nachhaltigkeit von Wasserstoff und dessen verschiedenen Erzeugungsverfahren sollte ausschließlich anhand des CO₂-Fußabdrucks bemessen werden, nicht durch Festlegung auf bestimmte Technologien.
  • Praxistauglich regulieren
    Restriktive EU-Regelwerke müssen schnellstens pragmatisch angepasst werden. Herstellungskriterien und Einsatzquoten für grünen Wasserstoff dürfen den Markthochlauf nicht behindern und müssen vereinfacht werden. Eine nationale Grüngasquote im Gasnetz wird abgelehnt, da sie die Industrie zusätzlich belastet.
  • Sichere und qualitativ hochwertige Versorgung mit Gasen
    Der Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur muss mit Hochdruck vorangetrieben werden. Pauschale Beimischungen von Wasserstoff ins Erdgasnetz sind zur Wahrung der Gasqualität zu vermeiden. Zugleich muss die Versorgung der Industrie mit Methan weiter sichergestellt werden.

Kontakt

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

 Heinrich Nachtsheim

Heinrich Nachtsheim

Energiepolitik, Wasserstoff