VCI-Position kompakt

Wasserstoffstrategie

20. Mai 2022 | Position

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Wasserstoff ist für die chemische Industrie außerordentlich bedeutend und bildet den Ausgangspunkt wichtiger chemischer Wertschöpfungsketten. Schon heute kommen in Deutschland jährlich etwa 12,5 Milliarden Kubikmeter Wasserstoff zum Einsatz.

Damit ist die Chemie der größte Nutzer von Wasserstoff. Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist die Bedeutung von Wasserstoff weiter gestiegen: Um die Abhängigkeit von russischem Erdgas zu reduzieren, planen die EU und Deutschland, die Produktion und Importe von Wasserstoff zu steigern. Der schnelle Hochlauf einer klimafreundlichen Wasserstoffwirtschaft erfordert allerdings mehr als den politischen Willen dazu: Damit treibhausgasneutral erzeugter Wasserstoff in der chemischen Industrie großflächig eingesetzt werden kann, sind neue Technologien notwendig, die heute noch nicht wettbewerbsfähig sind und deren breite Einführung ohne Anreize und Förderung in absehbarer Zeit kaum gelingen wird.

Technologieoffenheit unabdingbar

Um die Dekarbonisierung der deutschen Grundstoffchemie bis 2050 zu erreichen, steigt der Wasserstoffbedarf der Branche bis dahin auf das Sechsfache an. Für diese immensen Mengen werden diversifizierte Importquellen sowie für eine lange Übergangszeit verschiedene Technologien benötigt, um Wasserstoff treibhausgasneutral zu erzeugen. Die deutsche Nationale Wasserstoffstrategie fokussiert stark auf den sogenannten „grünen“ Wasserstoff, der auf Basis der Wasserelektrolyse mithilfe von erneuerbaren Energien hergestellt wird. Aber auch andere Wasserstoffquellen mit geringem CO₂-Fußabdruck (sogenannter „blauer“ oder „türkiser“ Wasserstoff) können einen Beitrag zu mehr Klimaschutz leisten. Daher ist Technologieoffenheit geboten, um Kosten zu dämpfen, technische Entwicklungen nicht zu blockieren und die Dekarbonisierung voranzutreiben.

Zugang zu klimaschonenden Gasen schaffen

Im Stromsektor gibt es handelbare Herkunftsnachweise für regenerativ erzeugten Strom. Ähnliche EU-weit anerkannte Nachweise für treibhausgasarm erzeugte Gase würden helfen, Technologien schneller zu verbreiten. Denn damit wären Nutzer nicht mehr davon abhängig, über eine geeignete Infrastruktur einen direkten Zugang zu diesem Wasserstoff erhalten zu können. Wesentlicher Inhalt solcher Zertifikate sollte der CO₂-Fußabdruck sein, um die klimaschonende Eigenschaft dieser Gase nachweisen zu können – unabhängig von der Erzeugungstechnologie.

Infrastruktur muss angepasst werden

Die heutige Infrastruktur reicht für die Bedarfe der künftigen Wasserstoffwirtschaft nicht aus. Bei den Fernleitungen ist eine getrennte Infrastruktur für einerseits methanhaltige Gase (Erdgas, Biomethan, synthetisches Methan) und andererseits Wasserstoff sinnvoll, um die stoffliche Nutzung von reinem Wasserstoff zu ermöglichen. Hierfür sollten auch Teile der bestehenden Erdgasinfrastruktur genutzt werden. Die lokalen Verteilnetze müssen differenziert betrachtet werden: Während in einigen Bereichen Wasserstoff zum Erdgas beigemischt werden kann, muss die Beimengung in anderen Netzbereichen begrenzt werden, da bestimmte Anlagen sonst nicht mehr sicher betrieben werden können.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Neue Technologien unter Erhalt guter Wettbewerbsbedingungen fördern
    Die Einführung neuer Wasserstofftechnologien wird ohne finanzielle Anreize und Förderung nicht gelingen. Insbesondere in der Übergangsphase müssen wettbewerbsfähige Bedingungen bestehen.
  • Technologieoffenheit wahren
    Die Nachhaltigkeit von Wasserstoff und der verschiedenen Erzeugungsverfahren sollte ausschließlich anhand des CO₂-Fußabdrucks bemessen werden, nicht durch Festlegung auf bestimmte Technologien.
  • Eine für Industrieanlagen kompatible Infrastruktur aufbauen
    Der Zugang zu nachhaltigem Wasserstoff sollte durch europäisch handelbare Herkunftsnachweise ermöglicht werden. Auf Fernleitungsebene sollte eine eigene Infrastruktur für Wasserstoff geschaffen werden. Bei den Verteilnetzen muss die Beimengung von Wasserstoff ins Erdgasnetz kompatibel mit den angeschlossenen Anlagen sein.

Kontakt

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

 Heinrich Nachtsheim

Kontaktperson

Heinrich Nachtsheim

Energiepolitik