VCI-Position kompakt

Kreislaufwirtschaft

12. Dezember 2025 | Position

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Um treibhausgasneutral zu werden, stellt die chemisch-pharmazeutische Industrie ihre Energiequellen um und defossilisiert ihre Rohstoffbasis. Zirkuläres Wirtschaften stellt dabei ein wichtiges Erfolgselement dar. Die Erzeugnisse der Branche ermöglichen langlebige und leichtere Produkte sowie Klimaschutz in diversen Anwendungen – weit über die Chemie hinaus.

All das muss bei der Bewertung der Nachhaltigkeit von Produkten neben deren Recyclingfähigkeit berücksichtigt werden. Hinzu kommt: Durch innovative Verfahren aus der Chemie können immer mehr Rohstoffe im Kreis geführt werden. Das schont Ressourcen und reduziert den Einsatz fossiler Rohstoffe, was gerade für eine nachhaltige Produktion und Verwendung von Kunststoffen entscheidend ist.

Zu Recht im Fokus der deutschen und EU-Politik

Die Kreislaufwirtschaft steht mit der 2024 verabschiedeten Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) oben auf der politischen Agenda. Ein Entwurf zur Umsetzung der Strategie liegt vor und soll 2026 vorgestellt werden. Sie folgt dem Leitgedanken, den primären Rohstoffverbrauch in Deutschland zu reduzieren und Rohstoffe möglichst lange im Kreis zu führen. Für den derzeitigen Technologieumbruch, der den Aufbau geschlossener Kohlenstoffkreisläufe erfordert, sind bestimmte Primärrohstoffe unverzichtbar – etwa Biomasse und nicht-organische Rohstoffe wie Seltene Erden. Sie bilden die Grundlage für neue Prozesse und die Resilienz der chemisch-pharmazeutischen Industrie.

Mengenbegrenzungen bei nicht-fossilen Primärrohstoffen würden die Transformation ausbremsen und sollten daher vermieden werden. Positiv ist, dass die NKWS den Einsatz von Massenbilanzierungsverfahren nach der „Fuel Use Exempt“-Methodik ausdrücklich unterstützt. Diese Verfahren ermöglichen es, den Rezyklatanteil eines Produkts nach klar definierten Regeln bilanziell zuzuordnen – ein wichtiger Schritt für die industrielle Umsetzung von Kreisläufen.

Auch die EU-Kommission widmet sich mit ihrem Circular Economy Act, der bis 2026 umgesetzt werden muss, der Kreislaufwirtschaft. Schwerpunkte werden besseres Recycling von Elektronikschrott, die Beseitigung rechtlicher Hindernisse für Sekundärmaterialien sowie die Stärkung der erweiterten Herstellerverantwortung sein.

Global zu lösen: Kunststoffabfälle in der Umwelt

Kunststoffe sind unverzichtbar für moderne Anwendungen, zum Beispiel in der Medizin und im Klimaschutz, doch ihre Abfälle können die Umwelt belasten. Um die vielen Vorteile zu erhalten und Belastungen zu vermeiden, muss der Umgang nachhaltiger werden. Die chemisch-pharmazeutische Industrie unterstützt ein globales Abkommen, das Plastikverschmutzung bis 2040 beenden soll. Der Schlüssel dafür ist der Ausbau der Kreislaufwirtschaft – von Vermeidung über Sammelsysteme bis zur Wiederverwertung.

Chemisches Recycling als Chance

Um Kunststoffe möglichst oft stofflich zu verwerten, statt sie zu verbrennen, muss die gesamte Bandbreite technologischer Lösungen gefördert werden. Wo mechanisches Recycling an seine Grenzen stößt, können lösemittelbasierte Verfahren und chemisches Recycling die Kreisläufe schließen. Das eröffnet Potenziale, erweitert die Rohstoffbasis und reduziert Abhängigkeiten – eine Win-win-Situation für mehr Klimaschutz und Resilienz am Standort Deutschland. Doch ohne passenden regulatorischen Rahmen verpufft diese Chance. Fortschritte sind auf nationaler Ebene mit dem neuen Verpackungsdurchführungsgesetz sichtbar. Doch EU-weit fehlt weiterhin die Anerkennung der Massenbilanzierung.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Grundlagen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft schaffen
    Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft erfordert einen starken Markt für Rezyklate, gefördert durch technologieneutrale Rezylateinsatzquoten, nachhaltiges Produktdesign und einen EU-Binnenmarkt mit gemeinsamen Standards.
  • Globales Abfallproblem durch weltweiten Ausbau der Kreislaufwirtschaft lösen
    Kunststoffe sind für viele Schlüsselanwendungen des modernen Lebens unabdingbar. Globale Abkommen zur Reduzierung von Kunststoffabfällen in der Umwelt sollten deshalb statt auf pauschale Produktionsbegrenzungen auf den Ausbau der Kreislaufwirtschaft setzen.
  • Technologieoffenheit und Innovation als Schlüssel für mehr und besseres Recycling anerkennen
    Die Anerkennung aller Recyclingverfahren und die Etablierung des Massenbilanzverfahrens, um Rezyklatanteile transparent nachzuweisen, schaffen die nötige Rechtssicherheit für Investitionen in innovative Verfahren.

Kontakt

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Dr. Wadim Weber

Dr. Wadim Weber

Rohstoffe, Zirkuläre Wirtschaft