05. Mai 2026 | Position
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VCI Position kompakt - Innovationsanreize für Chemie und Pharma
PDF | 98 kB | Stand: 05. Mai 2026
Chemie, Biotechnologie und Pharma stehen am Anfang vieler Wertschöpfungsketten und spielen eine zentrale Rolle in der Entwicklung von Innovationen, zum Beispiel in der Batterie- und Chipproduktion, in der Auto- und Elektronikindustrie, bei Konsumgütern sowie im Bau- und Gesundheitswesen.
Doch der Druck auf die Innovationskraft wächst angesichts massiver Herausforderungen durch eine klimaneutrale, digitale und nachhaltige Wirtschaftsweise, den wachsenden internationalen Wettbewerb, die Lücke bei MINT-Fachkräften und die aktuellen Pläne zur Finanzierung einer umfassenden Gesundheitsreform.
Handicaps für Wettbewerbsfähigkeit abbauen
Investitionen in die Innovationskraft der Branche sind entscheidend für Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Resilienz und um weiterhin erfolgreich zu sein. Allerdings rutscht Deutschland in Standort- und Innovationsrankings aufgrund fehlender Rahmenbedingungen langsam, aber stetig ab. Deutschland ist gefesselt von zu hohen Produktionskosten, zu viel Bürokratie und Regulation sowie dem Mangel an Wachstumskapital, Investitionsanreizen und Denken in ganzen Wertschöpfungsketten und Abhängigkeiten. Wo die Regulierung den Marktzugang verhindert, laufen Fördermechanismen ins Leere. Noch hat Deutschland eine starke Grundlagenforschung und ein breites und gut funktionierendes Industrienetzwerk in der notwendigen Tiefe und mit forschungsstarken Unternehmen. Entscheidend ist, dass neue Produkte und Verfahren schnell in die industrielle Praxis und auf den Markt kommen und angemessen vergütet werden. Dafür braucht es Planungssicherheit durch eine langfristige Strategie mit den passenden und eine Legislaturperiode überdauernden Gesetzen und Förderinstrumenten.
Chemie, Pharma und Biotechnologie müssen als zentrale Industrien über spürbare Förderung des Transfers von Forschungsleistungen in die Wirtschaft gestärkt werden. Eingeschränkt fühlen sich insbesondere Pharma-Unternehmen durch Verzögerungen bei der Umsetzung medizinischer Grundlagenergebnisse in Therapien, fehlenden Zugang zu Gesundheitsdaten aus der Bevölkerung sowie überlange Verhandlungen mit Kliniken vor gemeinsamen Arzneimittelstudien. Leider hat sich Deutschland mit einer Spargesetzgebung, die den Marktzugang hemmt, in den vergangenen Jahren in die falsche Richtung entwickelt. Das Gesundheitsdatennutzungs- und das Medizinforschungsgesetz sind hilfreich, doch müssen weitere Verbesserungen folgen.
DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN
- Umfeld innovationsfreundlich gestalten
Regulierung sollte sparsam eingesetzt werden, ausgewogen und pragmatisch sein und die Wettbewerbsfähigkeit unterstützen. Sie muss zusammenhängend gedacht und umgesetzt werden sowie positive Anreize setzen und Chancen eröffnen. Förderanträge sowie Planungs- und Genehmigungsverfahren müssen, unter Wahrung von Geschäftsgeheimnissen, einfacher und schneller werden. Gut ausgestattete Förderung, die flexibel, ressortübergreifend und planungssicher ist, ebnet den Weg für neue Technologien. Die Forschung an neuen Materialien, Biotechnologie und anwendungsspezifischer KI sollte konsequent gefördert, die steuerliche Forschungsförderung ausgeweitet werden. - Innovationskraft auf der politischen Agenda priorisieren
Mit einer diversifizierten Finanzierung, Forschungsinvestitionen von 3,5 Prozent des BIP, mehr Wachstumskapital und einer wachstumsfördernden Steuerpolitik könnten Innovationen angereizt werden. Handelsabkommen und ein vertiefter EU-Binnenmarkt schaffen die notwendigen Größenordnungen für die Einführung neuer Produkte und Technologien. MINT-Talente müssen durch bessere Bildung und einfachere Einwanderungsverfahren gewonnen, gefördert und gebunden werden. Geeignete Infrastrukturen und der Schutz geistigen Eigentums, auch bei Arzneimitteln, sind essenziell. Die Finanzierungspläne für die gesetzliche Krankenversicherung sind hingegen kaum geeignet, Innovationen anzureizen, und schwächen nicht nur die Pharmabranche, sondern auch den Zugang einer alternden Bevölkerung zu einer bestmöglichen Gesundheitsversorgung. - Nationale und internationale Kooperationen und den Transfer stärken
Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft sowie zwischen Wertschöpfungspartnern müssen schnell und deutlich gestärkt zunehmen, damit der Transfer aus der Forschung in marktreife Produkte gestärkt wird.
Kontakt
Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.
Dr. Martin Reuter
Forschungs- und Technologiepolitik, Material- und Energieforschung
- E-Mail: reuter@vci.de