VCI-Position kompakt

Innovationsanreize für Chemie und Pharma

16. Oktober 2023 | Position

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Deutschlands Chemie- und Pharmaindustrie steht unter doppeltem Handlungsdruck: Erstens müssen sich die Unternehmen im weltweit steigenden Wettbewerb behaupten. Zweitens müssen sie ihr Know-how einsetzen, um Antworten auf die großen gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit zu finden.

Dem stellt sich die Branche: Rund 14 Milliarden Euro investierte sie 2022 in Forschung und Entwicklung, davon 8,7 Milliarden in Pharma. Allein kann sie Deutschland allerdings nicht an der Weltspitze halten: Die Unternehmen brauchen politische Rückendeckung.

Innovationsanreize setzen

Wichtige Schlüsseltechnologien über Wertschöpfungsketten hinweg, wie Wasserstofferzeugung und -nutzung, chemisches Recycling, Biotechnologie, Energiespeicherung und Digitalisierung, müssen anerkannt und gefördert werden. Dafür sollten nationale und europäische Förderprogramme sowie Wachstumsfonds bereitgestellt werden. Die Chemie- und Pharmabranche misst der Förderung von Mittelständlern und Start-ups besondere Bedeutung zu, denn diese sind wichtige Innovationsträger. Wirtschaft und Staat sollten 3,5 Prozent des BIP in Forschung und Entwicklung investieren. Richtig ist auch die laut Wachstumschancengesetz geplante Ausweitung der Forschungszulage.

Vorfahrt für Innovationen

Bei Pharma ist eine zunehmende Verlagerung der Forschung ins Ausland zu beobachten. Hinzu kommt, dass der Patentschutz zunehmend kritisch diskutiert wird. Wer aber wettbewerbsfähig sein will, muss seine Forschungsergebnisse möglichst schnell zur Marktreife bringen können und die Investitionen auch vergütet wissen. Wichtig ist daher, Innovationshemmnisse innerhalb der Wertschöpfungsnetze zu vermeiden oder abzubauen und die heimische Forschung zu stärken. Das setzt stabile, langfristig verlässliche, zukunftssichere Rahmenbedingungen in der Innovationspolitik und der Forschungsförderung voraus.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Mehr Investitionen in Innovationen und Wachstumskapital
    Zur Unterstützung innovativer Unternehmen bis zur Marktreife bedarf es der Mobilisierung von Wagniskapital und weiterer Finanzinstrumente mit langfristigem Finanzierungshorizont. Der Ausbau der Forschungszulage muss praxisgerecht umgesetzt und mittel- beziehungsweise langfristig auch die Anhebung des Fördersatzes von derzeit 25 Prozent für alle Unternehmen vorsehen.
  • Starke Pharmaforschung und -produktion sowie sichere Versorgung
    Private Forschung sollte Zugang zu Gesundheitsdaten und zum Forschungsdatenzentrum erhalten. Der Schutz geistigen Eigentums muss gewährleistet bleiben. Angemessene Patentverwertungszeiten und EU-einheitliche ergänzende Schutzzertifikate sind hierfür wichtige Bausteine. Einseitige staatliche Anreize wie der Parallelhandel sollten abgeschafft werden.
  • Gutes Innovationsumfeld
    Forschung gedeiht unter anderem bei Technologieoffenheit sowie schnellen und rechtssicheren Planungs- und Genehmigungsverfahren. Zudem bedarf es einer hohen Agilität der Förderprogramme sowie der Anpassung der Beihilferegelungen für Forschung und Entwicklung sowie im Bereich von Transformationsprojekten.
  • Förderprogramme für die Zukunft
    Es sollte wieder mehr Geld in Projekte mit der Industrie fließen. Wichtig sind ausreichend finanzierte und tech-nologieoffene Förderprogramme – auch im „Green Deal“ der EU – über alle technologischen Reifegerade hinweg, die flexibel sind und agil ausgebaut werden können. Dazu zählen auch Reallabore. Forschungskooperationen sind durch unbürokratische Ausschreibungen und eine Steigerung der Fördereffektivität und -effizienz weiter voranzutreiben, mit verbesserten Zugangsmöglichkeiten für Mittelständler und Start-ups.
  • Bessere Bedingungen für naturwissenschaftliche Bildung
    Sachkundeunterricht sollte bereits in der Grundschule eingeführt und mindestens ein Drittel des Unterrichts in weiterführenden Schulen mit MINT-Fächern belegt werden. Hochschulen sind finanziell besser auszustatten.

Kontakt

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Dr. Martin Reuter

Kontaktperson

Dr. Martin Reuter

Energie- und Materialforschung, Forschungs- und Technologiepolitik