VCI-Position kompakt

Innovationsanreize für Chemie und Pharma

Für den Industriestandort Deutschland wird es schwerer, seine Top-Position bei Forschung und Entwicklung zu halten. Die mit Deutschland im Wettbewerb stehenden Industrienationen investieren massiv in Bildung und Forschung und schaffen innovationsfreundliche Bedingungen. Die Schwellenländer, vor allem China, schließen auf.

Die Chemie- und Pharmaindustrie stellt sich dieser Herausforderung: 2019 investierte sie 13 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. Zudem arbeitet sie am Abbau firmeninterner Innovationshemmnisse. Allein kann die Wirtschaft Deutschland allerdings nicht an der Spitze halten – sie braucht dafür politische Unterstützung.

Forschungsanreize setzen

Die 2019 beschlossene steuerliche Forschungsförderung für alle innovativen Unternehmen war überfällig. Auch die bis 2025 befristete Verdopplung der Forschungszulage im Rahmen des Zukunftsfonds ist ein wichtiges Signal. Start-ups brauchen einen leichteren Zugang zu Wagniskapital. Essenziell für erfolgreiche Forschung ist zudem der Patentschutz: Mit Ergänzenden Schutzzertifikaten und der damit verbundenen um bis zu fünf Jahre verlängerten Patentlaufzeit können Arzneimittelhersteller lange Entwicklungszeiten von Medikamenten ausgleichen. Der Zugang privater Forschung zu Gesundheitsdaten würde neue Forschungsansätze ermöglichen und Deutschland in der Pharmaforschung stärken.

Mit der Hightech-Strategie ist die Bundesregierung auf dem richtigen Weg, den hiesigen Innovationsstandort zu stärken. Nun kommt es auf konsequente Umsetzung an.

Innovationen werden gefördert, wenn bestehende und künftige Regelungen daraufhin überprüft werden, wie sie sich auf die Erforschung und Entwicklung neuer Produkte und Verfahren auswirken. Ein solcher Innovationscheck fehlt bisher.

Bestens ausgebildete Wissenschaftler, Ingenieure, Techniker und Facharbeiter stärken die Innovationskraft der Unternehmen.

Besserer Rückhalt für Innovationen

Innovative Produkte und Verfahren aus der Chemie- und Pharmabranche sind Teil der Lösung großer gesellschaftlicher Herausforderungen wie Gesundheitsversorgung, Ernährung und Ressourcenschutz. Politik und Gesellschaft sollten Innovationen deshalb grundsätzlich aufgeschlossen gegenüberstehen, damit Fortschritte möglich sind.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Ausgaben erhöhen und Forschung steuerlich fördern
    Die Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung sind zu verbessern, damit Deutschland gestärkt aus der Krise hervorgeht: durch eine Erhöhung des BIP-Anteils der Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf 3,5 Prozent und die Forschungszulage für alle Unternehmen, die über die Krise hinaus erhöht wird.
  • Bestmögliche Rahmenbedingungen schaffen
    Die Hightech-Strategie sollte mit einer ressortübergreifenden Innovationspolitik verknüpft und konsequent und nachprüfbar umgesetzt werden. Um das Niveau deutscher Forschung zu halten, sind ausreichend finanzierte und technologisch breit angelegte Förderprogramme wichtig – auch im Rahmen des „Green Deal“ der EU. Sie sollten die Belange des Mittelstands berücksichtigen. Die Bedingungen für Wagniskapital sollten optimiert werden. Zudem sind angemessene Patentverwertungszeiten, Ergänzende Schutzzertifikate (SPC) auch in Form eines EU-weiten „Einheits-SPC“ sowie der Unterlagenschutz entscheidend. Der Zugang zu Gesundheitsdaten sollte auch für die private Forschung sichergestellt sein.
  • Innovations-Check bei der Gesetzesfolgenabschätzung einführen
    Politische Rahmenbedingungen sollten Innovationen nicht erschweren oder gar verhindern. Bestehende und künftige Regulierungen sollten stattdessen durch einen Innovations-Check überprüft werden.
  • Bessere Bedingungen für naturwissenschaftliche Bildung schaffen
    Sachkundeunterricht sollte bereits in der Grundschule eingeführt sowie ein Drittel des Unterrichts in weiterführenden Schulen mit MINT-Fächern belegt werden. Hochschulen sind finanziell besser auszustatten. Die Möglichkeiten zur qualifizierten Weiterbildung Berufstätiger müssen ausgeweitet werden.

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Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Martin Reuter

E-Mail: reuter@vci.de