VCI-Position kompakt

Handelspolitik

20. Oktober 2021 | Position

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Der Welthandel hat nach dem Einbruch durch die Corona-Krise wieder an Dynamik gewonnen. Gerade die deutsche Exportindustrie profitiert davon. Strukturelle Probleme bleiben aber: Weltweit nehmen protektionistische Maßnahmen zu, insbesondere China greift planerisch und wettbewerbsverzerrend in Wirtschaftsprozesse ein.

Die USA bekennen sich zwar zum Multilateralismus, setzen aber zugleich auf „Buy American“ und die Rückverlagerung von Industrieproduktion. Zudem hat die Stabilität internationaler Lieferketten abgenommen.

Auch in der EU nimmt die Diskussion über mehr Souveränität durch den Aufbau heimischer Produktion zu. Zudem will die EU-Kommission mit dem Green Deal ihre Politik auf Klima- und Umweltschutz sowie zirkuläres Wirtschaften ausrichten. Dies geht mit der Entwicklung neuer Handelsbarrieren wie „Grenzausgleichsmaßnahmen“ zum Klimaschutz einher.

Branche profitiert von globaler Vernetzung

Mit ihren Produkten trägt die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie als Teil innovativer internationaler Wertschöpfungsnetzwerke weltweit zu Wohlstand und den UN-Nachhaltigkeitszielen („Sustainable Development Goals“) bei. Die Branche exportierte 2019 Waren im Wert von rund 202 Milliarden Euro, etwa die Hälfte davon in Länder außerhalb der EU. Zugleich importierte Deutschland für mehr als 145 Milliarden Euro chemisch-pharmazeutische Produkte. Und auch die Chemie- und Pharmaindustrie selbst importiert Rohstoffe, Vorprodukte sowie Technologie. Die Branche produziert global und nutzt die Nähe zu Absatzmärkten, spezifische Standortvorteile und ihren Knowhow-Vorsprung auf Basis geistiger Eigentumsrechte. Unterdessen investieren und produzieren ausländische Unternehmen hier.

Die Transformation der EU-Industrie im Sinne des Green Deals wird nur global eingebettet gelingen, denn: Um auf diesem Weg erfolgreich zu sein, braucht es Handel, Investitionen, Innovationen, Wissenstransfer sowie gemeinsame Regeln.

Welthandel im Umbruch erfordert agile EU

Die deutsche Chemie hat sich im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO erfolgreich in die Weltmärkte und die internationale Arbeitsteilung integriert. Diese Handelsordnung ist in den vergangenen Jahren schleichend erodiert. Die EU hat deshalb WTO-Reformvorschläge vorgelegt.

Die EU selbst hat ihre Handelsstrategie am Grundsatz der „open strategic autonomy“ ausgerichtet: Es gilt, die EU für das veränderte globale Umfeld fit zu machen, ohne ihre Offenheit infrage zu stellen. Hierfür sind die EU-Prozesse zu Handelsverträgen zu langwierig. Während das Abkommen mit dem gemeinsamen Markt Südamerikas, „Mercosur“, ratifizierungsbereit auf Eis liegt, werden in Asien mit den beiden großen Handelsabkommen RCEP und CPTPP bereits Fakten geschaffen.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Offene Märkte und moderne Handelsregeln statt Protektionismus
    Deutschland und die EU sollten sich für offene Märkte, Regeln für fairen Wettbewerb und gegen Protektionismus einsetzen. Klimaschutz, Ernährung, Gesundheitsversorgung und Wohlstand können nur mit freiem, regelgebundenem Handel gesichert werden, bei dem geistige Eigentumsrechte geschützt sind. Die EU sollte die WTO mit den USA, Japan, China und anderen reformieren.
  • Konstruktiver Dialog mit den USA
    Die EU sollte den Schulterschluss mit der US-Regierung suchen. Die unter Ex-Präsident Trump eingeführten Zölle sollten abgeschafft, und im Rahmen des neuen Transatlantischen Technologie- und Handelsrats sollte eine enge Zusammenarbeit bei Transformations- und Sicherheitsthemen entwickelt werden.
  • Systemwettbewerb mit China annehmen
    Die EU muss den geo- und industriepolitischen Strategien Chinas eine eigene Strategie entgegensetzen. Sie sollte Unternehmen im Systemwettbewerb mit China unterstützen und sich dabei mit Partnern abstimmen.
  • Wettbewerbsnachteile durch Green Deal ohne Abschottung ausgleichen
    Durch die ambitionierten Ziele und Maßnahmen des Green Deals drohen der Industrie in Europa Wettbewerbsnachteile. Diese durch einseitige Maßnahmen an den Außengrenzen auszugleichen, die nur auf die Verteuerung von Importen setzen, birgt Risiken und Belastungen, die vermieden werden müssen.

Kontakt

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Dr. Matthias Blum

Kontaktperson

Dr. Matthias Blum

Bereichsleitung Außenwirtschaft, Industriepolitik