VCI-Position kompakt

Handelspolitik

Der Welthandel hat seit Jahren an Dynamik eingebüßt. Die Ursachen sind vielfältig: Weltweit nehmen protektionistische Maßnahmen zu. Besonders China greift verstärkt planerisch und wettbewerbsverzerrend ein. Die USA stellen ihre Bindung an internationale Verträge infrage, haben Zölle erhöht und einen Handelskrieg mit China begonnen.

Der Brexit führt zu neuen Handelsbarrieren zwischen der EU und Großbritannien. Und auch in der EU hat eine Diskussion über den Schutz heimischer Produktion begonnen. Mit ihrem „Green Deal“ will die EU-Kommission ihre Politik zudem primär auf Klima- und Umweltschutz sowie zirkuläres Wirtschaften ausrichten – was mit der Konzipierung neuer Handelshindernisse in Form von Grenzausgleichsmaßnahmen einhergeht.

Globale Orientierung der deutschen Chemie

Mit ihren Produkten trägt die deutsche Chemie als Teil leistungsstarker internationaler Wertschöpfungsnetzwerke weltweit zu Wohlstand und den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen („Sustainable Development Goals“) bei. Die Branche exportierte 2018 Waren im Wert von mehr als 202 Milliarden Euro, etwa die Hälfte davon in Länder außerhalb der EU. Zugleich importierte Deutschland für mehr als 146 Milliarden Euro chemisch-pharmazeutische Produkte. Und auch die Chemie selbst importiert Rohstoffe, Vorprodukte sowie Technologie. Viele Unternehmen der Branche produzieren global. Sie nutzen die Nähe zu Absatzmärkten oder spezifische Standortvorteile. Unterdessen investieren und produzieren ausländische Unternehmen hier.

Welthandelsordnung und EU unter Druck

Die Chemie hat sich im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO erfolgreich in die Weltmärkte und die internationale Arbeitsteilung integriert. Die mit der WTO geschaffene Welthandelsordnung hat zu Wachstum und Wohlstand beigetragen. Diese Ordnung ist derzeit durch Druck aus den USA in Gefahr. Die EU hat Reform-vorschläge vorgelegt.

Die EU-Mitgliedstaaten haben die Zuständigkeit für internationalen Handel und Investitionen an die EU übertragen, um mit anderen Schwergewichten mithalten zu können. Mit vielen Staaten hat die EU umfassende Freihandelsabkommen abgeschlossen – zuletzt mit Kanada, Singapur, Japan und Vietnam. Vor der Ratifizierung steht das Abkommen mit dem Gemeinsamen Markt Südamerikas „Mercosur“. Derzeit überarbeitet die EU ihre Handelsstrategie in Richtung einer „open strategic autonomy“. Es gilt, die EU für das veränderte globale Umfeld fit zu machen, ohne ihre Offenheit infrage zu stellen. Noch ist offen, wie sich die strategische Ausrichtung insgesamt verändern wird.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Offene Märkte und moderne Handelsregeln statt Protektionismus
    Deutschland und die EU sollten sich stets für offene Märkte, fairen Wettbewerb und gegen protektionistische Maßnahmen einsetzen. Dies sollte sich auch in der neuen Handelsstrategie der EU niederschlagen. Klimaschutz, Ernährung und Gesundheitsversorgung können nur mit freiem, regelgebundenem Handel gesichert werden. Daher sollte die EU mit den USA, Japan, China und anderen die WTO reformieren.
  • Handelskonflikt mit den USA entschärfen
    Die USA haben die Zölle gegenüber der EU erhöht und drohen mit weiteren Erhöhungen. Die EU sollte sich in diesem Konflikt durchaus wehrhaft zeigen, zugleich aber gesprächsbereit bleiben.
  • Systemwettbewerb mit China annehmen
    Die EU muss der Industrialisierungsstrategie Chinas eine passende eigene Strategie entgegensetzen, damit ein fairer Wettbewerb mit chinesischen Unternehmen ermöglicht wird. Die EU sollte sich dazu mit gleichgesinnten Partnern abstimmen.
  • Bilaterale Handelsabkommen abschließen und rasch ratifizieren
    Die EU sollte mit wichtigen Partnern bilaterale Handelsabkommen abschließen. Priorität hat ein rascher Abschluss der Verhandlungen mit Großbritannien.

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Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Matthias Blum

E-Mail: mblum@vci.de