VCI-Position kompakt

Genehmigungsverfahren

Noch vor gut zehn Jahren galt das deutsche Genehmigungsverfahren als verlässlich und damit als positiver Standortfaktor. Das hat sich geändert. Wesentliche Probleme entstehen aus einer Ausweitung der Bürgerbeteiligungen und einer Vielzahl neuer Regelungen.

Hinzu kommt, dass EU-Vorgaben in Deutschland äußerst streng ausgelegt werden. Immer wieder verzichtet der deutsche Gesetzgeber darauf, seine Regelungsspielräume zu nutzen. Zudem legen Behörden unklare Rechtsbegriffe wie „erheblich“ oder „angemessen“ immer restriktiver aus. Die Folgen: Genehmigungsverfahren dauern immer länger und sind zu bürokratisch. In anderen Staaten, wie zum Beispiel in den Niederlanden, geht das schneller. Außerdem fehlt Personal in den Behörden. Das Managen von Genehmigungen ist ein wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeitsstrategie jedes Unternehmens. Der Bestand und die Weiterentwicklung von Industrieanlagen unterliegen einem stetigen Verbesserungsprozess. Ihr Zustand hat maßgeblichen Einfluss auf ökonomische, ökologische und soziale Belange. Schnelle und rechtssichere Genehmigungsverfahren sind somit eine wesentliche Grundlage für Innovationen und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie.

Hohe Standards in Deutschland

Die Umwelt- und Sicherheitsstandards für Industrieanlagen in Deutschland sind sehr hoch. Für ihren Betrieb müssen weitreichende technische und organisatorische Vorgaben aus dem Umwelt- und Stoffrecht erfüllt werden. Dazu zählen Vorschriften zur Luftreinhaltung, zum Gewässer-, Boden- und Naturschutz sowie zum Abfallrecht. Grundlage sind zahlreiche Anzeige- und Genehmigungspflichten sowie eine regelmäßige Überprüfung der Anlagen durch Behörden und Sachverständige.

Fragwürdige Regelungen zur Transparenz

Der Schutz von Hightech-Informationen droht durch neue Regelungen ausgehöhlt zu werden. So sollen nach dem Planungssicherstellungsgesetz Antragsunterlagen im Internet veröffentlicht werden. Es ist zu befürchten, dass es in den Verfahren zu langen Diskussionen um den Umgang mit Betriebsgeheimnissen kommt.

Wenn dadurch die Zeitvorgaben für das Projektmanagement nicht oder schwer umsetzbar sind, könnten Investitionen und Innovationen an den deutschen Standorten nicht realisiert werden. Dies dürfte künftig auch dringend notwendige Projekte im Bereich Infrastruktur und Energiewende betreffen.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Umweltschutzrecht vereinfachen, Bürokratie konsequent abbauen
    Das Umweltschutzrecht sollte vereinfacht werden, indem Rechtsvorschriften konsolidiert werden. Das Ziel muss sein: Doppelregulierungen vermeiden und Rechtsklarheit schaffen.
  • Verfahren verschlanken
    Verfahren sollten gründlich entschlackt werden. So könnte die deutsche EU-Ratspräsidentschaft genutzt werden, eine Reform der „Aarhus-Konvention“ anzustoßen. Sie regelt die Öffentlichkeitsbeteiligung und den Zugang zu Gericht in Umweltangelegenheiten.
  • Verständliche Rechtsbegriffe verwenden
    Der Gesetzgeber sollte klare Rechtsbegriffe nutzen: Anforderungen und Vollzugsvorschriften müssen praxisnah, eindeutig und unmissverständlich formuliert werden.
  • Personal aufstocken und qualifizieren
    Die Behörden müssen dringend mehr Personal einstellen und schulen, um den Bearbeitungsstau aufzulösen.
  • Klaren Dialog führen
    Ein frühzeitiger Dialog zwischen allen Beteiligten unterstützt ein effizientes Anlagenzulassungsrecht.
  • Know-how-Diebstahl vorbeugen
    Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse müssen gewahrt bleiben. Schließlich geht es auch bei Anhörungen um vertrauliche Informationen.Nur die betroffene Öffentlichkeit darf Zugang zu den Unterlagen erhalten.

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Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Verena A. Wolf

E-Mail: wolf.verena@lv-nord.vci.de