VCI-Position kompakt

Energiewende und Versorgungs­sicherheit

16. Mai 2022 | Position

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Die chemisch-pharmazeutische Industrie unterstützt das Ziel, die Energieversorgung klimaverträglich, sicher und bezahlbar zu gestalten. Die Branche leistet ihren Beitrag zur Treibhausgasreduktion und hat 2019 in einer Studie aufgezeigt, wie die deutsche Chemie Treibhausgasneutralität bis 2050 technologisch erreichen kann.

Dafür benötigt sie mehr als 500 TWh erneuerbaren Strom zum Preis von 4 Cent/kWh. Auf der Plattform Chemistry4Climate erarbeitet die Branche nun gemeinsam mit wichtigen Stakeholdern ein tragfähiges Konzept, wie diese und weitere Anforderungen umgesetzt werden können. Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine erhielt der Aspekt Versorgungssicherheit einen noch höheren Stellenwert. Erdgas ist in der Chemie- und Pharmaindustrie essenzieller Energieträger sowie wichtiger Rohstoff für viele Basischemikalien. Die Branche unterstützt daher die Bemühungen der Bundesregierung, ein Embargo für russisches Erdgas soweit und solange wie möglich zu vermeiden. Gleichwohl gilt das Primat der Politik. Um die Abhängigkeit von russischen Gasimporten zu reduzieren, haben die Unternehmen ihre Bemühungen, Erdgas zu ersetzen, weiter intensiviert.

Steigende Kosten kompensieren

Durch den Ukraine-Krieg haben sich die hohen Energiekosten in Deutschland noch weiter erhöht – für Erdgas haben sie sich mehr als vervierfacht und sind zudem erheblichen Schwankungen ausgesetzt. Dies stellt gerade energieintensive und mittelständische Unternehmen der Chemie, die im internationalen Wettbewerb stehen, vor große Herausforderungen.

Zudem erhöhen viele energiepolitische Regelungen die Kosten für die Industrie. Das hemmt Fortschritte auf dem Weg zu mehr Klimaschutz, da emissionsarme Verfahren nur mit günstigen Strompreisen möglich werden. Daher ist die Abschaffung der EEG-Umlage sehr zu begrüßen. Allerdings bestehen neben den steigenden Beschaffungskosten weitere Belastungen, insbesondere durch eine weit über dem EU-Mindeststeuersatz liegende Stromsteuer sowie durch die weiterhin bestehenden Umlagen für Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und Wind-Offshore. Die dazugehörigen Entlastungsregelungen sind zwar grundsätzlich zu befürworten, verursachen aber hohen bürokratischen Aufwand und damit erneut Kosten. Es fehlen außerdem wirksame Impulse zur Kostenbegrenzung bei der Marktintegration der erneuerbaren Energien. Vor allem die Netzentgelte und weitere Umlagen steigen aufgrund des notwendigen Netzausbaus sowie der Vorhaltung von Kraftwerksreserven. Maßnahmen zur Versorgungssicherheit sind unabdingbar, müssen aber so kosteneffizient wie möglich getroffen werden.

Stromversorgung spielt entscheidende Rolle

Strom wird in Zukunft immer wichtiger – zum Beispiel für die Elektrifizierung industrieller Prozesse. Technologien, die weniger CO₂ ausstoßen, werden sich nur durchsetzen, wenn langfristig wettbewerbsfähige Preise für den benötigten Strom garantiert sind. Kraft-Wärme-Kopplung sichert die Versorgung von Betrieben mit Wärme und Strom auf klimaschonende Weise. Mit dem KWK-Gesetz 2023 nimmt die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen – gerade in der Industrie – immer stärker ab.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Versorgungssicherheit gewährleisten
    Die europäische und die deutsche Politik muss weiterhin alle Hebel in Bewegung setzen, um die Gasversorgung dauerhaft sicherzustellen und den Bezug zu diversifizieren. Zudem muss geprüft werden, bis zu welchem Grad die nicht erdgasbasierte Stromproduktion übergangsweise wieder hochgefahren werden kann.
  • Kosten auf ein Minimum reduzieren
    Neue Gesetze sollten nicht zu weiteren Belastungen führen, die dann wiederum notwendige Entlastungen energieintensiver Betriebe nach sich ziehen müssten.
  • Wettbewerbsfähige Strompreise ermöglichen
    Die stromintensive Transformation der Industrie hin zur Treibhausgasneutralität erfordert sehr viel und günstigen erneuerbaren Strom. Die Chemie- und Pharmabranche tritt für die Einführung eines Industriestrompreises ein. Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss so kosteneffizient wie möglich gestaltet werden.

Kontakt

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

 Martin Kaspar

Kontaktperson

Martin Kaspar

Energiepolitik, Projektleitung Chemistry4Climate