VCI-Position kompakt

Energiewende und Versorgungs­sicherheit

27. Januar 2023 | Position

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Die chemisch-pharmazeutische Industrie ist auf eine klimaverträgliche, sichere und bezahlbare Energieversorgung angewiesen. Sie leistet ihren Beitrag zur Treibhausgas-reduktion und hat 2019 in einer Studie aufgezeigt, wie die deutsche Chemie bis 2050 treibhausgasneutral werden kann.

Dafür benötigt sie mehr als 500 TWh erneuerbaren Strom zum Preis von 4 Cent/kWh. Auf der Plattform Chemistry4Climate erarbeitet die Branche gemeinsam mit wichtigen Stakeholdern ein tragfähiges Konzept, wie diese und weitere Anforderungen umgesetzt werden können. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine hat der Aspekt Versorgungssicherheit einen noch höheren Stellenwert: Erdgas ist in der Chemie- und Pharmaindustrie essenzieller Energieträger sowie wichtiger Rohstoff für viele Basischemikalien. Auch die Industrie hat einen Beitrag zur Versorgungssicherheit geleistet, indem Unternehmen ihre Verbräuche deutlich reduziert oder überall dort wo möglich einen Brennstoffwechsel durchgeführt haben.

Industrielle Strukturen weiterhin in Gefahr

Die Gas- und dadurch auch die Strompreise haben zwischenzeitlich historische Höchststände erreicht. Sie bewegen sich auch weiterhin und trotz eines Preisrückgangs auf sehr hohem Niveau. Dies stellt gerade energieintensive und mittelständische Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen, vor enorme Herausforderungen. Viele haben bereits ihre Belastungsgrenze erreicht. Bleibt die Lage so angespannt, droht ein langfristiger Verlust von Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätzen. Kurzfristige und vor allem wirksame Entlastungen sind dringend nötig. Die 2023 eingeführten Gas-, Wärme- und Strompreisbremsen verfehlen dieses Ziel allerdings: Die Entlastung wird aufgrund der EU-Beihilfevorgaben stark eingeschränkt: Kriterien zur EBITDA-Reduktion sorgen für große Unsicherheit und viel Bürokratie. Zusätzliche Vorgaben zu Boni- und Dividendenverboten schaffen weitere Hürden und schrecken davor ab, die Preisbremsen in Anspruch zu nehmen. Der gewünschte Beitrag zur Stabilisierung der Industrie verpufft so gerade am Anfang der Wertschöpfung. Neben preisdämpfenden Maßnahmen ist vor allem die Versorgungssicherheit zentral.

Die Krise zeigt, dass es schon heute an grundlastfähigen Stromerzeugungskapazitäten fehlt. Solange sie andauert, sollten alle Möglichkeiten ans Netz. Parallel zum Ausbau der erneuerbaren Energien gilt das mindestens bis Ende des Winters 2023/24 für alle verfügbaren Braun- und Steinkohlekapazitäten sowie die letzten drei deutschen Kernkraftwerke. Das stärkt die Versorgungssicherheit und trägt zu günstigeren Strompreisen bei.

Stromversorgung spielt entscheidende Rolle

Strom wird in Zukunft immer wichtiger – zum Beispiel für die Elektrifizierung industrieller Prozesse. Technologien, die weniger CO2 ausstoßen, setzen sich nur durch, wenn langfristig wettbewerbsfähige Preise für den benötigten Strom garantiert sind. Das ist angesichts hoher Stromkosten nicht absehbar. Der nun erneut von der Bundesregierung angekündigte Industriestrompreis kann sicherstellen, dass die industrielle Transformation zur Klimaneutralität gelingt.


DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Schnelle, zielgerichtete und unbürokratische Unterstützung im Kontext der Krise
    Die Preisbremsen stellen wegen zahlreicher Einschränkungen und Hürden leider keine wirksame Entlastung dar. Die Bundesregierung sollte sich für eine Neuverhandlung des EU- Krisenbeihilferahmens (Temporary Crisis Framework, kurz: TCF) einsetzen. Weitere Einschränkungen auf Bundesebene müssen gestrichen werden.
  • Versorgungssicherheit gewährleisten
    Die Politik muss weiterhin alle Hebel in Bewegung setzen, um die Gasversorgung dauerhaft sicherzustellen und den Bezug zu diversifizieren. Die Förderung durch Fracking sollte dazu gehören. Alle verfügbaren Kohle- und Kernkraft-Kapazitäten sollten bis Frühjahr 2024 am Strommarkt teilnehmen können, um die Gasverstromung zu reduzieren. Auch bei einem langfristigen Strommarktdesign muss Versorgungssicherheit ein Kernelement sein.
  • Wettbewerbsfähige Strompreise ermöglichen
    Die Transformation der Industrie hin zur Treibhausgasneutralität erfordert sehr viel und günstigen erneuerbaren Strom. Die Chemie- und Pharmabranche tritt für die rasche Einführung eines Industriestrompreises ein. Der Ausbau der Erneuerbaren muss so kosteneffizient wie möglich gestaltet werden.

Kontakt

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

 Heinrich Nachtsheim

Kontaktperson

Heinrich Nachtsheim

Energiepolitik