VCI-Position kompakt

Energiewende und Versorgungs­sicherheit

31. August 2022 | Position

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Die chemisch-pharmazeutische Industrie unterstützt das Ziel und hat selbst ein sehr großes Interesse daran, die Energieversorgung klimaverträglich, sicher und bezahlbar zu gestalten. Die Branche leistet ihren Beitrag zur Treibhausgasreduktion und hat 2019 in einer Studie aufgezeigt, wie die deutsche Chemie Treibhausgasneutralität bis 2050 technologisch erreichen kann.

Dafür benötigt sie mehr als 500 TWh erneuerbaren Strom zum Preis von 4 Cent/kWh. Auf der Plattform Chemistry4Climate erarbeitet die Branche gemeinsam mit wichtigen Stakeholdern ein tragfähiges Konzept, wie diese und weitere Anforderungen umgesetzt werden können. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine erhielt der Aspekt Versorgungssicherheit einen noch höheren Stellenwert: Erdgas ist in der Chemie- und Pharmaindustrie essenzieller Energieträger sowie wichtiger Rohstoff für viele Basischemikalien. Um die Abhängigkeit von russischen Gasimporten zu reduzieren, haben die Unternehmen ihren Verbrauch bereits reduziert. Weiteres Potenzial bieten Brennstoffwechsel, wo dies technisch und durch schnelle Genehmigungen möglich ist.

Steigende Kosten kompensieren

Durch den Krieg in der Ukraine haben sich die hohen Energiekosten weiter erhöht – Tendenz weiter steigend. Dies stellt gerade energieintensive und mittelständische Unternehmen der Chemie, die im internationalen Wettbewerb stehen, vor große Herausforderungen. Zudem erhöhen viele energiepolitische Regelungen die Kosten. Das hemmt Fortschritte im Klimaschutz, da emissionsarme Verfahren nur mit günstigen Strompreisen möglich werden. Die Abschaffung der EEG-Umlage war ein wichtiger Schritt. Allerdings bestehen neben den steigenden Beschaffungskosten weitere Belastungen, insbesondere durch eine weit über dem EU-Mindeststeuersatz liegende Stromsteuer sowie durch die weiterhin bestehenden Umlagen für Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und Wind-Offshore. Die dazugehörigen Entlastungen sind zwar grundsätzlich zu befürworten, verursachen aber hohen Aufwand und damit erneut Kosten. Es fehlen außerdem wirksame Impulse zur Kostenbegrenzung bei der Marktintegration der erneuerbaren Energien. Vor allem die Netzentgelte und weitere Umlagen steigen aufgrund des notwendigen Netzausbaus sowie der Vorhaltung von Kraftwerksreserven. Maßnahmen zur Versorgungssicherheit sind unabdingbar, müssen aber so kosteneffizient wie möglich getroffen werden. Die beschlossene Gasbeschaffungsumlage ist eine immense Zusatzbelastung, die insbesondere von dadurch insolvenzbedrohten Unternehmen nur mit ergänzenden Entlastungen geschultert werden kann.

Stromversorgung spielt entscheidende Rolle

Strom wird in Zukunft immer wichtiger – zum Beispiel für die Elektrifizierung industrieller Prozesse. Technologien, die weniger CO2 ausstoßen, setzen sich nur durch, wenn langfristig wettbewerbsfähige Preise für den benötigten Strom garantiert sind. Das ist jedoch angesichts steigender Energiekosten überhaupt nicht absehbar. Kraft-Wärme-Kopplung sichert die Versorgung von Betrieben mit Wärme und Strom auf klimaschonende Weise. Mit dem KWK-Gesetz 2023 nimmt die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen immer stärker ab.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Versorgungssicherheit gewährleisten
    Die europäische und die deutsche Politik muss weiterhin alle Hebel in Bewegung setzen, um die Gasversorgung dauerhaft sicherzustellen und den Bezug zu diversifizieren. Zudem muss geprüft werden, bis zu welchem Grad die nicht erdgasbasierte Stromproduktion übergangsweise wieder hochgefahren werden kann.
  • Wettbewerbsfähige Strompreise ermöglichen
    Die stromintensive Transformation der Industrie hin zur Treibhausgasneutralität erfordert sehr viel und günstigen erneuerbaren Strom. Die Chemie- und Pharmabranche tritt für einen Industriestrompreis ein. Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss so kosteneffizient wie möglich gestaltet werden.
  • Schnelle, zielgerichtete und unbürokratische Unterstützung besonders betroffener Unternehmen
    Um ihre Prozesse möglichst rasch von Gas auf andere Energieträger umzustellen, sind Unternehmen auf schnellere und rechtssichere Genehmigungsverfahren angewiesen. Angeschlagene Gasimporteure sollten gezielt über den Bundeshaushalt gestützt werden. Alternativ sollten die Mehrkosten aus der Umlage für die Industrie zumindest durch wirksame Entlastungen abgemildert werden.

Kontakt

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

 Heinrich Nachtsheim

Kontaktperson

Heinrich Nachtsheim

Energiepolitik