13. Mai 2026 | Position
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VCI Position kompakt - Digitalisierung
PDF | 99 kB | Stand: 13. Mai 2026
Das Umfeld für Industrieunternehmen verändert sich rasant. Nicht nur die anhaltende Wirtschafts- und Energiekrise stellt sie vor Herausforderungen und beschleunigt den Strukturwandel. Auch die digitale und zirkuläre Transformation ist in der Chemie- und Pharmaindustrie in vollem Gange. Für die Branche ergeben sich daraus Chancen durch Effizienzpotenziale, neue Geschäftsfelder und eine noch bessere Vernetzung in der Lieferkette.
Nachhaltiges Wirtschaften und nachhaltiger Konsum haben massiv an Bedeutung gewonnen. Diese „doppelte Transformation“ verändert die Industriestrukturen fundamental. Diesen Wandel will die Branche mit ihren Innovationen entscheidend mitgestalten.
Digitalisierung für Lösungen von morgen
Im Zuge der Transformation verändern die Unternehmen ihre Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle schrittweise und zugleich grundlegend. Die Branche wandelt sich sukzessive vom Materiallieferanten zum Lösungs- und Serviceanbieter. Die Verknüpfung von Produkten mit Dienstleistungen ist dabei ein Schlüssel für zusätzliche Wertschöpfung. Digitalisierung bedeutet neben der Nutzung von internen und externen Daten zur Optimierung der betrieblichen Prozesse auch die Entwicklung neuer, digitaler Geschäftsmodelle. Die Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI) wird intensiv vorangetrieben, um Prozesse durch präzisere Datenanalysen zu optimieren und Innovationen zu fördern. So entstehen neue digitale und zukunftsweisende Geschäftsmodelle und Dienstleistungen für eine zirkuläre Wirtschaft. Die Chemie- und Pharmabranche investiert hierfür jährlich mehr als 16 Milliarden Euro in Forschung und Innovationen.
Digitalpolitischer Rückenwind notwendig
Die Chemie- und Pharmaindustrie geht die an sie gestellten hohen Anforderungen umfassend an. Neben industriepolitischer Unterstützung benötigt sie aber auch digitalpolitischen Rückenwind, denn Datennutzung ist zum Gamechanger geworden: Sie steigert die Wettbewerbsfähigkeit und beschleunigt Innovationen. Entsprechend muss der rechtliche Rahmen gestaltet werden. Das Digital Simplification Package der EU-Kommission („Digital-Omnibus“) soll für mehr Klarheit und Effizienz bei digitalen Vorschriften sorgen. Das erste Paket ist beschlossen, löst aber nur einen Teil der Herausforderungen. Darüber hinaus drängt die Vollendung des europäischen digitalen Binnenmarkts: Nur dieser stellt bei Zukunftstechnologien ein Gegengewicht zu den USA und China dar, die in vielen Bereichen heute die Spitzenpositionen einnehmen.
DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN
- Deutschland fit für die digitale Gegenwart machen
Digitale Kompetenzen müssen frühzeitig in Schule, Ausbildung und Hochschule verankert werden. Datenanalyse und KI sollten nicht nur Fachleuten vorbehalten sein. Eine leistungsfähige Glasfaser- und 4G/5G-Infrastruktur ist essenziell für ein digitales Deutschland. Der Ausbau der technischen Infrastruktur sollte daher durch den Staat effizient gefördert werden. Zudem muss der Aufbau eines leistungsfähigen Sicherheitsnetzwerks zwischen Behörden, Unternehmen und Wissenschaft in Deutschland und der EU vorangetrieben werden. Meldungen nach der NIS-2-Richtlinie sollten der Industrie anonymisiert und aggregiert zugänglich sein. Die Verwaltungsdigitalisierung und Registermodernisierung müssen mit Hochdruck vorangetrieben werden. Mit dem Ministerium für Digitales und Staatsmodernisierung ist der Grundstein gelegt. Erste Ansätze sind erfolgsversprechend. Jetzt heißt es, das Tempo beizubehalten und die Umsetzung weiter voranzutreiben. - Rechtlichen Rahmen schaffen, damit sich Digitalisierungspotenziale voll entfalten können
Um die Datenökonomie zu fördern, sollte auf eine praxisgerechte Umsetzung wichtiger EU-Initiativen wie des Data Act oder des AI Act geachtet werden. Das Ziel, über das Digital Simplification Package der EU-Kommission für Klarheit und Effizienz bei digitalen Regelungen zu sorgen, ist bisher noch nicht erreicht. Darüber hinaus sind Bestimmungen für einen rechtssicheren internationalen Datenaustausch notwendig. Gleichzeitig darf der Datenschutz die Entwicklung endkundenorientierter, individualisierter Geschäftsmodelle nicht hemmen. - Digitale Technologien verantwortungsvoll regulieren
Die breite industrielle Nutzung von KI steht immer noch am Anfang. Der Erfolg hängt stark von einem innovationsfreundlichen Umfeld ab. Geschäftsmodelle oder Innovationen dürfen durch neue Regulierung nicht beschnitten werden. Die europäische und nationale Umsetzung des AI Act sollte den Fokus auf eine ermöglichende Regulierung legen und die Unternehmen bei der Umsetzung bestmöglich unterstützen.
Kontakt
Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.
Dipl.-Volksw. Christian Bünger
Digitalpolitik, Digitalisierung, Informatikausschuss
- E-Mail: christian.buenger@vci.de