VCI-Position kompakt

Digitalisierung

01. Juli 2021 | Position

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Das Umfeld für Industrieunternehmen verändert sich derzeit rasant: Die digitale Transformation ist in vollem Gange. Für Chemie- und Pharmaunternehmen ergeben sich daraus Chancen durch Effizienzpotenziale, neue Geschäftsfelder und eine bessere Vernetzung in der Lieferkette.

Zugleich haben nachhaltiges Wirtschaften und nachhaltiger Konsum an Bedeutung gewonnen. Nachhaltigkeit und Digitalisierung verändern die Industriestrukturen fundamental. Die chemisch-pharmazeutische Industrie trägt mit ihren Innovationen entscheidend zu einer nachhaltigen Entwicklung bei.

Digitalisierung für die Chemie von morgen

Im Zuge der Transformation verändern die Unternehmen ihre Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle schrittweise und grundlegend. Die Verknüpfung von Produkten mit Dienstleistungen ist dabei ein Schlüssel für zusätzliche Wertschöpfung. Digitalisierung bedeutet in der Chemie- und Pharmabranche neben der Nutzung von internen und externen Daten zur Optimierung der betrieblichen Prozesse auch die Entwicklung neuer, digitaler Geschäftsmodelle. Künstliche Intelligenz (KI) wird laut einer Studie von 2020 schon von 14 Prozent der Branchenunternehmen genutzt. Die Firmen entwickeln außerdem zukunftsorientierte Lösungen mit Impulsen für eine nachhaltige Wirtschaftsweise. Insgesamt investiert die Branche jedes Jahr einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in Digitalisierungsprojekte. Hinzu kommen jährlich mehr als 12 Milliarden Euro allgemeine Forschungsausgaben für Innovationen in unterschiedlichsten Facetten.

In dem Zuge wandelt sich die Branche nach und nach vom Materiallieferanten zum Lösungs- und Serviceanbieter. Bis 2050 hat sie sich einiges vorgenommen: Sie will treibhausgasneutral sein und ohne fossile Rohstoffe auskommen, ohne dass ihr Einsatz für nachhaltiges Wachstum und Wohlstand in Deutschland nachlässt.

Industriepolitischer Rückenwind notwendig

Die Chemie- und Pharmabranche geht die derzeit an sie gestellten hohen Anforderungen umfassend an. Ein Paradigmenwechsel ist aber auch auf die Unterstützung durch industriepolitische Maßnahmen angewiesen. Strukturwandel gelingt am besten in einem Umfeld von Gesetzen, das neue Produkte, Dienstleistungen sowie Investitionen fördert statt behindert. Darüber hinaus drängt die Vollendung des europäischen, digitalen Binnenmarkts: Nur dieser stellt bei der Entwicklung digitaler Zukunftstechnologien ein Gegengewicht gegenüber den USA und China dar, die in vielen innovativen Technologien heute die Spitzenpositionen einnehmen.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Digitale Entwicklungen weiter vorantreiben
    Die öffentliche Hand sollte den Ausbau der technischen Infrastruktur sowie die digitale Bildung effizient fördern. Datenanalyse und künstliche Intelligenz sollten künftig kein reines Arbeitsfeld für Spezialisten mehr sein, sondern früh in den Lehrplänen verankert werden. Spätestens bis 2025 muss die Telekommunikations-infrastruktur flächendeckend ausgebaut sein. Dies gilt sowohl für Festnetz auf Basis von Glasfaser als auch für 4G/5G-Mobilfunk. Parallel ist der Aufbau eines leistungsfähigen Sicherheitsnetzwerks in Deutschland und Europa zwischen Behörden, Unternehmen und Forschung zu bewerkstelligen.
  • Strukturen schaffen, in denen sich Digitalisierungspotenziale voll entfalten können
    Die Politik sollte mehr Impulse setzen, indem sie dringende Investitionen in die digitale Infrastruktur anpackt, die Digitalisierung der Industrie mit effizienter Regulierung unterstützt, weitere Anstrengungen zur Handels-liberalisierung unternimmt und Regeln für einen rechtssicheren internationalen Datenaustausch definiert. Datenschutz darf die Entwicklung endkundenorientierter, individualisierter Geschäftsmodelle nicht hemmen.
  • Neue Technologien verantwortungsvoll regulieren
    Künstliche Intelligenz steht erst am Anfang ihrer Entwicklung. Ihr Erfolg hängt stark von einem innovationsfreundlichen Umfeld ab. Spezifische Regulierung sollte, wenn sie überhaupt nötig ist, über nationale Grenzen hinweg abgestimmt sein, damit es nicht zu lokalen Wettbewerbsnachteilen kommt. Es muss verhindert werden, dass zukünftige Geschäftsmodelle oder Innovationen durch aktuelle Regulierung beschnitten werden. Die Vorschläge der EU-Kommission für eine KI-Verordnung werden derzeit auch von der Chemie- und Pharmaindustrie einer fundierten Bewertung unterzogen.


Kontakt

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Dipl.-Volksw. Christian Bünger

Kontaktperson

Dipl.-Volksw. Christian Bünger

Konjunktur, Industrie 4.0, Branchen und Märkte, Digitalisierung