VCI-Mitgliederbefragung zur wirtschaftlichen Lage

Engpässe bei Vorleistungen bremsen die Branche

10. August 2021 | Bericht

Die wirtschaftliche Erholung gewinnt weiter an Schwung – nach der Industrie erholen sich auch die kontaktnahen Bereiche wieder. Die Entwicklung in der Chemie- und Pharmaindustrie war im ersten Halbjahr stark. Die meisten Unternehmen konnten steigende Umsätze verbuchen. Die Lieferketten stehen allerdings deutlich unter Druck. Die Situation hat sich zuletzt auch noch verschärft, wie die Ergebnisse der aktuellen VCI-Mitgliederumfrage zeigen.

- Bild: © Andrey Popov / stock.adobe.com
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Die Erholung der Industriekonjunktur im In- und Ausland lässt die Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen weiter steigen. Über 60 Prozent der Unternehmen profitierten davon und konnten im ersten Halbjahr Umsatzzuwächse verbuchen. Die Zahl der Unternehmen mit Umsatzrückgängen sinkt dagegen. Aber immer noch rund ein Fünftel der Unternehmen musste Umsatzrückgänge verkraften.

Lieferkettenprobleme verstärken sich

Die Behinderungen im Geschäftsbetrieb der Chemie- und Pharmaunternehmen haben sich inzwischen gewandelt: War es im vergangenen Jahr noch der Auftragsmangel, der Geschäfte verhinderte, bremsen heute vor allem Engpässe bei den Vorleistungen die Betriebsabläufe. Die Probleme in den Lieferketten und in der Logistik haben sich zuletzt auch noch einmal deutlich verschärft.

Über 50 Prozent der Unternehmen sehen ihre Betriebsabläufe durch die Engpässe bei Materialien und Vorprodukten schwer beeinträchtigt. Im Februar lag der Anteil noch bei unter 20 Prozent.

Hinzu kommen Probleme von Seiten der Logistik. Bereits bestehende Engpässe bei den Containerfrachtkapazitäten wurden durch die Suez-Kanal-Sperre noch verstärkt. Dies betrifft vor allem den Handel mit Übersee. Aber auch bei den übrigen Transportkapazitäten verzeichnen die Unternehmen Engpässe. Dabei waren Lieferungen an Kunden bisher weniger stark betroffen.

Die Unternehmen reagieren auf die Probleme mit höherer Lagerhaltung, Anpassung der Lieferantenstruktur sowie der Produktionsprozesse und mit Produktionsdrosselungen. Die Mehrheit der Unternehmen rechnet erst im nächsten Jahr mit einer Entspannung. Teilweise konnten die höheren Kosten der Beschaffung an die Kunden weitergegeben werden.

Ein weiterhin gravierendes Problem insbesondere für die Anbahnung neuer Kundenkontakte und die Auftragsakquise sind die Einschränkungen bei den Dienstreisen. Hier kam es zwar zuletzt zu einer leichten Entspannung der Situation, aber insbesondere Geschäftsreisen außerhalb Europas sind noch deutlich eingeschränkt.

Zurück auf der Tagesordnung ist auch der Fachkräftemangel. Während die Problematik, dass Mitarbeiter aufgrund von Krankheit, Quarantäne oder Kinderbetreuung im Zuge von Corona ausfallen, zurückgeht, steigt im Zuge des Aufschwungs das Problem, Fachkräfte zu finden.

Ausblick: Erwartungen für 2021 sind positiv

Trotz aller Produktionsprobleme: Die Unternehmen sind zuversichtlich, 2021 ein Umsatzplus verbuchen zu können. Rund die Hälfte der Unternehmen erwarten im zweiten Halbjahr eine weitere Steigerung ihrer Umsätze. Insbesondere für die Umsätze außerhalb Europas gehen nur wenige Unternehmen von einem Rückgang aus.

Die Unternehmen wollen auch ihre Investitionen und Innovationen ausdehnen. 80 Prozent der Chemie- und Pharmaunternehmen planen Investitionen in diesem Jahr unverändert zu lassen bzw. auszubauen. Die Branche kehrt damit auf ihren Investitionspfad zurück. Auch bei den FuE-Budgets kann mit einem Anstieg gerechnet werden. 90 Prozent der Chemie- und Pharmaunternehmen planen ihre FuE-Ausgaben in diesem Jahr unverändert zu lassen bzw. auszubauen.

Rahmenbedingungen für Investitionen und Innovationen nicht optimal

Auch wenn die Pläne für 2021 bei Investitionen und Innovationen nach oben zeigen. Die Bedingungen am Standort Deutschland sind nicht immer investitionsfördernd. Die Unternehmen sehen etliche Hemmnisse und Verbesserungspotenziale.

  • Hohe Kosten am Standort und langsame Genehmigungsverfahren sind bei über der Hälfte der Unternehmen schwere Hemmnisse für die Investitionsvorhaben.
  • Jedes zweite Unternehmen gibt unzuverlässige politische Rahmenbedingungen, Regulierungsvorhaben und langsame Genehmigungsverfahren als schwere Hemmnisse für ihre Innovationsvorhaben an.

Die vollständigen Ergebnisse der VCI-Mitgliederumfragen grafisch aufbereitet können über den Download-Bereich im Kopf dieser Seite („Ergänzende Downloads") heruntergeladen werden.

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Dipl.-Volksw. Christiane Kellermann

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Dipl.-Volksw. Christiane Kellermann

Innovationen, Branchen und Märkte, Investitionen, Konjunktur