VCI-Mitgliederbefragung zur wirtschaftlichen Lage in Zeiten von Corona

Leichter Dämpfer im ersten Quartal - positive Erwartungen für das Gesamtjahr

Die Corona-Pandemie bescherte der chemisch-pharmazeutischen Industrie im Jahr 2020 einen deutlichen Umsatzrückgang. Allerdings fiel der Rückgang moderater aus als in anderen Industriebranchen. Der VCI hat seine Mitgliedsunternehmen Mitte Februar erneut nach den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die wirtschaftliche Situation befragt. Die Nachfragesituation verbesserte sich kontinuierlich, aber zuletzt nahmen die Störungen der Betriebsabläufe wieder zu. Die Unternehmen zeigten sich nicht immer zufrieden mit dem Krisenmanagement von Bund und Ländern.

- Bild: © Andrey Popov / stock.adobe.com
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Die Branche verbuchte im Jahr 2020 ein Umsatzminus von 4,4 Prozent - weniger als viele andere Industriebranchen. Innerhalb der Branche ist die Heterogenität aber groß. So melden 20 Prozent der Unternehmen für 2020 einen starken Rückgang, aber auch 20 Prozent einen starken Anstieg der Umsätze.

Die Unternehmen der Branche haben sich auf die Corona-Pandemie eingestellt. 90 Prozent haben zu Beginn der Pandemie umfassende Hygienekonzepte eingeführt und diese unabhängig vom aktuellen Infektionsgeschehen beibehalten. Mit dem Wiederanstieg der Infektionen im Herbst wurden die Maßnahmen nur noch nachjustiert.

Die Störungen des Geschäftsbetriebs haben wieder zugenommen

Die Nachfragesituation verbesserte sich kontinuierlich. Bei knapp 50 Prozent der Unternehmen ist der Auftragsmangel kein Problem mehr. Nur noch 18 Prozent der Unternehmen melden aktuell einen starken Auftragsmangel – im Frühjahr 2020 waren es noch 40 Prozent.

Auf Seiten der Lieferketten kommt es allerdings vermehrt zu Engpässen. Lieferanten vor allem im Ausland haben Produktionsprobleme und/oder Force-Majeure angemeldet. Dies betrifft vor allem den Kunststoffbereich, aber auch Stahl und Elektronikkomponenten, die für Investitionen verwendet werden, fehlen.

Die Logistik ist teilweise sehr aufwändig. Die Unternehmen beklagen fehlende Frachtkapazitäten, lange Lieferzeiten und hohe bzw. stark steigende Lieferkosten.

Und auch das Problem fehlender Dienstreisemöglichkeiten wird immer gravierender – sowohl was die Beziehung zu Lieferanten als auch zu Kunden angeht. Gemeinsame Entwicklungsprojekte für kundenspezifische Lösungen finden nur noch vermindert statt. Die Kundenbindung leidet und insbesondere die Akquise neuer Kunden ist stark eingeschränkt. Virtuelle Möglichkeiten werden zwar genutzt, reichen aber oft nicht aus.

Ausblick: Dämpfer im ersten Quartal - Optimismus für das Gesamtjahr

Durch die gute Nachfragesituation und das Sicherstellen der Produktion kommt die Branche bisher glimpflich durch den erneuten Lockdown. Auch für die Umsätze im ersten Quartal 2021 wird mehrheitlich nur eine leichte Abschwächung erwartet. Und dennoch: Vor allem kleine Unternehmen leiden unter dem Lockdown und befürchten Umsatzeinbußen.

Das Chemiegeschäft dürfte im zweiten Halbjahr allerdings wieder Fahrt aufnehmen. Trotz aller Risiken, Unwägbarkeiten und Betriebsbehinderungen rechnet über die Hälfte der Unternehmen im Gesamtjahr 2021 mit steigenden Umsätzen – im In- und Ausland. Doch nicht in jedem Unternehmen herrscht Zuversicht. Knapp 30 Prozent rechnen im Inland mit Umsatzrückgängen. Für das Auslandsgeschäft sind die Erwartungen etwas positiver. Im außereuropäischen Ausland rechnet nur jedes fünfte Unternehmen mit einem Umsatzrückgang.

Mit dem Krisenmanagement nur zum Teil zufrieden

Knapp die Hälfte der Unternehmen sind mit dem Krisenmanagement von Bund und Ländern unzufrieden. Bemängelt wird vor allem eine fehlende Gesamtstrategie – sowohl bei Hygienekonzepten, bei der Nachverfolgung, beim Testen und Impfen sowie bei möglichen Öffnungsszenarien.

Dass die Branche besser durch die Pandemie kommt als andere Wirtschaftszweige zeigt sich auch bei der Inanspruchnahme von Unterstützungsmaßnahmen. Insgesamt gaben 30 Prozent der Unternehmen an, keinerlei Unterstützungsmaßnahmen in Anspruch genommen zu haben.

Das Unterstützungsinstrument, das sowohl am häufigsten gewählt als auch am besten bewertet wurde, war das Kurzarbeitergeld. 45 Prozent der Unternehmen haben bisher Kurzarbeit beantragt. Und über 90 Prozent zeigten sich damit zufrieden.

Den zweiten Platz teilen sich steuerliche Hilfen und die Forschungsförderung. Sie wurden von jedem fünften Unternehmen in Anspruch genommen. Die sogenannten Überbrückungshilfen wurden nur von 13 Prozent der Unternehmen beantragt. Bei der Bewertung der Maßnahmen zeigten sich jedoch Unterschiede: Mit den steuerlichen Hilfen und der Forschungsförderung zeigten sich deutlich mehr Unternehmen zufrieden als mit den Überbrückungshilfen, bei denen es häufig Auszahlungsschwierigkeiten gab.

Trotz guter Regelungen: Häufig haperte es bei der Umsetzung der Hilfen durch die Verwaltung. 90 Prozent der befragten Unternehmen zeigte sich hier unzufrieden, die Hälfte davon sehr unzufrieden.

Die vollständigen Ergebnisse der VCI-Mitgliederumfragen grafisch aufbereitet können über den Download-Bereich im Kopf dieser Seite („Ergänzende Downloads") heruntergeladen werden.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dipl.-Volksw. Christiane Kellermann

E-Mail: kellermann@vci.de