VCI-Mitgliederumfrage zur Lage - Juni 2026

Standort Deutschland unter wachsendem Druck

16. Juli 2026 | Bericht

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Die wirtschaftliche Lage der Chemie- und Pharmaindustrie bleibt angespannt. Die Ergebnisse der aktuellen VCI-Mitgliederumfragen zeigen, dass hohe Kosten, zunehmende Regulierung und geopolitische Unsicherheiten die Unternehmen weiterhin stark belasten. Zwar rechnen viele Unternehmen für 2026 insgesamt mit steigenden Umsätzen, für das Deutschlandgeschäft überwiegt jedoch weiterhin der Pessimismus. Gleichzeitig finden Investitionen und Forschung zunehmend außerhalb Deutschlands statt.

Der VCI befragt regelmäßig seine Mitglieder zur aktuellen Lage. © Andrey Popov / stock.adobe.com
Der VCI befragt regelmäßig seine Mitglieder zur aktuellen Lage. © Andrey Popov / stock.adobe.com

Bürokratie bleibt größte Belastung

Die mit Abstand größte Herausforderung für die Unternehmen sind Bürokratie und Regulierung. Fast neun von zehn Unternehmen sehen sich dadurch schwer oder sehr schwer belastet. Ebenfalls stark ins Gewicht fallen hohe Rohstoff-, Arbeits- und Energiekosten, hohe Steuern und Abgaben sowie langsame Genehmigungsverfahren.

Auch Handelskonflikte und Zölle haben sich zu einem zentralen Belastungsfaktor entwickelt.
Besonders häufig genannt werden EU-Vorschriften wie das Lieferkettengesetz, REACH, CSRD, EUDR oder die Verpackungsverordnung. Viele Unternehmen fordern einen konsequenten Bürokratieabbau sowie schnellere und digitalisierte Genehmigungsprozesse.

Standort Deutschland verliert an Attraktivität

Die hohen Standortkosten und die Energie- und Klimapolitik wirken sich nach Einschätzung der Unternehmen besonders negativ auf Investitionsentscheidungen aus. Mehr als 80 Prozent sehen hierin eine Belastung für neue Investitionen. Auch die mangelnde Verlässlichkeit wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen sowie zunehmender Importdruck bremsen Investitionen.

Die Folge: Investitionen und Forschungsaktivitäten verlagern sich zunehmend ins Ausland. Während die Investitions- und Forschungspläne für ausländische Standorte deutlich positiver ausfallen, gehen die Unternehmen bei Aktivitäten in Deutschland deutlich zurückhaltender vor. Bereits 43 Prozent der Unternehmen geben an, Investitionen teilweise oder deutlich ins Ausland zu verlagern; bei Forschung und Entwicklung liegt dieser Anteil bei 37 Prozent.

Die Umfrage zeigt zudem, dass Bürokratie und Regulierung inzwischen zu den größten Innovationshemmnissen zählen. Unternehmen sehen insbesondere komplexe Verwaltungsverfahren, langwierige Genehmigungen und regulatorische Auflagen als Hindernisse für Forschung, Entwicklung und die Einführung neuer Technologien.

Wettbewerbsfähigkeit durch Reformen stärken

Die Unternehmen sehen erheblichen politischen Handlungsbedarf. Im Mittelpunkt stehen der Abbau von Bürokratie, schnellere Genehmigungen, niedrigere Energiekosten sowie steuerliche Entlastungen und bessere Investitionsanreize. Darüber hinaus wünschen sich die Unternehmen mehr Planungssicherheit, verlässliche Rahmenbedingungen und eine industriepolitische Ausrichtung auf Wettbewerbsfähigkeit und Innovation.

Trotz aller Probleme verfügt Deutschland aus Sicht der Unternehmen weiterhin über wichtige Standortvorteile. Besonders häufig genannt werden qualifizierte Fachkräfte, ein hohes Ausbildungsniveau, politische Stabilität, Rechtssicherheit sowie eine leistungsfähige Infrastruktur. Diese Stärken geraten jedoch zunehmend unter Druck.

Folgen des Nahostkonflikts

Der Krieg am Persischen Golf hat die Belastungen für die Chemie- und Pharmaindustrie deutlich verschärft. Rohstoffkosten, Handelskonflikte, Lieferengpässe und Logistikprobleme haben seit Ende 2025 spürbar zugenommen. Besonders betroffen sind Rohstoffe und chemische Vorprodukte, deren Kosten im Durchschnitt um rund ein Viertel gestiegen sind. Auch Energie-, Transport- und sonstige Vorproduktkosten haben sich deutlich erhöht.

Die Unternehmen berichten vor allem von steigenden Rohstoff- und Materialkosten, höheren Frachtkosten und zunehmenden Lieferkettenproblemen. Gleichzeitig steigt das Risiko von Versorgungsengpässen bei Kunststoffen, petrochemischen Vorprodukten, Harzen, Additiven, Tensiden und verschiedenen Spezialchemikalien.

Ursache sind die zentrale Bedeutung der Golfregion für den weltweiten Handel mit Öl, Gas und petrochemischen Rohstoffen sowie Störungen wichtiger Transportwege. Besonders die Straße von Hormus bleibt ein kritischer Engpass für den globalen Energie- und Rohstoffhandel. Direkte Abhängigkeiten Europas sind zwar begrenzt, doch die europäische Chemieindustrie ist über globale Wertschöpfungs- und Lieferketten erheblich betroffen. Vor allem Ausfälle in asiatischen Produktionsnetzwerken wirken sich zunehmend auf Europa aus.

Positive Effekte des Konflikts werden dagegen nur vereinzelt gesehen. Einige Unternehmen profitieren kurzfristig von höherer Nachfrage oder dem Ausfall internationaler Wettbewerber. Die große Mehrheit erwartet jedoch keine nachhaltigen Vorteile.

Insgesamt zeigt die Umfrage: Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie steht weiterhin unter erheblichem Druck. Neben den strukturellen Standortproblemen verschärfen geopolitische Krisen die Herausforderungen. Um Investitionen, Innovationen und Wertschöpfung in Deutschland zu halten, sehen die Unternehmen vor allem Reformen bei Bürokratie, Genehmigungen und Energiekosten als dringend notwendig an.

Die vollständigen Ergebnisse der VCI-Mitgliederumfragen vom Mai und Juni sowie weitere Daten und Fakten rund um das Thema Lieferketten und Preise vor dem Hintergrund des Konflikts am Persischen Golf können im Download-Bereich dieser Seite heruntergeladen werden. Die Ergebnisse vergangener Umfragen können bei Frau Kellermann angefordert werden.

Kontakt

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Dipl.-Volksw. Christiane Kellermann

Dipl.-Volksw. Christiane Kellermann

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