VCI-Mitgliederbefragung zur wirtschaftlichen Lage

Chemiegeschäft im Krisenmodus – Lage verschlechtert sich

26. September 2022 | Bericht

Das Chemiegeschäft befindet sich weiterhin im Krisenmodus. Hohe Energie- und Rohstoffkosten, Probleme in der Logistik, mangelnde Vorprodukte und fehlende Fachkräfte behindern die Produktion und belasten die Ertragslage, wie die Ergebnisse einer VCI-Mitgliederumfrage vom Juni zeigen. Eine aktuelle Umfrage des Landesverband NRW zeigt: Die Lage verschlechterte sich.

- Bild: © Andrey Popov / stock.adobe.com
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Laut der nunmehr 10. Mitgliederumfrage des VCI stieg der Branchenumsatz zwar leicht. Jedes vierte Unternehmen berichtete aber von sinkenden Umsätzen. Das Mengengeschäft war rückläufig. Jedes 10. Unternehmen verzeichnete sogar starke Produktionsrückgänge. Extrem hohe Rohstoff- und Energiekosten belasten zunehmend das Chemiegeschäft. Bei 90 Prozent der Unternehmen sind die Betriebsabläufe durch sprunghaft steigende Rohstoffpreise schwer gestört. 70 Prozent sehen die Energiepreisentwicklung als schweres oder sehr schweres Problem. Logistikprobleme, mangelnde Vorprodukte und fehlende Fachkräfte kommen erschwerend hinzu.

Die Energie- und Rohstoffkosten haben sich im Schnitt um 35 bis 40 Prozent erhöht. Ein Drittel der Unternehmen meldet sogar Kostenanstiege von 50 Prozent und mehr. Auch Logistik-, Personal- und anderen Produktionskosten steigen. Die Kostensteigerungen lassen sich am Markt nur zum Teil weitergeben. Ein Fünftel der Unternehmen gibt an, Kosten kaum überwälzen zu können. Insgesamt können 50 Prozent der Unternehmen dies nur zu etwa der Hälfte. Damit hat sich die Ertragslage spürbar verschlechtert. Bei 70 Prozent der Unternehmen gehen die Gewinne zurück.

Unternehmen ziehen sich aus dem Russlandgeschäft zurück

Die Unternehmen lassen Geschäfte mit Russland zeitweise ruhen oder ziehen sich ganz zurück. Neuinvestitionen unterbleiben. Nur ein Fünftel der Unternehmen führt seine Geschäfte unter Einhaltung der Sanktionen fort. Als Lieferant von Vorprodukten spielt Russland bei rund 15 Prozent der Unternehmen derzeit noch eine wichtige Rolle. Aber auch hier hat die Entflechtung eingesetzt.

Die Branche bereitet sich auf eine Gasmangellage vor

Effizienzmaßnahmen werden durchgeführt, Fertigwarenlager aufgebaut, alternative Befeuerungsanlagen wo möglich in Betrieb genommen, Produktionsprozesse angepasst und nach alternativen Rohstoffen gesucht. Die Maßnahmen bringen aber kurzfristig keine nennenswerte Entlastung.

Ausblick: Unternehmen erwarten schwieriges 2. Halbjahr

Immer mehr Unternehmen sehen ihre Geschäftsentwicklung in diesem Jahr skeptisch. Jedes dritte Unternehmen rechnet im Gesamtjahr 2022 mit einem Umsatzminus. Bei den Investitionsplänen zeichnet sich eine verhaltene Entwicklung ab.

VCI-NRW Umfrage vom September 2022: Lage verschlechtert sich

Eine aktuelle Umfrage des Landesverbands NRW vom September zeigt nun in vielen Punkten eine deutliche Verschlechterung der Lage. Spielte im Sommer die Auftragslage kaum eine Rolle, vermeldeten im September ein Viertel der Unternehmen einen Auftragsmangel.

Auch die Reaktionen der Unternehmen auf die Kostenbelastung fielen drastischer aus. Im Juni sprachen noch unter 10 Prozent der Unternehmen von einer Produktionsdrosselung, nur 5 Prozent verschoben Produktion an Standorte im Ausland. Im September meldeten nun bereits 34 Prozent der Unternehmen eine Produktionsdrosselung und 13 Prozent verschoben Produktion an andere Standorte.

Die vollständigen Ergebnisse der VCI-Mitgliederumfragen (inklusive eines Vergleichs mit den Ergebnissen der VCI-NRW Umfrage) grafisch aufbereitet können über den Download-Bereich im Kopf dieser Seite („Ergänzende Downloads") heruntergeladen werden.

Zur vollständigen VCI-NRW Befragung geht es hier .

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Dipl.-Volksw. Christiane Kellermann

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