EU-Freihandelsabkommen

EU gibt bei Handelsagenda Gas

03. März 2026 | Bericht

Je fragiler die Weltwirtschaft wird, desto schneller knüpft die EU ein stabiles Netzwerk mit Handelspartnern.

Resilienz und Diversifikation durch Handelsverträge, zum Beispiel mit den Mercosur-Staaten, Indien und Indonesien: Die Europäische Kommission hat die Zeichen der Zeit richtig erkannt und treibt ihre bilateralen Abkommen mit Nachdruck voran. © Generiert mit KI/Gemini
Resilienz und Diversifikation durch Handelsverträge, zum Beispiel mit den Mercosur-Staaten, Indien und Indonesien: Die Europäische Kommission hat die Zeichen der Zeit richtig erkannt und treibt ihre bilateralen Abkommen mit Nachdruck voran. © Generiert mit KI/Gemini

Die letzte Februarwoche 2026 war für die EU-Handelspolitik erneut ereignisreich. Vor dem Hintergrund der aggressiven US-Zoll- und Außenpolitik und der chinesischen Expansion auf die Exportmärkte setzt die EU unter Hochdruck Zeichen, um ihr Beziehungsnetz zu stärken, auszubauen und zu vertiefen.

EU-Mercosur: von der Leyen will nicht warten

Am 27. Februar 2026 kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an, das Abkommen frühestens ab Anfang April 2026 und voraussichtlich ab Mai 2026 vorläufig anzuwenden. Am Vortag hatten die Mercosur-Staaten Argentinien und Uruguay das Freihandelsabkommen in ihren nationalen Parlamenten ratifiziert; Brasilien und Paraguay dürften zeitnah folgen.

Auf europäischer Seite hatte sich die weitere Ratifizierung Ende Januar erneut verzögert: Der Europäische Gerichtshof prüft auf Beschluss des Europäischen Parlaments die Vereinbarkeit des Abkommens mit den EU-Verträgen. Das endgültige Inkrafttreten dürfte sich daher hinauszögern. Befürworter und Gegner des Abkommens halten an ihren Positionen fest. Gerade die französische Regierung bezeichnete von der Leyens Ankündigung als „böse Überraschung“. Der VCI hatte die Entscheidung hingegen als „starkes Bekenntnis zum offenen Handel“ begrüßt, ebenso wie die meisten Industrieverbände in der EU.

EU-Indien – was steckt drin?

Ebenfalls am 27. Februar 2026 wurden die lang erwarteten Bestimmungen zum EU-Indien-Abkommen veröffentlicht – exakt einen Monat nach der Einigung Ende Januar. Der vorläufige Text des Abkommens – dessen rechtliche Überprüfung noch aussteht – wird derzeit vom VCI intensiv analysiert. Mit weitgehender Ausnahme des Agrarbereichs sieht das bislang größte Freihandelsabkommen mit einem Schwellenland umfassende Regelungen zum Abbau von Zöllen und anderen Marktzugangsbarrieren sowie einen im Vergleich zu ähnlichen Abkommen relativ günstigen Marktzugang für EU-Güter vor.

Schulterschlüsse in nah und fern

Am 2. März 2026 wurden dann auch in der unmittelbaren Nachbarschaft der EU wichtige Weichen gestellt. Mit der Schweiz wurde eine Reihe von Abkommen für eine enge Zusammenarbeit geschlossen. Und auch in Südostasien kommen die laufenden Freihandelsverhandlungen der EU voran. Das Abkommen mit Indonesien ist ausverhandelt und kann nun als Referenz dienen. Auf dieser Grundlage dürften weitere Verhandlungen mit anderen ASEAN-Staaten wie Malaysia, Thailand und den Philippinen neuen Schwung erhalten. Und schlussendlich eruiert die EU, wie sie enger mit den Pazifikanrainern des CPTPP („Comprehensive and Progressive Agreement for Trans‑Pacific Partnership“, ein multilaterales Freihandelsabkommen zwischen derzeit zwölf Staaten im transpazifischen Raum) zusammenarbeiten kann.

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 Niklas Angelov

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Außenwirtschaftspolitik, internationale Märkte, Branche

Dr. Matthias Blum

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Abteilungsleitung Außenwirtschaft, Außenwirtschaftspolitik, europäische/nationale Industriepolitik