VCI-Position kompakt

Bezahlbare und sichere Energieversorgung

20. April 2026 | Position

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Die chemisch-pharmazeutische Industrie ist auf eine sichere, bezahlbare und klimaverträgliche Energieversorgung angewiesen. Mit der Elektrifizierung von Verfahren werden künftig deutlich größere Strommengen benötigt. Damit die Transformation aber umsetzbar ist, braucht es vor allem international wettbewerbsfähige Stromkosten. Das ist derzeit noch nicht gegeben.

Auch die Versorgungssicherheit steht unter Druck: Es ist ein massiver Zubau steuerbarer Kraftwerksleistung nötig, den der Strommarkt allein nicht anreizen kann. Das Bundeswirtschaftsministerium hat einen Kapazitätsmechanismus bis 2027 angekündigt – die Umsetzung stockt jedoch.

Industriestrompreis & Co.: Entlastung jetzt!

Klimafreundliche Technologien setzen sich in der Industrie nur durch, wenn langfristig international wettbewerbsfähige Stromgesamtkosten in Sicht sind. Gegenüber den maßgeblichen Wettbewerbern in China und den USA haben Unternehmen in Deutschland jedoch weiterhin einen erheblichen Kostennachteil. Hohe Systemkosten und Fehlsteuerungen der Energiewende führen zu höheren Marktpreisen und Netzentgelten. Entlastungen bei den Stromnebenkosten, wie die Stromsteuersenkung und der Zuschuss zu Netzentgelten, sind wichtig und können die Kostensteigerung abmildern, reichen aber in der Gesamtbetrachtung nicht aus.

Daher braucht es auch Entlastungen, die auf den Marktpreis einwirken: Die angekündigte Ausweitung der Strompreiskompensation auf weitere Sektoren muss nun zügig und maximal wirksam umgesetzt werden und auch für Sektoren gelten, die dem CO₂-Grenzausgleichssystem CBAM unterliegen. Die beihilferechtliche Genehmigung und pragmatische Umsetzung des „Industriestrompreises“ ist ein guter Schritt. Mit Carbon-Leakage-Schutz verbundene ökologische Gegenleistungen und Anforderungen müssen dabei konsequent auf ein Mindestmaß beschränkt werden.

Das perspektivische Auslaufen der Industrienetzentgelte (“Bandlast-Regel“) droht zu einer massiven Erhöhung der Netzentgelte für die energieintensive Industrie zu führen – ein Damoklesschwert für Investitionen in die Transformation. Im zukünftigen Netzentgeltsystem muss daher dringend eine äquivalente Entlastung für die betroffene Industrie gewährleistet werden. Parallel müssen Strukturreformen angestoßen werden, die die Kosteneffizienz der Energiewende zur Prämisse erheben. Die angekündigte EEG-Novelle und das Netzanschlusspaket müssen zügig vorgelegt werden. Erneuerbare müssen in den Markt integriert und an den Kosten für den Netzausbau beteiligt werden. Eine Aufteilung des Strommarkts in mehrere Gebotszonen muss vermieden werden, um zusätzliche Planungsunsicherheit bei Marktteilnehmern zu vermeiden.

Versorgungssicherheit gewährleisten

Neben kostendämpfenden Maßnahmen ist vor allem die Versorgungssicherheit zentral. Schon heute fehlt es an grundlastfähigen Stromerzeugungskapazitäten. Mit dem weiteren Kohleausstieg verschärft sich die Lage, und der Industrie drohen bei Engpässen schlimmstenfalls sogar Abschaltungen. Bestehende Kraftwerksleistung darf nur dann stillgelegt werden, wenn sie zeitgleich durch neue gesicherte Leistung kompensiert wird. Reserve-Kraftwerke sollten während der Wintermonate wieder am Markt teilnehmen dürfen. Der Ausbau der Erneuerbaren sowie von steuerbaren Gaskraftwerken, Speichern und Netzen muss stärker miteinander synchronisiert werden. Geplante Ausschreibungen neuer Gaskraftwerke und der Kapazitätsmechanismus müssen nun schnell angegangen und kosteneffizient umgesetzt werden.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Entlastungen jetzt: Wettbewerbsfähige Energiekosten schaffen
    Der Wegfall der Gasspeicherumlage, die dauerhafte Senkung der Stromsteuer, der Netzkostenzuschuss und der Industriestrompreis sind erste gute Maßnahmen. Die Ausweitung der Strompreiskompensation muss schnell umgesetzt werden. Zudem braucht es dringend strukturelle Reformen, um die Kosteneffizienz der Energiewende zu steigern.
  • Versorgungssicherheit gewährleisten
    Auch beim langfristigen Strommarktdesign muss Versorgungssicherheit ein Kernelement sein. Abschaltung von Kraftwerken muss zeitgleich durch die Zuschaltung neuer gesicherter Leistung kompensiert werden. Der Ausbau von Infrastruktur, Erzeugung und Speichern muss deutlich besser synchronisiert werden.

Kontakt

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

 Heinrich Nachtsheim

Heinrich Nachtsheim

Energiepolitik, Wasserstoff