Innovationsanreize für Chemie und Pharma

Argumente und Positionen

Für den Industriestandort Deutschland wird es schwerer, seine Top-Position bei Forschung und Entwicklung (FuE) zu halten. Schwellenländer schließen auf. Die etablierten Industrienationen investieren massiv in Bildung und Forschung und schaffen innovationsfreundliche Bedingungen. Die deutsche chemisch-pharmazeutische Industrie stellt sich dieser Herausforderung: Sie investierte 2018 rund 11,8 Milliarden Euro in FuE und arbeitet konsequent am Abbau unternehmensinterner Innovationshemmnisse. Allein kann die Wirtschaft Deutschland allerdings nicht an der Spitze halten – sie braucht politische Unterstützung.

Forschungsanreize setzen

Die Finanzierung innovativer Unternehmen und Start-ups muss vor allem durch eine steuerliche Forschungsförderung und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen für Wagniskapital verbessert werden. Zu den essenziellen Rahmenbedingungen für erfolgreiche Pharma-Forschung gehört zudem der Patentschutz: Wenn ein neues Medikament den Markt erreicht, sind aufgrund des langen Entwicklungsprozesses von den zwanzig Jahren Patentschutz bereits viele Jahre verstrichen, sodass nur etwa zehn Jahre Patentschutz mit Marktzugang verbleiben würden. Durch ergänzende Schutzzertifikate können Hersteller derzeit eine Verlängerung der Patentlaufzeit um maximal fünf Jahre sichern, um lange Entwicklungszeiten von Arzneimitteln auszugleichen.

Politischer und gesellschaftlicher Rückhalt

Innovative Produkte und Verfahren aus Chemie und Pharma sind Teil der Lösung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen (Gesundheitsversorgung, demografischer Wandel, Ernährung, Mobilität, Klimaschutz, Ressourcen). Politik und Gesellschaft sollten Innovationen aufgeschlossen gegenüber stehen, damit Fortschritte leichter möglich sind.

Innovations-Check einführen

Bestehende und künftige Gesetzgebungen sollten daraufhin überprüft werden, wie sie sich auf Innovationen auswirken.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Ausgaben erhöhen, Forschung und Wagniskapital steuerlich fördern, Schutzrechte sichern
    Das politische Ziel, den BIP-Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf 3,5 Prozent zu erhöhen, ist gut. Die Rahmenbedingungen für Forschung und Innovation sind zu verbessern: durch einen angemessenen Haushalt und durch eine steuerliche Forschungsförderung für alle Unternehmen. Außerdem sollten die Rahmenbedingungen für Wagniskapital optimiert werden. Zur Sicherung des geistigen Eigentums sind angemessene Patentverwertungszeiten, ergänzende Schutzzertifikate (SPC) auch in Form eines EU-weiten „Einheits-SPC“ und der Unterlagenschutz entscheidend.
  • Hightech-Strategie konsequent fortführen
    Um das Niveau deutscher Forschung zu halten, sind ausreichend finanzierte und technologisch breit angelegte Förderprogramme wichtig: im Energiebereich, für mehr Ressourceneffizienz, für Gesundheitsforschung und für Schlüsseltechnologien wie neue Werkstoffe, Katalyse, Nano- und Biotechnologie sowie die Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Förderprogramme müssen die spezifischen Belange von mittelständischen Unternehmen ebenso wie die von Großunternehmen berücksichtigen.
  • Innovations-Check bei der Gesetzesfolgenabschätzung einführen
    Politische Rahmenbedingungen sollten Innovationen nicht erschweren oder gar verhindern. Bestehende und künftige Vorschriften sollten stattdessen durch einen Innovations-Check überprüft werden. Dies gilt nicht nur für neue Technologien, sondern zum Beispiel auch für Kreislaufwirtschaft und Energiewende.
  • Naturwissenschaftliche Bildung, MINT-Fächer und Hochschulfinanzierung stärken
    Naturwissenschaftlich-technischer Sachkundeunterricht sollte bereits in der Grundschule eingeführt sowie ein Drittel des Unterrichts in weiterführenden Schulen durchgängig mit MINT-Fächern belegt werden. Eine exzellente Grundlagenforschung ist für die chemisch-pharmazeutische Industrie essenziell. Hochschulen sind finanziell besser auszustatten. Die Möglichkeiten zur qualifizierten Weiterbildung Berufstätiger müssen ausgeweitet werden.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Hans-Jürgen Klockner

WTU/Wissenschaft und Forschung (WiFo)

E-Mail: klockner@vci.de