VCI-Position kompakt

Pharmastandort Deutschland

Corona hat die Welt verändert. Die Gesundheitssysteme wurden vor ungeahnte und schwer einschätzbare Herausforderungen gestellt – eine Situation, in der die chemisch-pharmazeutische Industrie ihren Beitrag leistet.

Ein starker Pharmastandort ist wichtig für eine sichere Gesundheitsversorgung. Wettbewerbsfähige und innovationsfördernde Produktionsbedingungen sind entscheidend, damit Europa nicht vollständig abhängig von chinesischer und indischer Produktion wird.

Die Arzneimittelproduktion und der Handel sind global vernetzt. Das Ausland ist ebenso abhängig von den Importen aus Europa wie der europäische Markt wiederum von den außereuropäischen Importen. Diversifizierung erhöht die Versorgungssicherheit: Fällt ein Standort aus, kann der andere dies kompensieren. Um die medizinische Versorgung zu gewährleisten, ist es daher wichtig, globale Wertschöpfungsketten zu erhalten und zu stärken.

Schleichende Verlagerung der Forschung

Arzneimittelentwicklung und -produktion ist komplex und vielschichtig. Grundsätzlich gilt: Dort, wo geforscht wird, wird auch produziert. Medikamente sind so schneller und umfassender für Patienten verfügbar. Seit einigen Jahren zeichnet sich für den Pharmaforschungsstandort Deutschland eine negative Entwicklung ab: Im Wettbewerb fällt er immer weiter hinter Ländern wie den USA, China und Großbritannien zurück. Klinische Forschung oder die zukunftsträchtige Biotechproduktion finden zunehmend dort statt. Das gilt auch für Gen- und Zelltherapien. Hinzu kommt: Die steuerliche Forschungsförderung entspricht immer noch nicht internationalem Niveau, private Forschung hat keinen Zugang zum geplanten Forschungsdatenzentrum und zu freiwilligen Datenspenden. Zudem wird der Patentschutz zunehmend kritisch diskutiert.

Lieferengpässe durch Kostendruck

Zu Problemen in der Arzneimittelversorgung kommt es vor allem bei Generika. Grund hierfür ist unter anderem die Abhängigkeit von in China und Indien produzierten Grund- und Wirkstoffen. Der Kostendruck führt dazu, dass immer mehr Teilschritte der Produktion nicht mehr wirtschaftlich in Europa durchgeführt werden können. Gibt es nur wenige Bezugsquellen, ist der Produktionsprozess anfällig für teils unkalkulierbare Störungen durch Lieferschwierigkeiten. Das hat wiederholt zu Lieferausfällen in Deutschland geführt. Durch die Stärkung einer wirtschaftlichen Produktion in Europa wäre eine zuverlässige, verbesserte und kontinuierliche Versorgung mit generischen Arzneimitteln eher gewährleistet.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Globale Wertschöpfungsketten sichern
    Nachhaltige Industriepolitik setzt den Unternehmen Anreize, dort zu produzieren, wo kein Protektionismus betrieben wird und die hohen europäischen Qualitätsstandards überprüfbar eingehalten werden. Stabile Handelsabkommen für Arzneimittel können dazu beitragen, Lieferketten zu sichern. Einseitige staatliche Anreize wie der Parallelhandel sollten abgeschafft werden, denn auch sie führen zu Versorgungsproblemen.
  • Pharmaforschung und -produktion stärken
    Neben einer praktikablen Umsetzung und perspektivischen Erweiterung der steuerlichen Forschungsförderung über die derzeitige Krise hinaus sollten Forschungskooperationen finanziell und strukturell gefördert werden. Private Forschung sollte Zugang zu Gesundheitsdaten und zum Forschungsdatenzentrum erhalten. Der Schutz geistigen Eigentums muss gewährleistet sein.
  • Wirtschaftliche Preise für Wirkstoffe und Therapien
    Der Produktionsstandort Europa und die damit einhergehenden Mehrkosten für die gesetzlichen Krankenversicherungen brauchen ein klares Bekenntnis seitens der Politik. Versorgungssicherheit funktioniert nicht ohne wirtschaftliche Preise. Der Pharmastandort Deutschland braucht deshalb eine Modifikation des EU-Vergaberechts und der Ausschreibungsregelungen für Rabattverträge, zum Beispiel durch eine Bevorzugung von Produktionsstandorten innerhalb der Europäischen Union.

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Ansprechpartner

Elena Michels

E-Mail: michels@vci.de