VCI-Position kompakt

Pharmastandort Deutschland

28. September 2022 | Position

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Die deutsche Pharma-Branche, geprägt durch Start-ups, mittelständische und große Unternehmen, ist mit einem Umsatz von rund 54,7 Milliarden Euro und 121.245 Beschäftigten ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber.

Lieferengpässe bei Generika offenbaren jedoch eine Abhängigkeit von Importen aus Fernost. Umgekehrt ist das Ausland ebenso abhängig von Importen aus Europa. Da ein starker Pharmastandort wichtig für eine gute und sichere Versorgung ist, ist es wichtig, neben den globalen Wertschöpfungsketten auch diesen zu stärken. Die Branche lebt davon, immer bessere Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Sie ist damit ein wesentlicher Baustein des Gesundheitssystems in Deutschland. Arzneimittel und Impfstoffe tragen dazu bei, Krankheiten wie Krebs, HIV oder COVID-19 immer effektiver in ihre Schranken zu weisen – und das, ohne das Gesundheitssystem über Gebühr zu belasten. Ganz im Gegenteil: Der Anteil der Arzneimittel an den Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung liegt seit Jahrzehnten konstant bei rund 16 Prozent.

Schleichende Verlagerung der Forschung

Die Entwicklung neuer Medikamente ist komplex und viel-schichtig. Die Erfolgsgeschichte der Corona-Impfstoffe in weniger als zwölf Monaten darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der Regel von rund 10.000 Molekülen, die zunächst als Wirkstoff infrage kommen, nach etwa acht bis zwölf Jahren nur eine Substanz den Zulassungsprozess absolviert. Grundsätzlich gilt: Dort, wo geforscht wird, wird auch produziert. Medikamente sind so schneller verfügbar. Seit einigen Jahren zeichnet sich aber eine negative Entwicklung ab: Im Wettbewerb fällt Deutschland immer weiter hinter Länder wie die USA, China und Großbritannien zurück. Klinische Forschung für Biotechproduktion, Gen- und Zelltherapien finden zunehmend dort statt. Hinzu kommt eine unzureichende steuerliche Forschungsförderung sowie der Ausschluss privater Forschung vom Forschungsdatenzentrum und von freiwilligen Datenspenden. Zudem wird der Patentschutz zunehmend kritisch diskutiert.

Lieferengpässe durch Kostendruck

Zu Problemen in der Arzneimittelversorgung kommt es vor allem bei Generika. Das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte listet derzeit mehr als 250 Meldungen dazu auf. Dies liegt unter anderem an der Abhängigkeit von produzierten Grund- und Wirkstoffen aus Fernost. Der Kostendruck führt dazu, dass immer mehr Produktionsschritte nicht mehr wirtschaftlich in Deutschland und Europa durchgeführt werden können. Gibt es nur wenige Bezugsquellen, ist der Produktionsprozess anfällig für teils unkalkulierbare Störungen durch Lieferschwierigkeiten. Das hat wiederholt zu Lieferausfällen in Deutschland geführt. Durch die Stärkung der Wirkstoffproduktion in Europa wäre eine zuverlässige, verbesserte und kontinuierliche Versorgung mit generischen Arzneimitteln eher gewährleistet.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Versorgung sichern und globale Wertschöpfungsketten stärken
    Nachhaltige Industriepolitik setzt Anreize, dort zu produzieren, wo kein Protektionismus betrieben wird und die hohen europäischen Qualitätsstandards überprüfbar eingehalten werden. Einseitige staatliche Anreize wie der Parallelhandel sollten abgeschafft werden, denn sie führen zu Versorgungsproblemen.
  • Pharmaforschung und -produktion stärken
    Neben der Erweiterung der steuerlichen Forschungsförderung sollten Forschungskooperationen finanziell und strukturell gefördert werden. Private Forschung sollte Zugang zu Gesundheitsdaten und zum Forschungs-datenzentrum erhalten. Der Schutz geistigen Eigentums muss gewährleistet sein. Eine Aufweichung des Patentschutzes, wie sie für Covid-19-Impfstoffe diskutiert wurde, wäre fatal für die künftige Investitionsbereitschaft und würde innovative Unternehmen ihrer wirtschaftlichen Grundlage berauben.
  • Auskömmliche Preise für Wirkstoffe und Therapien
    Versorgungssicherheit funktioniert nicht ohne auskömmliche Preise. Dafür braucht es ein klares Bekenntnis der Politik und eine ehrliche Debatte ohne falsche Datengrundlage. Die Preisfindung für innovative Arzneimittel im AMNOG-Verfahren muss fair und gerecht bleiben. Neue Arzneimittel mit einem höheren Nutzen müssen auch höhere Preise erzielen können. Zudem müssen das EU-Vergaberecht und die Ausschreibungsregelungen für Rabattverträge modifiziert werden.

Kontakt

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

 Elena Michels

Kontaktperson

Elena Michels

Stellvertretende Leitung Hauptstadtbüro Berlin, Life Science, Logistik & Verkehr