VCI-Position kompakt

Pharmastandort Deutschland

03. September 2026 | Position

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Wie Deutschland dauerhaft attraktive Bedingungen für die Pharmaindustrie schafft.

 © kunakorn/stock.adobe.com
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Die pharmazeutische Industrie leistet einen immensen Beitrag für Gesundheit, Innovationskraft und Wohlstand. Neben bewährten Therapien – vom Generikum bis zum innovativen Arzneimittel – läuten personalisierte Gen- und Zelltherapien und die mRNA-Technologie eine neue Ära der Präzisionsmedizin ein. Doch viele Innovationen erreichen Betroffene nicht mehr, denn fast jedes dritte neue Arzneimittel wird nicht mehr in Deutschland auf den Markt gebracht. Damit sich das ändert, sind dringend Reformen geboten.

Immenser und vielfältiger wirtschaftlicher Druck

Für eine sichere Gesundheitsversorgung ist ein starker Pharmastandort entscheidend. Vielfältige Belastungen machen es den Unternehmen jedoch schwer, hierzulande erfolgreich zu forschen und zu produzieren. Zum einen können sie die steigenden Produktionskosten durch verhandelte Preise oder politisch festgesetzte Preismoratorien nicht weitergeben – ein Problem, das sich durch weitere Sparmaßnahmen der Bundesregierung zulasten hier forschender und produzierender Pharmaunternehmen weiter verschärft hat. Der vielseitige Kostendruck führt dazu, dass immer mehr Produktionsschritte nicht mehr hierzulande durchgeführt werden, wodurch Produktionsprozesse anfälliger für unkalkulierbare Lieferengpässe werden. Hinzu kommen regulatorische Entscheidungen auf EU- und internationaler Ebene, etwa die Kommunalabwasserrichtlinie (KARL), die Einstufung von Ethanol als CRM-Substanz oder pauschale PFAS-Verbote sowie Zölle oder Preisreferenzierungen durch andere Länder, beispielsweise das MFN-Pricing („Most Favored Nation“) in den USA. All das erhöht den wirtschaftlichen Druck auf Unternehmen und wirkt sich damit unmittelbar negativ auf die Arzneimittelversorgung am Standort aus. Da sich viele Staaten an den deutschen Arzneimittelpreisen orientieren, haben hierzulande gewährte Rabatte weitreichende internationale Auswirkungen: Sie senken die Erlösperspektiven in zahlreichen Märkten und mindern die Attraktivität Deutschlands für die Einführung innovativer Arzneimittel. Die massive Erhöhung des sogenannten Herstellerabschlags, zusätzliche Abschläge auf Impfstoffe sowie die Verschärfung der Preis-Mengen-Regelung im Rahmen des GKV-Sparpakets der Bundesregierung, entziehen den Unternehmen nicht nur unmittelbar Liquidität und erschweren Investitionen, sondern tragen auch zu einer systematischen Entwertung deutscher Pharmaexporte bei.

Innovationen ermöglichen und am Standort halten

Forschung und Entwicklung bilden das Rückgrat für Innovationen. Hierbei spielen, neben einem ausreichenden Patentschutz, vor allem klinische Studien eine entscheidende Rolle. Arzneimittelhersteller investieren in Deutschland jährlich mehr als 9 Milliarden Euro in die Forschung. Bis zur Zulassung für den deutschen Markt braucht ein neues Medikament durchschnittlich 13,5 Jahre, in denen der Patentinhaber seine Erfindung nicht wirtschaftlich nutzen kann. Für diese hohen Investitionen und den entsprechenden Return of Investment ist ein angemessener Patent- und Unterlagenschutz entscheidend. Damit medizinischer Fortschritt auch künftig hier entsteht, besteht akuter Handlungsbedarf. Deutschland verliert im internationalen Wettbewerb zunehmend an Attraktivität als Forschungs- und Innovationsstandort. Insbesondere bei Zukunftstechnologien wie Gen- und Zelltherapien fließen Investitionen heute überwiegend in die USA und nach Asien. Um diesen Trend umzukehren, müssen die Rahmenbedingungen für Forschung und Innovation gezielt verbessert werden.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Reform von Nutzenbewertung und Preisbildung
    Das AMNOG-Verfahren (Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz) braucht ein ganzheitliches Update und eine konsequent nutzenorientierte Preisfindung in einem flexiblen Verhandlungsrahmen. Ziel ist es, Deutschland als innovationsfreundlichen Leitmarkt für neue Arzneimittel zu stärken.
  • Leistungsgerechte Arzneimittelvergütung
    Kurzsichtige Sparmaßnahmen und Überregulierung untergraben die Planungssicherheit von Unternehmen und schränken den finanziellen Spielraum für dringend notwendige Investitionen in Innovation und Produktion ein. Um den Pharmastandort nachhaltig zu stärken, müssen die im Rahmen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz erhöhten oder neu eingeführten Abschläge zwingend rückabgewickelt werden.
  • Stärkung von Patentschutz, ergänzenden Schutzzertifikaten und klinischer Forschung
    Eine angemessene Patentverwertungszeit und EU-einheitliche ergänzende Schutzzertifikate müssen als zentrale Voraussetzung für Investitionen in den medizinischen Fortschritt, aber auch in die Zukunft der Unternehmen erhalten bleiben. Zur Stärkung der klinischen Forschung braucht es zwingend bessere Rahmenbedingungen für Gen- und Zelltherapien, regulatorische Reallabore, schnellere Technologietransfers zwischen Wissenschaft und Industrie sowie gezielte Maßnahmen zur Gründungsförderung.

Kontakt

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

 Ninetta Steffens

Ninetta Steffens

Industrielle Gesundheitswirtschaft