TUIS in der Praxis

Komplexer Einsatz

10. Juni 2021 | Bericht

In unregelmäßigen Abständen geben die TUIS-Werkfeuerwehren einen Einblick in ihre praktische Arbeit.

TUIS-Komponente der Werkfeuerwehr CHEMPARK. © Currenta GmbH & Co. OHG
TUIS-Komponente der Werkfeuerwehr CHEMPARK. © Currenta GmbH & Co. OHG

Bei diesem Einsatz unterstützte die TUIS-Werkfeuerwehr des Chemieparks Dormagen die örtliche Feuerwehr bei der schwierigen Bergung eines umgestürzten Tanksattelzugs.

Lage

10. März 2021: Ein Tanksattelzug, beladen mit 25 Tonnen Methylmethacrylat, war auf der Autobahn 61 umgestürzt. Der Tank war augenscheinlich dicht. Bei dem Produkt handelte es sich um eine stabilisierte, leicht entzündliche Flüssigkeit, die zur Herstellung von Spezialkunststoffen verwendet wird.

Hilfe

Die Feuerwehrleitstelle Viersen bat die Sicherheitszentrale der Werkfeuerwehr CHEMPARK (Currenta GmbH & Co. OHG) um Beratung. Nach Übermittlung von Schadensbildern der Unfallstelle und Beratung durch den diensthabenden Einsatzführungsdienst der Werkfeuerwehr forderte der öffentliche Einsatzleiter Vor-Ort-Unterstützung durch Personal und Material an. Die Sicherheitszentrale der Werkfeuerwehr CHEMPARK entsandte daraufhin einen Kommando- und einen Mannschaftstransportwagen sowie eine sogenannte TUIS-Komponente: Wechsellader mit Gespann und Abrollbehältern sowie mit zwei Verbandsführern, einem Gruppenführer sowie fünf Werkfeuerwehrmännern vom CHEMPARK Dormagen. Beim Eintreffen vor Ort war der rechte Fahrstreifen der Autobahn 61 gesperrt und die Autobahnpolizei bereitete die Vollsperrung in Fahrtrichtung Venlo vor. Für einen dreifachen Brandschutz (Wasser/Schaum/Pulver) hatte bereits die öffentliche Feuerwehr gesorgt. Alle Messungen auf entzündliche Gase, die die öffentliche Feuerwehr bis dahin unternommen hatte, waren unauffällig, die kontinuierliche Fortsetzung der Messungen war schon eingeleitet.

Aufrichten des Tankaufliegers nur nach Umpumpen

Nach Rücksprache und Abstimmung mit der Bergungsfirma wurde deutlich: Mindestens 10 Tonnen des Produkts müssen aus dem Tank entfernt werden, um einen weitgehend gefahrlosen Einsatz des Krans zu ermöglichen. Im Idealfall würde der Tank sogar vollständig abgepumpt. Allerdings schränkten die Seitenlage des Aufliegers und ein umgestürzter Baum die Erreichbarkeit der Anschlussarmaturen des Tanks ein. Die Einsatzkräfte stellten zudem eine geringfügige Tropfleckage aus der Zwangsbelüftungseinrichtung des Domdeckels frontseitig fest. Beide Anschlussmöglichkeiten für das Umpumpen lagen unterhalb des Flüssigkeitsspiegels im Tank.

Situation bei Eintreffen der Werkfeuerwehr.
Situation bei Eintreffen der Werkfeuerwehr. © Currenta GmbH & Co. OHG

In Abstimmung mit der örtlichen Einsatzleitung wurden daraufhin folgende Maßnahmen beschlossen und umgesetzt:

  • Sperrung beider Fahrspuren der Autobahn in Fahrtrichtung Venlo für die Dauer der Bergung,
  • Entfernung des umgestürzten Baums durch die örtliche Feuerwehr,
  • Trennung von Fahrerhaus und Tankauflieger, um diesen leichter und sicherer mithilfe des Krans aufrichten zu können.

In der Zwischenzeit entsandte die Spedition einen passenden Ersatztankraum und ein Servicefahrzeug mit qualifiziertem Personal zur Unterstützung an die Einsatzstelle.

Zu starken Unterdruck im Tank verhindern

Nach dem Aufbau des notwendigen Equipments begann die Werkfeuerwehr, das Gefahrgut mit einer Spezialpumpe umzupumpen. Dass sich durch die Lage des Tankaufliegers alle Anschlussventile unterhalb des Flüssigkeitsspiegels befanden, machte den notwendigen Druckausgleich schwierig. Ohne diesen würde jedoch beim Abpumpen ein starker Unterdruck entstehen. Ein Zusammenziehen des Tanks und dessen Zerstörung wären dann unausweichlich. Um dies zu verhindern, installierten die Einsatzkräfte – geschützt durch Chemikalienschutzanzüge – ein 3-Wege-Ventil an die höher gelegene Anschlussarmatur und montierten einen Edelstahlwellschlauch zur Belüftung des Tankraums über dem höchsten Punkt des Aufliegers. Durch das Umschließen des 3-Wege-Ventils konnte dann in regelmäßigen Abständen der Druckausgleich zur offenen Atmosphäre sichergestellt werden.

Die Kräfte der Werkfeuerwehr demontierten das Bodenventil, nachdem sie den Flüssigkeitsstand auf ein Niveau unterhalb des Bodenventils gesenkt hatten. Jetzt konnte das verbliebene Restprodukt – unter ständigen Gefahrstoffmessungen – über eine ins Innere des Tanks geführte Schlauchleitung sicher in den Ersatztank umgefüllt werden.

Damit waren die Voraussetzungen für das Aufrichten und den Abtransport des havarierten Tankaufliegers geschaffen. Nach der erfolgreichen Bergung durch das Fachunternehmen kontrollierten die acht Einsatzkräfte der Werkfeuerwehr CHEMPARK gemeinsam mit der öffentlichen Feuerwehr abschließend den havarierten Tank. Da dieser nachweislich dicht war, wurde der Einsatz der Werkfeuerwehr dann nach über 18 Stunden beendet.

Einsatztrupp der Werkfeuerwehr unter Chemikalienschutzanzug.
Einsatztrupp der Werkfeuerwehr unter Chemikalienschutzanzug. © Currenta GmbH & Co. OHG

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M.A. Monika von Zedlitz

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M.A. Monika von Zedlitz

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