EU-Industriepolitik und Resilienz

Eckpunkte zu Buy European

24. April 2026 | Position

Downloads

Gezielte Resilienzimpulse können sinnvoll sein. Zentral sind jedoch wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen.

Europäische Industrie im Wandel: Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und offene Märkte müssen zusammen gedacht werden. © Cozyta/stock.adobe.com
Europäische Industrie im Wandel: Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und offene Märkte müssen zusammen gedacht werden. © Cozyta/stock.adobe.com

Nach ersten Aktivitäten gegen Ende der ersten von der Leyen-Kommission (Z.B. NZIA, ESPR) steht seit Beginn des aktuellen EU-Mandats (2024-29) eine nachfrageorientierte und selektive Industrie- und Transformationspolitik im Fokus. Vorgebliche Ziele sind die Stärkung der grünen Transformation (Clean Industrial Deal) oder die Reduktion strategischer Abhängigkeiten (diverse „Critical“-Acts). Ansatzpunkte sollen neben Leitmärkte und Schutz bzw. Förderung kritischer Produktion auch „Buy European“ bzw. „Made-In-Europe“-Klauseln sein. Mit dem „Industrial Accelerator Act“ (IAA) soll eine gebündelte Verrechtlichung gerade von „Buy European“-Regelungen, erfolgen. Als VCI treten wir massiven und steuernden Markteingriffen weiterhin skeptisch gegenüber, zugleich erfordern neue Resilienzherausforderungen eine gewisse Offenheit, von Dogmatismus abzuweichen. Daraus ergeben sich folgende Eckpunkte einer Position:

  • Die Verbesserung der Rahmenbedingungen bleibt oberste Priorität – also besonders Senkung der Energiepreise, regulatorisches Moratorium und Innovationsschub. Die überbürokratische EU-Politik – im Zeichen der Nachhaltigkeit – darf nicht durch komplexe industriepolitische Markteingriffe ergänzt werden. Wettbewerbsfähigkeit des Standortes lässt sich nicht herbeiregulieren, Glaubwürdigkeit der Forderung nach Bürokratieabbau darf nicht durch eigene Bürokratieforderungen konterkariert werden.
  • Protektive Schritte bleiben nicht ohne Gegenreaktion von Drittstaaten. Gute Beziehungen zu Partnern und Eskalationen mit Rivalen müssen Teil der Gesamtabwägung sein, tragfähige internationale Handelsbeziehungen sind für die deutsche chemisch-pharmazeutische Industrie eine hohe Priorität.
  • „Buy European“-Regeln können zugleich gezielte Impulse für mehr Resilienz setzen. Sie sollte jedoch durch an klaren, begrenzenden Prinzipien ausgerichtet sein:
    • schrittweises Vorgehen („start small“, zunächst mit klar und eng definierten Produktkategorien);
    • klare Beschränkung allein auf Teile der öffentlichen Beschaffung sowie auf kritische Infrastrukturen und, wo nötig, ihre Wertschöpfungsketten;
    • keine Ausweitung auf private Märkte;
    • Vermeidung übermäßig komplizierter Methodiken (kein taxonomieähnliches Mikromanagement, Ursprungsregeln sind per se höchst bürokratisch und kontrollaufwändig);
    • Wahrung der internationalen Verpflichtungen der EU;
    • eine offene Definition dessen, was als „europäisch“ gilt (z. B. unter Einbeziehung von Freihandelspartnern) – hier lehnt sich der VCI an den Ansatz der Bundesregierung „Made with Europe“ an.

Kontakt

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Dr. Matthias Blum

Dr. Matthias Blum

Abteilungsleitung Außenwirtschaft, Außenwirtschaftspolitik, europäische/nationale Industriepolitik