14. Januar 2026 | Bericht
Die „Critical Chemicals Alliance” soll wichtige Produktionskapazitäten in der EU resilienter machen.
Start für die “Critical Chemicals Alliance“ (CCA) am 13. Januar 2026: Mehr als 140 Teilnehmer versammelten sich zur ersten Generalversammlung im Chemelot Chemiepark im niederländischen Geleen. Einberufen hatte sie der Exekutiv-Vizepräsident der Europäischen Kommission, Stéphane Séjourné.
Der Schwung des Anfangs und der Geist einer gemeinsamen Zielsetzung waren deutlich zu spüren: Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die Substanz und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Chemie- und Pharmaindustrie, die in einem schwierigen geopolitischen Umfeld mehr als je zuvor von Anlagenschließungen, Produktionsverlagerungen und rückläufigen Investitionen bedroht ist.
Gleichzeitig blieben wichtige Fragen offen, so zum organisatorischen Gesamtaufbau und dazu, wie die zukünftigen Ergebnisse der Allianz in politisches Handeln übersetzt werden können.
Aus Sicht des VCI sind diese drei Punkte am wichtigsten:
- Gemeinsames großes Ziel ist es, dass die europäische Chemie- und Pharmaindustrie sich erholt und wieder wettbewerbsfähig werden und bleiben kann.
- Die Allianz braucht politisches Gewicht, das über den Zuständigkeitsbereich der GD Grow (Generaldirektion Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU der EU-Kommission) hinausgeht.
- Konkrete Erleichterungen, um die Schmerzpunkte der Branche zu bewältigen und zu überwinden – vom Emissionshandel (ETS) bis zur Überregulierung.
In welchem Kontext steht die CCA?
Am 8. Juli 2025 stellte die Europäische Kommission den „European Chemicals Industry Action Plan“ vor, um die Chemiebranche und ihre Investitionen in Modernisierung und Transformation zu unterstützen. Der Aktionsplan hebt die Schlüsselrolle der chemischen Industrie als „Industrie der Industrien" hervor und schlägt eine Reihe von Maßnahmen zur Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit vor.
Ein zentrales Element des Aktionsplans ist die Schaffung einer „Critical Chemicals Alliance“, die die Kommission und Interessengruppen zusammenbringt und die wichtigsten Herausforderungen des Sektors angeht. Die Kommission hatte die Allianz im November 2025 ins Leben gerufen.
Was ist die Allianz und welche Ziele verfolgt sie?
Die „Critical Chemicals Alliance“ behandelt zentrale Herausforderungen der Chemiebranche. Ziel ist es, so die Kommission, resiliente und moderne Produktionskapazitäten für kritische Chemikalien in Europa zu sichern und weiterzuentwickeln. Die Allianz hat sich zum Ziel gesetzt, globale Handelsherausforderungen wie unlauteren Wettbewerb und Abhängigkeiten in der Lieferkette anzugehen und gleichzeitig Anreize für die Entwicklung von Leitmärkten für transformationsfördernde chemische Produkte zu geben.
Die Allianz steht prinzipiell allen Organisationen offen, die relevante Aktivitäten in der oder für die chemisch-pharmazeutischen Industrie ausüben: Mitgliedstaaten, regionale Behörden, Unternehmen, Verbände, Investoren, Wissenschaftsorganisationen und zivilgesellschaftliche Gruppen.
Die Struktur umfasst eine Generalversammlung (zwei bis drei Sitzungen pro Jahr), einen Steuerungsausschuss und vier thematische Arbeitsgruppen.
Was macht der VCI?
Der VCI ist über den Geschäftsführer des VCI in Brüssel, Pierre Gröning, in der Allianz vertreten. Er steht mit der Kommission in engem Austausch, bereitet die eigene Positionierung weiter vor und wird seine Mitglieder kontinuierlich informieren. Auch ist der Dachverband Cefic eingebunden.
Welche Ziele verfolgt der VCI?
Der VCI vertritt gemeinsam mit Cefic den Standpunkt, dass Resilienz nicht ausschließlich als Versorgungssicherheit in Krisensituationen verstanden werden darf. Sie muss auch Europas Fähigkeit widerspiegeln, Wachstum, Innovation und Technologie aufrechtzuerhalten und den Blick in die Zukunft richten – während sich die Standortschließungen beschleunigen, sind Neuinvestitionen marginal.
Der VCI setzt sich dafür ein, dass die CCA über reine Strategiepapiere hinausgeht und konkrete industriepolitische Ergebnisse liefert – insbesondere:
- klare Standortvorteile für alle Unternehmen, nicht ausschließlich für „kritische“. Im Mittelpunkt müssen möglichst bessere Rahmenbedingungen für die gesamte Branche stehen
- Verknüpfung mit relevanten EU-Politikbereichen (Klima, Energie, Handel)
- konkrete Maßnahmen bis zum Frühjahr 2026
Lohnt sich eine Beteiligung für VCI-Mitglieder?
Trotz offener Fragen zur Reichweite und Schlagkraft der Initiative kann eine Beteiligung für Unternehmen sinnvoll sein:
- Mitwirkung von innen erhöht Einflussmöglichkeiten auf künftige Definitionen und Prioritäten
- Arbeitsgruppen sind offen und freiwillig
- Die Intensität der Beteiligung bestimmen die Unternehmen selbst
Neue Mitglieder können jederzeit beitreten. Die Mitgliedschaftskriterien sind im Mandat der Allianz festgelegt. Um Mitglied zu werden, muss eine Organisation die Erklärung der Allianz unterzeichnen und sich verpflichten, aktiv zu ihren Zielen beizutragen. Die Anmeldung ist über den hier unterlegten Link möglich.
Welche Ergebnisse hatte die Auftaktversammlung?
In der ersten Sitzung wurde festgehalten, dass es bei vier Arbeitsgruppen bleibt – die konkrete Nutzung und politische Einordnung der Ergebnisse dieser Gruppen wurde noch nicht festgelegt und bleibt offen. Die Einschreibung für die Arbeitsgruppen läuft bis zum 23. Januar 2026, die Auswahl erfolgt durch die Kommission. Thematisch standen insbesondere handelspolitische Schutzinstrumente, Standortentwicklung, Investitionsbedingungen sowie die Bedeutung klarer und verlässlicher Rahmenbedingungen für Investoren im Fokus.
Nächste Schritte
Die Einschreibung für die Arbeitsgruppen läuft bis zum 23. Januar 2026; die Kommission entscheidet anschließend über die Zusammensetzung. Das erste Steuerungsgremium ist für die letzte Januarwoche vorgesehen, die nächste Generalversammlung für Ende September 2026.
Kontakt
Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.
Laura Lischinski
Industriepolitik, Außenwirtschaft, Nachhaltigkeit, Sustainable Finance
- E-Mail: lischinski@vci.de