09. März 2026 | Position
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VCI-Stellungnahme zum Förderaufruf Reallabore der Energiewende 2025
PDF | 329 kB | Stand: 09. März 2026
Die Ausschreibung greift zu kurz. Industrieprojekte brauchen mehr Budget, Flexibilität und klare Regeln.
Im Rahmen der Umsetzung des 8. Energieforschungsprogramms des Bundeswirtschaftsministeriums ist der Förderaufruf „Reallabore der Energiewende 2025“ gestartet. Für die Industrie und besonders für die Chemiebranche ist es vor dem Hintergrund der Diskussionen zur „Chemieagenda 2045“ sowie der Maßnahmen zur Umsetzung des Energieforschungsprogramms entscheidend, die Passfähigkeit dieser Ausschreibung gründlich zu bewerten.
Die Chemieindustrie hat klare Anforderungen an ein zeitgemäßes Programm zur Förderung von Reallaboren. Sie sieht Reallabore als wichtigen Baustein, um Forschungs- und Entwicklungsprojekte in den industriellen Maßstab zu überführen und regulatorische Hemmnisse frühzeitig zu adressieren. In der aktuellen Stellungnahme fällt die Bewertung des Förderaufrufs jedoch kritisch aus: Der Aufruf erfüllt die Anforderungen der Branche nicht.
Rahmenbedingungen der Ausschreibung
Die Kritik richtet sich zunächst auf die grundlegenden Rahmenbedingungen. Das Budget der Ausschreibung ist zu niedrig, zudem sind ausschließlich Einzelanträge vorgesehen. Für große industriegeführte Projekte wären flexiblere Budgetobergrenzen notwendig, um realistische Skalierungsumfänge abzudecken.
Weiterbetrieb und Experimentierklauseln
Auch beim Weiterbetrieb der Anlagen bestehen aus Sicht der Expertinnen und Experten erhebliche Lücken. Klare Aussagen dazu fehlen, ebenso wie konkrete Möglichkeiten für Experimentierklauseln, die regulatorische Erprobungsräume verlässlich absichern würden.
Erfahrungen aus bisherigen Reallaboren
Die praktischen Erfahrungen aus der Beteiligung an bestehenden Reallaborprojekten zeigen weiteren Anpassungsbedarf. Genehmigungsfristen müssen verkürzt und Verfahren entlastet werden. Darüber hinaus ist eine deutlich flexiblere Ausgestaltung des Projektmanagements erforderlich, um Planung und Betrieb im industriellen Maßstab zu ermöglichen.
Fazit
Diese Erfahrungen machen deutlich, dass das Instrument der Reallabore in der derzeitigen Ausgestaltung nur eingeschränkt für eine Schlüsselbranche des deutschen industriellen Kerns geeignet ist. Die Hemmschwelle, ein komplexes Reallaborvorhaben zu initiieren, ist unter den aktuellen Voraussetzungen hoch. Das ist besonders bedauerlich, da der Förderaufruf grundsätzlich die Chance bietet, neue Technologien unter realen industriellen Bedingungen zu erproben.
Deshalb ist ein zeitnaher und intensiver Dialog dringend notwendig, um flexiblere und passfähigere Rahmenbedingungen für die Förderung und die Umsetzung des Reallabore-Gesetzes zu erreichen.
Kontakt
Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.
Dr. Martin Reuter
Forschungs- und Technologiepolitik, Material- und Energieforschung
- E-Mail: reuter@vci.de