Nach der EFSA-Entscheidung

Künftig kein Titandioxid mehr in Lebensmitteln

21. Mai 2021 | Bericht

Die EU-Kommission will die Verwendung von Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff E 171 in der Europäischen Union verbieten.

Als Lebensmittelzusatzstoff E171 färbt Titandioxid bislang unter anderem Kaugummis weiß. © Stocksnapper/stock.adobe.com
Als Lebensmittelzusatzstoff E171 färbt Titandioxid bislang unter anderem Kaugummis weiß.© Stocksnapper/stock.adobe.com

Diese Entscheidung folgt auf die Schlussfolgerung der bewertenden Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Diese war Anfang Mai nach einer Untersuchung zu dem Ergebnis gelangt, dass Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff nicht mehr länger als sicher angesehen werden kann.

Titandioxid ist ein weißes Farbpigment, das in der EU seit Jahrzehnten als Lebensmittelzusatzstoff mit der E-Nummer E 171 zugelassen ist. Grundlage dafür ist die Verordnung (EU) Nr. 1333/2008 für Lebensmittelzusatzstoffe. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die Sicherheit der Verwendung von Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff erneut bewertet und das Ergebnis Anfang Mai 2021 in einer Stellungnahme veröffentlicht.

Die EFSA kommt zu dem Schluss, dass Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff nicht mehr länger als sicher angesehen werden kann. Zwar konnte kein unmittelbares Gesundheitsrisiko aufgezeigt werden. Der Verdacht bezüglich erbgutschädigender Wirkungen (Genotoxizität) von Titandioxid konnte jedoch nicht entkräftet werden. Außerdem bestehen laut EFSA weitere wissenschaftliche Unsicherheiten. Erstmals wurden die Leitlinien des Wissenschaftlichen Ausschusses der EFSA zur Nanotechnologie auf die Sicherheitsbewertung von Lebensmittelzusatzstoffen angewendet.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kommt zu vergleichbaren Schlussfolgerungen wie die EFSA und gibt folgende ergänzende Erläuterung zur Einordnung der Bewertung:

„Grundsätzlich gilt, dass in vielen Lebensmitteln Inhaltsstoffe mit genotoxischem Potenzial enthalten sind. Diese sind sehr häufig auch natürlichen Ursprungs und unvermeidbar in der täglichen Ernährung. Für einige genotoxische Substanzen in Lebensmitteln liegen Erkenntnisse zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen beim Menschen vor. Bei Titandioxid ist dieser Zusammenhang durch Humanstudien bislang nicht belegt. Allerdings werden an Zusatzstoffe besondere gesundheitliche Anforderungen gestellt. Diese werden streng geprüft und reguliert.“

Die Europäische Kommission kündigte umgehend nach Veröffentlichung der EFSA-Bewertung an, die Verwendung von Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff in der EU verbieten zu wollen. Ein entsprechender Verordnungsvorschlag wird folgen. Die EU-Mitgliedstaaten unterstützen diese Vorgehensweise. Die genaue Ausgestaltung des Regulierungsvorschlags bleibt abzuwarten. Gleiches gilt für die Frage, ob der Wirtschaft angemessene Übergangsfristen eingeräumt werden. Betroffene Unternehmen müssen sich auf das Verbot vorbereiten.

Weiterführende Links:

Pressemitteilung der EFSA vom 6. Mai 2021:
Titandioxid: E171 gilt bei Verwendung als Lebensmittelzusatzstoff nicht mehr als sicher

Stellungnahme der EFSA vom 25. März 2021, veröffentlicht am 6. Mai 2021:
EFSA opinion on the safety of titanium dioxide (E 171) as a food additive

Pressemitteilung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft vom 6. Mai 2021:
Bundesministerin Julia Klöckner fordert Rücknahme der EU-Zulassung von Titandioxid

Stellungnahme des BfR vom 6. Mai 2021:
Lebensmittelzusatzstoff Titandioxid (E 171) auf dem Prüfstand: Neubewertung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit

Fragen und Antworten des BfR vom 12. Mai 2021
Titandioxid – gibt es gesundheitliche Risiken?

Stellungnahme des Herstellerverbands TDMA vom 6. Mai 2021
The Titanium Dioxide industry is evaluating the European Food Safety Authority’s (EFSA) opinion on E171

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Human Biomonitoring, Endokrine Effekte