In Kooperation mit dem VCI

Handelsblatt Jahrestagung Chemie 2026

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Handelsblatt Jahrestagung Chemie 2026 | VCI
Datum
19.05.2026 - 20.05.2026
09:00 Uhr 16:00 Uhr
Ort
DoubleTree by Hilton Berlin Ku’damm, Los-Angeles-Platz 1, 10789 Berlin
Veranstalter
Wirtschaftswoche, Handelsblatt, Euroforum In Kooperation mit dem VCI
Kontaktperson

Felix Lesche

Zirkuläre Wirtschaft, Kampagnen

E-Mail: lesche@vci.de

Blick nach vorne trotz schwieriger Lage

Reformtempo für Standort Deutschland angemahnt: „Mit Flickschusterei gewinnt man keinen globalen Wettbewerb“.

VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup sprach die Keynote am ersten Tag der Handelsblatt Jahrestagung Chemie 2026. Sein Thema: „Neustart statt Feinschliff – Wie unser Standort krisenfest wird“
VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup sprach die Keynote am ersten Tag der Handelsblatt Jahrestagung Chemie 2026. Sein Thema: „Neustart statt Feinschliff – Wie unser Standort krisenfest wird“ © Handelsblatt Chemie 2026 / Wolfgang Borrs

Die diesjährige Handelsblatt Jahrestagung Chemie am 19. und 20. Mai in Berlin stand unter dem Leitthema „Wachstumsmotor: Mut, Resilienz und Innovationskraft“. Sie war geprägt von einem positiven Grundtenor – und das, obwohl immer wieder zur Sprache kam, dass die geopolitische Lage kompliziert und die Politik in ihrer Reaktion zu zaghaft sei.

VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup machte gleich zum Auftakt der Tagung deutlich, dass Deutschland über alles verfüge, was es für einen Aufbruch benötige: „Kluge Köpfe, starke Forschung, innovative Unternehmen und einen industriellen Mittelstand als Rückgrat unseres Wohlstands“. Hinzu kämen Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Stabilität und die Chance auf einen echten europäischen Binnenmarkt.

Die Gefahr sei nun aber, dass man den Reformzug verpasse und allein am Bahnsteig zurückbleibe. Probleme und Lösungen seien erkannt: Dringend nötig sei mehr Wachstum durch höhere Wettbewerbsfähigkeit. Aber in der Umsetzung bleibe man hinter den Erwartungen zurück: „Mit Flickschusterei gewinnt man keinen globalen Wettbewerb“. Das Problem sei, dass sich die Entscheidungsträger immer wieder ausbremsen ließen: „Sobald Gegenwind von Partikularinteressen kommt, wird aus Reformtempo plötzlich Warnblinker“, so Große Entrup. Er forderte ehrliche Reality Checks und echte Kehrtwenden in der Klimapolitik, bei der Energiewende, beim Bürokratieabbau und bei der Nutzung des Sondervermögens für Zukunftsinvestitionen.

Als positives Beispiel führte er den Koalitionsvertrag in Baden-Württemberg ins Feld, der beim Bürokratieabbau mit einem neuen Ansatz Hoffnungen mache. Ende 2027 sollen alle Berichts- und Dokumentationspflichten des Landes, die zulasten der Wirtschaft gehen, die rechtliche Grundlage entzogen werden. Was an Berichtspflichten noch benötigt wird, muss bis dahin von den Behörden beantragt werden. Das müsse laut Große Entrup im Bund und in Brüssel Schule machen.

Neue Wege für neue Zeiten

Auch die weiteren Redner waren bei der Jahrestagung verhalten positiv gestimmt. Deutschland stehe zwar erheblich unter Druck, aber vor allem bei Hochtechnologien sei man weltweit immer noch vorne.

Christian Kullmann, CEO von Evonik Industries AG und Mitglied des VCI-Präsidiums. Er referierte zu Beginn des zweiten Konferenztags zum Thema: „Der Letzte macht das Licht aus? Zukunftswege für Europas Chemieindustrie.“
Christian Kullmann, CEO von Evonik Industries AG und Mitglied des VCI-Präsidiums. Er referierte zu Beginn des zweiten Konferenztags zum Thema: „Der Letzte macht das Licht aus? Zukunftswege für Europas Chemieindustrie.“ © Handelsblatt Chemie 2026 / Wolfgang Borrs

Am zweiten Tag machte Christian Kullmann, Vorstandsvorsitzender von Evonik Industries AG und Mitglied des VCI-Präsidiums, deutlich, dass nun auch die Unternehmen in der Verantwortung stünden. Sie müssten sich den neuen Bedingungen anpassen, auch wenn dies eine Abkehr vom eigenen Wunschdenken erfordere. Protektionismus sei nicht die Idealvorstellung, aber Unternehmen müssten sich der Realität stellen und mit einer verstärkten Regionalisierung reagieren – nicht nur, was die Standorte angehe, sondern auch hinsichtlich der Wertschöpfungsketten. Auch er ließ die Politik nicht aus der Pflicht: Eine Demokratie brauche zum Überleben Wirtschaftswachstum, und Wachstum brauche Freiheit. Er forderte, sämtliche Regulierung auszusetzen: „Das ist keine Kettensäge, sondern eine Befreiung von einer völlig unnötigen Umklammerung.“

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