SCHLAGLICHT - FOKUS CHEMIE

Irankrieg: Stresstest für die Lieferketten

30. März 2026 | Pressemitteilung

Das Schlaglicht Chemie & Pharma beleuchtet monatlich die wirtschaftliche Lage der Branche.

Mit unserem Schlaglicht Chemie & Pharma bleiben Sie stets auf dem Laufenden. © ARMMY PICCA/stock.adobe.com
Mit unserem Schlaglicht Chemie & Pharma bleiben Sie stets auf dem Laufenden. © ARMMY PICCA/stock.adobe.com

Die Eskalation am Persischen Golf hat die fragile Stimmung in der deutschen Wirtschaft weiter eingetrübt. Die erhoffte Erholung wird jäh ausgebremst. Steigende Energie- und Rohstoffpreise erhöhen die Kosten der Industrie, schüren neue Inflationssorgen und dämpfen den Konsum. Auch in der Chemie nehmen die Konjunkturbedenken wieder zu. Sowohl die Bewertung der aktuellen Geschäftslage als auch die Erwartungen für das zentrale Exportgeschäft haben sich negativ entwickelt. Als energieintensiver Sektor ist die Chemie vom Irankrieg besonders betroffen: Preissteigerungen bei Energie und Rohstoffen treiben die Kosten unmittelbar nach oben, während die Auftragsflaute anhält.

Quellen: ifo, VCI
Quellen: ifo, VCI

Durch die Blockade der Straße von Hormus und die Zerstörung der Energieinfrastruktur am Golf bestehen gravierende Risiken für die internationalen Lieferketten unserer Branche: Die Golfstaaten, ein wichtiger Exporteur von chemischen Grundstoffen, fallen als Lieferant vorerst aus. Auch andere Exporteure von chemischen Rohstoffen – besonders aus Asien – haben wegen des Irankrieges bereits Force Majeure geltend gemacht und liefern nicht. Europa bezieht aus dem Nahen Osten vor allem petrochemische Grundstoffe. Zudem besteht bei einigen Grundstoffen der Chemie eine hohe Importabhängigkeit aus der Region. Besonders angespannt ist die Situation bei Cyclohexan, Glycol, Melamin und Methanol. Die fehlenden Mengen aus den Golfstaaten können mangels Kapazitäten nur teilweise durch europäische Eigenproduktion gedeckt werden. Cyclohexan wird vor allem in der Nylonherstellung benötigt, Melamin ist ein Schlüsselvorprodukt für Klebstoffe. Glycole dienen als Lösungsmittel. Methanol ist ein essenzieller Rohstoff in zahlreichen Syntheseprozessen.

Quellen: Eurostat, VCI
Quellen: Eurostat, VCI

VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup kommentiert:

„Der Irankrieg zeigt schonungslos, wie verwundbar Europa geworden ist. Wenn als indirekte Folge zentrale Vorprodukte fehlen oder unbezahlbar werden, trifft das die deutsche Wertschöpfung mitten ins Herz. Jetzt gilt es, die Stärke unseres Produktionsstandorts voll auszuspielen und die industrielle Basis in Europa konsequent zu sichern. Das Ziel ist klar: Deutschland muss die Resilienz der Wirtschaft stärken, damit geopolitische Krisen unseren Wohlstand nicht gefährden.“

Weitere Zahlen zur Konjunktur der Branche finden Sie hier: VCI-Chemie-Barometer

Das Schlaglicht als übersichtliches PDF sowie die Ausgabe aus dem Vormonat finden Sie unten im Downloadbereich.

Der VCI ist Europas größter Verband für Chemie und Pharma. Mit seinen 22 Fach- und 7 Landesverbänden repräsentiert er die Interessen von rund 2.000 Unternehmen – vom Global Player bis zum hoch spezialisierten Mittelständler. Mit 240 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2024 und mehr als 560.000 Beschäftigten in Deutschland zählt die Branche zu den stärksten Treibern für Innovation, Wohlstand und Zukunft. Für eine starke chemisch-pharmazeutische Industrie von heute und morgen ist der VCI in Deutschland, in Europa und weltweit aktiv.

Kontakt: VCI-Pressestelle, Telefon: 069 2556-1496, E-Mail: presse@vci.de
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 Ilka Ennen

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Leiterin Pressestelle

Dipl.-Volksw. Christiane Kellermann

Dipl.-Volksw. Christiane Kellermann

Branchen und Märkte, Konjunktur