03. Juni 2026 | Position
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Bewertung: NKWS Aktionsplan Kabinettsfassung
PDF | 338 kB | Stand: 03. Juni 2026
Die Herausforderungen sind benannt, doch konkrete Maßnahmen und ein klarer Umsetzungsplan bleiben aus.
Fortschritte, aber ohne klaren Kurs
Mit dem Aktionsprogramm zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie greift die Bundesregierung zentrale Themen auf, von Innovation über Rohstoffsicherung bis zur Einbindung europäischer Initiativen. Positiv ist, dass Kreislaufwirtschaft als wirtschafts- und industriepolitisches Thema verstanden und mit Wettbewerbsfähigkeit sowie Versorgungssicherheit verknüpft wird.
Gleichzeitig bleibt das Programm deutlich hinter seinem Anspruch zurück. Statt eines klar priorisierten Maßnahmenplans dominieren Prüfaufträge, Dialogformate und allgemeine Absichtserklärungen. Es fehlt an verbindlichen Instrumenten, klaren Zuständigkeiten und einem stringenten Umsetzungsfahrplan. Damit bleibt unklar, wie Kreislaufwirtschaft in Deutschland tatsächlich skaliert werden soll.
Starker EU-Bezug, kaum nationale Impulse
Auffällig ist der starke Fokus auf europäische Vorgaben. Viele Maßnahmen zielen in erster Linie darauf ab, bestehendes EU-Recht umzusetzen oder anzupassen. Eigene, proaktive Ansätze zur Entwicklung von Märkten für Sekundärrohstoffe oder zur Beschleunigung von Investitionen bleiben hingegen die Ausnahme.
Damit wird Kreislaufwirtschaft faktisch auf die europäische Ebene verlagert. Nationale Spielräume werden kaum genutzt, etwa bei der öffentlichen Beschaffung, bei marktwirksamen Anreizen oder bei der gezielten Förderung zentraler Technologien wie chemisches Recycling oder CCU. Das bremst den Aufbau eines eigenständigen, wettbewerbsfähigen Kreislaufwirtschaftsstandorts.
Investitionen: Schritt in die richtige Richtung, aber zu klein
Die vorgesehenen Fördermittel setzen ein positives Signal für Innovationen und Pilotprojekte. Gemessen an der wirtschaftlichen Bedeutung der Kreislaufwirtschaft und den erforderlichen Transformationsinvestitionen bleibt das Volumen jedoch gering.
Angesichts eines Klima- und Transformationsfonds von insgesamt 211 Milliarden Euro wirken die vorgesehenen Mittel wenig ambitioniert. Es fehlt eine klare Priorisierung, wie Investitionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der Entwicklung über die Skalierung bis zum Markthochlauf gezielt eingesetzt werden sollen.
Keine erkennbare Gesamtstrategie
Insgesamt fehlt eine überzeugende Vision, wie Kreislaufwirtschaft in Deutschland zum Erfolgsmodell werden kann. Zentrale Handlungsfelder stehen nebeneinander, ohne strategisch miteinander verzahnt zu sein. Märkte für Rezyklate bleiben unterentwickelt, Schlüsseltechnologien sind nicht klar verankert, und auch bei der Rohstoffsicherung fehlen konkrete Hebel.
Ohne verbindliche Maßnahmen, klare Investitionssignale und eine stärkere nationale Gestaltung wird Deutschland im internationalen Wettbewerb zurückfallen. Kreislaufwirtschaft braucht mehr als Koordination und Prozesse. Sie braucht einen klaren politischen Gestaltungswillen.
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