03. Juni 2026 | Position
Der CEA muss Investitionen ermöglichen. Drei Hebel schaffen funktionierende Märkte.
Die Kreislaufwirtschaft entwickelt sich vom Nachhaltigkeitsthema zum wirtschaftlichen Erfolgsmodell. Eine BDI-Studie zeigt: Bis 2045 kann die zirkuläre Bruttowertschöpfung Deutschlands von heute 60 Mrd € auf bis zu 125 Mrd. € steigen. Gleichzeitig könnten die Kosten der Energiewende und die Emissionen deutlich sinken. Auch strategisch gewinnt das Thema an Bedeutung: Geschlossene Kreisläufe können bis zu 40 % kritischer Rohstoffimporte ersetzen und einen wichtigen Teil Versorgungssicherheit bilden. Kreislaufwirtschaft vereint damit Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz zugleich und ist längst mehr als einfach nur nice-to-have.
Circular Economy Act richtig ausgestalten
Der geplante Circular Economy Act (CEA) soll einen Binnenmarkt für Sekundärrohstoffe schaffen. Entscheidend ist, dass er den Business Case für zirkuläre Geschäftsmodelle stärkt und nicht durch zusätzliche Vorgaben ohne bessere Rahmenbedingungen das Gegenteil bewirkt. Derzeit scheitern viele Projekte nicht an der Technik, sondern an fehlender Verfügbarkeit, hohen Kosten und fragmentierten Regeln. Genau hier kann der Rechtsakt einen wichtigen Impuls setzen.
Drei Hebel für mehr Zirkularität
End-of-Waste harmonisieren
Einheitliche EU-Regeln sind Voraussetzung für einen funktionierenden Binnenmarkt. Heute verhindern unterschiedliche nationale Ansätze die grenzüberschreitende Nutzung von Sekundärrohstoffen. Harmonisierung schafft Rechtssicherheit und erleichtert Investitionen.
Zugleich muss sich die Regulierung weiterentwickeln. Statt Materialien lange im Abfallregime zu halten, sollten sie frühzeitig als Rohstoffe betrachtet werden. Konzepte wie Circular Managed Materials können dazu beitragen, potenzielle Rohstoffströme von Beginn an effizient zu nutzen.
Nachfrage stärken
Sekundärrohstoffe sind häufig teurer als Primärmaterialien. Eine gezielte Senkung der Mehrwertsteuer kann diesen Nachteil ausgleichen und die Nachfrage stabilisieren.
EPR als Lenkungsinstrument nutzen
Ein EU-weit harmonisiertes System der erweiterten Herstellerverantwortung mit ökologisch differenzierten Gebühren kann Investitionen gezielt lenken und Kreisläufe stärken, ohne zusätzliche Komplexität zu schaffen.
Fazit
Der CEA wird zum Prüfstein für die europäische Industriepolitik. Nur wenn er funktionierende Märkte ermöglicht, kann die Kreislaufwirtschaft ihr volles Potenzial entfalten als Treiber für Wachstum, Klimaschutz und industrielle Stärke.
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