29. Mai 2026 | Position
Ungewöhnlicher Prozess und offene Fragen erschweren die Umsetzung und gefährden stabile Lieferketten.
Zwischen Anspruch und Realität: ein ungewöhnlicher Prozess
Mit der Entwaldungsverordnung verfolgt die EU ein wichtiges Ziel: globale Entwaldung reduzieren und Umweltstandards stärken. Der eingeschlagene Weg wirft jedoch Fragen auf. Der politische und regulatorische Prozess verlief in Teilen unüblich: wiederholte Verschiebungen des Inkrafttretens, späte Konkretisierung zentraler Anforderungen sowie nachträgliche Anpassungen über ein „Simplification Package“ inklusive delegiertem Rechtsakt, der den Produktscope kurz vor Abschluss nochmals erweitert. Unternehmen sehen sich damit einem Regelwerk gegenüber, das weiterhin im Fluss ist – mit erheblichen Risiken für Planungssicherheit und Investitionen.
Fortschritte mit offenen Baustellen
Die jüngsten Anpassungen gehen in die richtige Richtung. Klarere Rollenverteilungen entlang der Lieferkette, eine präzisere Abgrenzung des Anwendungsbereichs und bessere Umsetzungstools können die Praktikabilität erhöhen und Bürokratie reduzieren. Gleichzeitig bleiben zentrale strukturelle Herausforderungen bestehen. Besonders kritisch ist die Geolokalisierungspflicht: In wichtigen Lieferländern sind entsprechende Daten teils nicht verfügbar oder dürfen rechtlich nicht weitergegeben werden. Für Unternehmen entsteht damit eine Situation, in der Anforderungen faktisch kaum erfüllbar sind, trotz sorgfältiger Bemühungen. Die Folge sind Rechtsunsicherheit und das Risiko von Importverboten. Hinzu kommt, dass zentrale Auslegungsfragen erneut erst nachträglich über umfangreiche Leitlinien und FAQs konkretisiert werden. Anstatt das Regelwerk im Rahmen eines „Stop-the-Clock“-Verfahrens grundlegend zu überarbeiten, erfolgt die Klärung damit schrittweise im Vollzug. Das erhöht die Komplexität zusätzlich und erschwert eine verlässliche Umsetzung in der Praxis.
Resilienz und Transformation im Blick behalten
Gerade in einem zunehmend angespannten geopolitischen Umfeld stellt sich eine grundsätzliche Frage: Sollten Lieferketten durch zusätzliche Hürden weiter eingeschränkt werden?
Europa ist auf stabile und diversifizierte Rohstoffströme angewiesen – insbesondere im Zuge der industriellen Transformation hin zu klimaneutralen und kreislauffähigen Produktionsweisen. Für die chemische Industrie gilt dies in besonderem Maße, da ein erheblicher Teil nachwachsender Rohstoffe importiert wird.
Regulatorische Ansätze, die faktisch zu Importbarrieren führen oder den Zugang zu diesen Rohstoffen erschweren, stehen damit im direkten Spannungsfeld zu zentralen Transformationszielen. Sie schwächen die industrielle Basis und verringern die Resilienz, anstatt die Transformation hin zu nachhaltigen und robusten Lieferketten gezielt zu unterstützen.
Jetzt den richtigen Rahmen setzen
Damit die EUDR ihre Ziele erreichen kann, braucht es einen verlässlichen und praktikablen Rahmen: klare und stabile Vorgaben, funktionierende Umsetzungstools sowie tragfähige Lösungen für strukturelle Herausforderungen wie die Geolokalisierung. Nur so lassen sich Umweltziele wirksam verfolgen, ohne gleichzeitig Europas Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit zu gefährden.
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