Aus dem VCI-Politikbrief

Schluss mit Schneckentempo!

16. März 2026 | Standpunkt

Deutschland braucht jetzt schnelle Reformen und ein Entlastungspaket, um die Industrie zu stärken.

Dr. Markus Steilemann, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie e.V. © Covestro AG
Dr. Markus Steilemann, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie e.V. © Covestro AG

Zweieinhalb Jahre ist es her, dass ich in einem „Brandbrief“ vor einer wirtschaftlich kritischen Schieflage und Deindustrialisierung gewarnt habe. Doch passiert ist seither viel zu wenig. Im Gegenteil – die Lage hat sich weiter verschärft. Zu lange klagen unsere vorwiegend mittelständischen Mitgliedsunternehmen nun schon über die massiven strukturellen Defizite am Standort, die zum größten Teil hausgemacht sind und sich in Verbindung mit neuen Spielregeln auf den Weltmärkten zur Dauerkrise ausgewachsen haben. Angesichts von drastisch sinkenden Produktionskapazitäten, Werkschließungen und Arbeitsplatzverlusten muss 2026 nun endlich der Befreiungsschlag in Richtung Wettbewerbsfähigkeit kommen – auf Bundes- und EU-Ebene.

Politikstil rigoros ändern

Wir verharren in quälenden Warteschleifen, wo es doch dringend eine Kernsanierung braucht: schnelle und tiefgreifende strukturelle Reformen, um an erfolgreiche Zeiten anzuknüpfen und Deutschland und Europa zukunftsfest zu machen. Ich rufe deshalb alle politisch Verantwortlichen zu einem rigoros neuen Politikstil auf, der den Unternehmen wieder Luft zum Atmen verschafft und das Vertrauen in den Standort stärkt. Da die Zeit stark drängt, müssen Berlin und Brüssel zudem sehr schnell ein sofort wirksames Entlastungspaket schnüren und eine Pause bei neuen Auflagen einlegen.

Ausbessern reicht nicht mehr

Zugegeben: Auch in der Wirtschaft wurden in der Vergangenheit nicht immer nur die richtigen Annahmen und Entscheidungen getroffen. Manche Wette auf die Zukunft ging verloren. Das ist Teil der DNA von Unternehmen. Aber sie passen ihre Strategien an. In vielen Firmen bleibt kein Stein auf dem anderen. Alle kämpfen darum, Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten oder zurückzugewinnen.

Dabei brauchen die Unternehmen verlässliche Rückendeckung aus Berlin und Brüssel. Nur so kommen wir alle zusammen zurück auf den Wachstumspfad – als Motor für dauerhafte Wertschöpfung, Wohlstand, Nachhaltigkeit und Sicherheit. Wer die Welt in diesen turbulenten Zeiten politisch und ökonomisch mitgestalten will, muss handeln und auch bei Gegenwehr das Richtige tun. Alles andere ist grob fahrlässig und verantwortungslos.

Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie ist bereit, diesen Weg auch gegen Widerstände mitzugehen.

Dr. Markus Steilemann
VCI-Präsident

Dieser Beitrag ist Teil des VCI-Politikbriefs „Schluss mit Schneckentempo!“ (März 2026).

Kontakt

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

 Jenni Glaser

Jenni Glaser

Abteilungsleitung Politische Kommunikation