Netzentgeltreform

Praxistauglichkeit erfolgsentscheidend

18. September 2026 | Pressemitteilung

Die Reform muss in der Praxis funktionieren und Investitionen am Industriestandort ermöglichen.

  • Chemie fordert praxistaugliche Regeln für Verbundstandorte, industrielle Eigenstromversorgung und den Übergang in ein flexibleres Stromsystem
  • Wettbewerbsfähige Netzentgelte sind Voraussetzung für Investitionen: in Transformation, Klimaschutz und den Industriestandort

Die Bundesnetzagentur steht vor dem Abschluss einer der wichtigsten energiepolitischen Reformen für den Industriestandort. Mit dem heutigen Ende der Konsultation zur Allgemeinen Netzentgeltsystematik (AgNes) tritt das Verfahren nun in seine entscheidende Phase. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) begrüßt, dass die Bundesnetzagentur wichtige Hinweise aus Industrie und Verbänden aufgegriffen hat – besonders beim Verzicht auf dynamische Netzentgelte für Stromverbraucher und bei Vertrauensschutzregelungen. Aus VCI-Sicht muss die Reform aber noch stärker an den praktischen Anforderungen industrieller Standorte ausgerichtet werden, damit aus dem Ziel größerer Flexibilität keine zusätzlichen Standortnachteile entstehen.

Matthias Belitz, Leiter des Bereichs Nachhaltigkeit, Energie und Klimaschutz im VCI, sagt: „Die Bundesnetzagentur hat einige Anliegen der Industrie aufgegriffen. Jetzt muss sichergestellt werden, dass die Reform auch in der Praxis funktioniert. Bei der Berücksichtigung der Besonderheiten von Industrienetzen und Chemiestandorten gibt es noch Nachholbedarf. Wer mehr Flexibilität fordert, muss den Unternehmen auch die Zeit und die Rahmenbedingungen geben, sie wirtschaftlich umzusetzen.“

Flexibilität von Chemieparks besser nutzbar machen

Viele Chemieunternehmen produzieren in komplexen Verbundstandorten mit zahlreichen Anlagen, Energieerzeugern. Diese Komplexität ist bisher nicht ausreichend abgebildet. VCI-Experte Belitz: „Flexibilität entsteht in Chemieparks oft erst im Zusammenspiel vieler Anlagen. Wenn diese regulatorisch getrennt betrachtet werden, bleiben wichtige Potenziale ungenutzt.“

Industrielle Eigenversorgung berücksichtigen

Kritisch sieht der VCI auch die zunehmende Benachteiligung industrieller Eigen- und Standorterzeugung in der Netzentgeltsystematik. Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und andere Kraftwerke an Industriestandorten stabilisieren die Stromversorgung und entlasten die Netze. Belitz erläutert: „Wer netzdienliche Eigenversorgung stärkt, senkt Kosten und erhöht die Versorgungssicherheit für alle Stromverbraucher. Diese Leistung muss sich auch in der Netzentgeltsystematik widerspiegeln.“

Mehr Planungssicherheit schaffen

Zudem fordert der Verband mehr Transparenz über die tatsächlichen Kostenwirkungen der Reform und längere Übergangsfristen. Matthias Belitz betont: „Die AgNes-Reform enthält noch zu viele Unbekannte, um die zukünftigen Kosten belastbar abschätzen zu können. Hier braucht es schnelle Aufklärung.“

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 Jürgen Udwari

Jürgen Udwari

Pressesprecher Energie, Klimaschutz und Rohstoffe, Kreislaufwirtschaft