Mittelstandstag | Risk Ready – Sicher durch unsichere Zeiten

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Mittelstandstag | Risk Ready – Sicher durch unsichere Zeiten | VCI
Datum
10.06.2026
14:00 Uhr 17:00 Uhr
Ort
Digital
Veranstalter
VCI in Kooperation mit Deloitte
Kontaktperson

Felix Lesche

Zirkuläre Wirtschaft, Kampagnen

E-Mail: lesche@vci.de

Mittelstandstag 2026: Risiken früh erkennen, handlungsfähig bleiben

Wie können mittelständische Unternehmen Risiken frühzeitig erkennen, Krisen wirksam steuern und ihre Handlungsfähigkeit sichern? Diese Fragen standen im Zentrum des digitalen Mittelstandstags des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) in Kooperation mit Deloitte unter dem Titel „Risk Ready – Sicher durch unsichere Zeiten“. Die Teilnehmenden erhielten praxisnahe Einblicke in Krisenprävention, Finanzierung, Haftungsfragen und Risikomanagement im Unternehmensalltag.

Hier entlang geht’s zum Programm des Mittelstandstags 2026

Krisen entstehen selten plötzlich

Zum Auftakt machte Prof. Dr. Henning Werner (Rektor der EBS Universität, Leiter des IfUS-Instituts für Unternehmenssanierung) in seinem Impuls „Unternehmenssicherung in schwierigen Zeiten“ deutlich: Unternehmenskrisen entwickeln sich in der Regel über lange Zeiträume. Sie eskalieren nicht abrupt, sondern werden zu spät erkannt.

Er beschrieb die aktuelle Herausforderung als „duale Transformation“: Unternehmen müssten ihr bestehendes Kerngeschäft gleichzeitig stabilisieren und weiterentwickeln. Einerseits gehe es darum, Kosten zu reduzieren, Effizienz zu steigern und Prozesse zu optimieren, andererseits müssten auch neue Geschäftsmodelle und Wachstumsfelder erschlossen und Innovation vorangetrieben werden.

Krisen sollten daher ganzheitlich bewältigt werden, um so eine strategische Neuausrichtung mit einer finanz- sowie leistungswirtschaftlichen Sanierung zu verbinden. In der anschließenden Diskussion wurde hervorgehoben, dass mittelständische Unternehmen in Krisen über strukturelle Stärken verfügen – insbesondere kurze Entscheidungswege und hohe Anpassungsfähigkeit.

Hier finden Sie die Vortragsfolien von Dr. Henning Werner PDF | 1 MB | Stand: 10. Juni 2026

Finanzierung wird zur strategischen Frage

Im zweiten Themenblock beleuchtete Björn Hofmann (Managing Partner bei Herter & Co.) unter dem Titel „Liquidität sichern, Spielräume schaffen“ die Finanzierungssituation in Krisenzeiten. Er machte deutlich, dass sich die Krise der Chemieindustrie mittelfristig zu einer Finanzierungsfrage entwickelt. Auch wenn Finanzierung vielerorts noch nicht im Zentrum stehe, verschärften sich die Rahmenbedingungen spürbar. Operative Schwächen wirkten zeitversetzt auf Bonität, Covenants und Finanzierungsmöglichkeiten. Negative Rating-Outlooks sowie längere Refinanzierungsprozesse zeigten eine zunehmende Zurückhaltung der Kapitalgeber.

Entscheidend seien daher frühes Gegensteuern, transparente Kommunikation sowie belastbare Liquiditäts- und Mittelfristplanungen. Nur so sei eine stabile Finanzierung möglich. Ergänzend sollten Unternehmen ihre Finanzierungsspielräume durch alternative Kapitalgeber und zusätzliche Instrumente erweitern. In der Diskussion ging es zudem um ungenutzte Liquiditätsreserven, die veränderte Verhandlungsposition gegenüber Kapitalgebern sowie die Anforderungen an belastbare Planungsmodelle.

Haftungsrisiken entstehen früh

Anschließend beleuchtete Michael von Rüden (Co-Lead M&A Law bei Deloitte Legal) unter dem Titel „Haftung im Blick: Verantwortung in der Unternehmenskrise“ die rechtlichen Rahmenbedingungen in Krisensituationen.

Er stellte klar: Insolvenzen entwickeln sich in der Regel über längere Zeiträume –und Haftungsrisiken für Geschäftsleitungen entstehen deutlich vor einer möglichen Insolvenz. Entscheidend sei deshalb, Krisen früh zu erkennen und laufend Risikomonitoring zu betreiben. Dabei gälte es, nicht nur interne Entwicklungen zu beobachten, sondern auch Risiken im Marktumfeld sowie bei Kundinnen und Lieferanten einzubeziehen.

Um handlungsfähig zu bleiben, sei eine belastbare Liquiditätsplanung entscheidend, hob von Rüden hervor. Geschäftsleitungen müssen jederzeit auskunftsfähig sein und wesentliche Entscheidungen sowie deren Grundlagen sorgfältig dokumentieren. Auch Auswirkungen von Krisen bei Geschäftspartnern wurden diskutiert. Hier ist es ratsam, Verträge und Allgemeine Geschäftsbedingungen regelmäßig zu überprüfen und Krisenszenarien systematisch mitzudenken.

Ebenfalls diskutiert wurden insolvenzrechtliche Abgrenzungen, insbesondere zwischen drohender Zahlungsunfähigkeit, Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Entscheidend seien belastbare Fortführungsprognosen, realistische Annahmen und die frühzeitige Einbindung externer Expertise.

Hier finden Sie die Vortragsfolien von Dr. Michael von RüdenPDF | 2 MB | Stand: 10. Juni 2026

Risikomanagement als Steuerungsinstrument

Den Abschluss bildete der Beitrag von Frederik Spiekermann (CPO bei Borouge International) unter dem Titel „Risiken managen statt reagieren: Praxisstrategien für den Mittelstand“. Im Mittelpunkt stand dabei, warum Risikomanagement eine integrale Aufgabe der Unternehmensleitung ist und welche Risiken derzeit besonders relevant sind.

Der Einkauf spielt hier eine zentrale Rolle als strategischer Werttreiber. Wenn der Wettbewerbsdruck steige, könne er Ertragskraft und Resilienz entscheidend steigern, führte Spiekermann aus. Krisen seien dabei nicht nur Risiko, sondern auch Anlass, bestehende Strukturen kritisch zu überprüfen und robuster aufzustellen.

Diskutiert wurde insbesondere, wie Unternehmen Abhängigkeiten von einzelnen Materialien und Lieferanten reduzieren und ihre Beschaffungsmärkte breiter diversifizieren können. Internationale Beschaffungsstrategien wurden dabei ebenso genannt wie eine stärkere Streuung der Lieferantenbasis. Wichtig sei, dass höhere Resilienz nicht zwangsläufig mit höheren Kosten einhergehen müsse. Zudem profitierten mittelständische Unternehmen von kurzen Wegen und der engen Verzahnung von Einkauf sowie Forschung und Entwicklung.

Hier finden Sie die Vortragsfolien von Frederik SpiekermannPDF | 1 MB | Stand: 10. Juni 2026

Fazit

Ein zentrales Fazit der Veranstaltung lautet: Risiken lassen sich nicht vollständig vermeiden. Entscheidend ist, sie frühzeitig zu erkennen, strukturiert zu bewerten und konsequent zu handeln. One-size-fits-all-Lösungen gibt es nicht; gefragt sind individuelle, situationsbezogene Ansätze.

Der Mittelstandstag zeigte erneut, wie wertvoll der Austausch von Erfahrungen und Best Practices für die chemisch-pharmazeutische Industrie ist. Der VCI wird diesen Dialog auch künftig aktiv begleiten.

VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup betonte zum Abschluss zudem die Bedeutung der politischen Rahmenbedingungen: Alles gute Risikomanagement greife zu kurz, wenn die Standortbedingungen nicht stimmen. Der Mittelstand habe bewiesen, dass er Krisen nicht nur aushält, sondern aktiv managt – seine Stärke entfalte sich jedoch nur unter wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen. Gefordert seien keine kosmetischen Korrekturen, sondern entschlossenes Handeln für einen starken Wirtschaftsstandort Deutschland.