27. Mai 2026 | Pressemitteilung
Die Reform der Stromnetzentgelte muss planbar bleiben und darf die Industrie nicht zusätzlich belasten.
- Netzentgelte sind wichtiger Block bei Stromkosten der Industrie
- Reformprozess braucht jetzt breite Datenbasis
Die Bundesnetzagentur hat heute einen Zwischenstand zur Reform der Stromnetzentgelte mit ersten Analysen vorgelegt. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) erkennt Fortschritte im Verfahren an, macht aber klar: In zentralen Punkten besteht weiterhin Nachbesserungs- und Klarstellungsbedarf. Entscheidend wird sein, dass die Reform handhabbar bleibt und die Unternehmen nicht zusätzlich belastet.
VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup erläutert: „Es ist gut, dass die Bundesnetzagentur auf die Industrie zugeht und Verbesserungsvorschläge aufnimmt. Am Ende muss die Rechnung aber auch aufgehen. Netzentgelte sind ein zentraler Kostenfaktor. Wenn die Reform zu noch höheren Belastungen führt, verfehlt sie ihr Ziel. Entscheidungen müssen deshalb auf Grundlage einer breiten und transparenten Datenbasis getroffen werden.“
Allgemeine Netzentgelte: Klarheit und Planbarkeit schaffen
Wichtige Elemente der neuen Netzentgelte sind noch unklar. Ohne diese Planungssicherheit werden Investitionen erschwert oder verschoben, befürchtet der VCI. Große Entrup: „Gut ist zwar, dass die Bundesnetzagentur erste Schritte beim Bestandsschutz geht – etwa für Elektrolyseure. Dass hier die neuen Regeln nicht vorzeitig eingeführt werden sollen, schafft Vertrauen. Alle Unternehmen brauchen jetzt aber schnellstmöglich belastbare Zahlen. Gerade bei komplexen Elementen wie dynamischen Netzentgelten oder der künftigen Kostenverteilung im Netz kann es zu erheblichen Verschiebungen kommen.“
Industrienetzentgelte: Flexibilität realistisch ausgestalten
Der VCI unterstützt grundsätzlich das Ziel, mehr Flexibilität im Stromsystem zu schaffen. Große Entrup warnt jedoch vor Vorgaben, die an der industriellen Realität vorbeigehen. „Flexibilität klingt gut – ist in der Praxis von vernetzten Standorten aber kein Selbstläufer“, so Große Entrup. „Unsere Produktionsprozesse laufen hochkomplex und oft rund um die Uhr. Viele Anlagen lassen sich nicht einfach hoch- und runterfahren. Wer hier zu viel verlangt, gefährdet Produktion und Wertschöpfung. Der viel größere Hebel liegt ohnehin darin, die stark schwankende Stromerzeugung besser zu kanalisieren.“
Übergangsfristen verlängern
Kritisch sieht der VCI im Kontext des neuen Industrienetzentgelts auch die vorgesehenen Übergangsregelungen für die sogenannte Bandlastregelung, die die gleichmäßige Abnahme hoher Strommengen fördert. „Die geplante Übergangsfrist bis Ende 2031 ist deutlich zu kurz. Unternehmen brauchen ausreichend Zeit, um ihre Prozesse anzupassen und notwendige Investitionen zu tätigen“, so Große Entrup. Der Verband spricht sich daher für einen Übergangszeitraum von mindestens zehn Jahren aus.
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