Interviw mit Ursula Kirchner

Energie für Hessens Industrie

16. Dezember 2025 | Bericht

Energiepolitik 2025 im Rückblick: Ursula Kirchner über Fortschritte, Herausforderungen und die Ziele der hessischen Chemieindustrie für 2026.

Entlastungen sind an verschiedenen Stellen notwendig, etwa durch niedrigere Strom- und Energiesteuern für energieintensive Unternehmen. © no_limit_pictures/iStock.com
Entlastungen sind an verschiedenen Stellen notwendig, etwa durch niedrigere Strom- und Energiesteuern für energieintensive Unternehmen. © no_limit_pictures/iStock.com

Energiepolitik zwischen Frust und Fortschritt: Ursula Kirchner, Referentin für Energiepolitik beim VCI Hessen, spricht im Interview über erste Entlastungen für die hessische Chemieindustrie, offene Herausforderungen bei Energiepreisen und Bürokratie sowie die Ziele für 2026.

Liebe Ursula Kirchner, Hand aufs Herz: War 2025 energiepolitisch eher Frust oder Fortschritt?

Beides – aber mit wichtigen ersten Schritten. Die Chemieindustrie steckt in einer Krise, und wettbewerbsfähige Energiepreise sind ein zentraler Hebel, um die Branche wieder Wettbewerbsfähigkeit zu machen.

Die Abschaffung der Gasspeicherumlage war ein deutliches Signal. Unsere energieintensiven Unternehmen spüren die Entlastung sofort und die Entscheidung zeigt, dass Politik bereit ist, Entscheidungen zu korrigieren, wenn sie nicht mehr in die aktuelle Zeit passen. Auch der Industriestrompreis ist ein wichtiger Schritt – auch wenn noch viele Fragen zur konkreten Ausgestaltung offen sind.

Dennoch bleibt die energiepolitische Lage angespannt. Wir fordern weiterhin schnelle, wirksame Maßnahmen für bezahlbare Energie und Planungssicherheit sowie konkret eine verlässliche Ausgestaltung des Industriestrompreises und eine langfristige Perspektive für energieintensive Branchen.

Was muss angepackt werden, um das zu erreichen?

Es braucht Entlastungen an mehreren Stellen: Dazu zählen unter anderem weniger Strom- und Energiesteuern für energieintensive Betriebe, keine zusätzlichen Belastungen wie die Gasspeicherumlage und Investitionssignale beim CCS, die Investitionen ermöglichen statt ausbremsen. Zusätzlich muss der Ausbau der Energieinfrastruktur – insbesondere Netze und Speicher – beschleunigt werden, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Um alle verfügbaren Optionen zu nutzen, sind klare Rahmenbedingungen wichtig, die den Import von Wasserstoff ermöglichen und technologieoffene Ansätze fördern.

Aktuell laufen auf Bundesebene die Gespräche zur Chemieagenda2045. Welche Ziele sind aus hessischer Perspektive wichtig?

Das langfristige Ziel ist klar: Klimaneutralität ja – aber unter Bedingungen, die eine erfolgreiche Industrie in Hessen möglich machen. Über den Bundesrat setzen wir uns für Rahmenbedingungen ein, die eine Transformation der Branche, planbar machen und den Standort stärken. Unsere Unternehmen brauchen langfristige Investitionssignale.

Neben der Energie, wo hakt es aus Sicht der Industrie noch am meisten?

Bei Bürokratie und Planungssicherheit. Energiepreise sind das eine, Genehmigungen und Auflagen das andere. Deshalb erarbeiten wir gerade unser Positionspapier „Bürokratieabbau in Hessen“. Ziel ist es, unnötige Umweltauflagen und überflüssige Pflichten abzubauen – und Genehmigungen schneller zu machen. Unsere Mitglieder sind ausdrücklich eingeladen, konkrete Beispiele einzubringen.

Worauf kommt es 2026 besonders an?

Auf Schnelligkeit und Verlässlichkeit. Energiepreise, Regulierung, Investitionsbedingungen entscheiden darüber, ob Unternehmen am Standort investieren oder im Ausland. Wir werden uns 2026 weiter mit aller Kraft auf der Landesebene und über den Bundesrat auch auf Bundesebene für wettbewerbsfähige Energiepreise, technologieoffene Wasserstoffstrategien und weniger Bürokratie einsetzen.

Kontakt

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Syndikusrechtsanwältin Ursula Kirchner

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Energiepolitik