16. Dezember 2025 | Bericht
Anne Meister im Interview: Wie Umweltpolitik, Digitalisierung und der Responsible-Care-Wettbewerb Hessen als Industrie-Standort voranbringen.
Umweltpolitik trifft Standortstärkung: Anne Meister, Referentin für Umweltpolitik beim VCI Hessen, erklärt im Interview, wie der Umweltausschuss den Austausch zwischen Industrie und Politik fördert, welche Unternehmen im Responsible-Care-Wettbewerb 2026 als #Standortmacher überzeugen sollen und wie Bürokratieabbau sowie Digitalisierung Hessen fit für die Zukunft machen.
Liebe Anne Meister, über welche Plattform gelingt der Austausch zum Thema Umwelt?
Der Umweltausschuss ist unsere zentrale Plattform, um industrielle Themen zu platzieren, Meinungen zu bündeln und mit der Landesregierung, den Fachpolitikern, dem Bund, Brüssel sowie Fachverbänden abzustimmen. Unternehmen, die hier mitmachen, können direkt Einfluss nehmen und wissen als erstes, welche Änderungen auf sie zukommen. Außerdem stärkt der Austausch im Umweltausschuss die Vernetzung innerhalb der Branche.
Wie verbinden Sie Umweltpolitik mit Standortstärkung?
Gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, positive Signale zu setzen. Mit unserem Responsible-Care-Wettbewerb 2026 suchen wir #Standortmacher, also Unternehmen, die zum Beispiel durch Energieeffizienz, Mitarbeiterengagement oder neue Geschäftsmodelle Wege gefunden haben, ihren Standort zu stärken. Ziel des Wettbewerbs ist es, Umwelt- und Nachhaltigkeitsinitiativen sichtbar zu machen, die zur Stabilität und Zukunftsfähigkeit der Betriebe beitragen. Der Wettbewerb startet im Januar 2026. Wir sind gespannt welche Projekte eingereicht werden.
Neben Umweltpolitik ist auch Bürokratie ein Schwerpunktthema von Ihnen. Wie gehen Sie das Thema an?
Wir möchten gerne von guter Bürokratie sprechen: Gesetze und Verwaltungsvorschriften schaffen einen Rahmen, in dem Unternehmen zuverlässig und nachhaltig wirtschaften können. Problematisch wird es, wenn Vorschriften Umwelt und Industrie gleichermaßen keinen Mehrwert bringen oder unnötig komplex sind. Dann blockieren sie die Unternehmen und verlangsamen Prozesse – besonders, wenn die Digitalisierung fehlt. Hier setzen wir an: Wir liefern Ideen für Verschlankungen und unterstützen Initiativen wie das Hessische Entbürokratisierungsgesetz.
Welche großen Umweltprojekte stehen 2026 in Hessen an?
Das hessische Umweltweltministerium plant eine Grundreform des Hessischen Naturschutzgesetzes und die Neuaufsetzung der Versickerungsverordnung. Die konkrete Ausgestaltung werden wir eng begleiten. Außerdem werden wir die Chemieagenda in Hessen bewerben, weitere Vorschläge für das nächste hessische Entbürokratisierungsgesetz liefern sowie die Umsetzung des Umwelt-Omnibus und der EU-Industrieemissionsrichtlinie (IED) auf Landesebene unterstützen. Das mag kleinschrittig klingen, ist aber zentral, um Umweltpolitik als wesentlicher Bestandteil von Industrie- und Wirtschaftspolitik mitzugestalten.
Wo sehen Sie noch Nachholbedarf für 2026?
Digitalisierung und Geschwindigkeit sind entscheidende Stichworte. Viele Umweltprozesse sind noch zu behäbig, Genehmigungen dauern zu lange, und Meldungen laufen teilweise noch analog. Wir brauchen digitale, effiziente Abläufe sowie klare, nachvollziehbare Gesetzgebung, damit die Unternehmen handeln können. Gleichzeitig gilt: Wir wollen nicht Standards senken, sondern unnötige Hindernisse abbauen.
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