Mitgliederbefragung

Chemie- und Pharmaindustrie in Hessen: Unternehmen verlieren die Geduld mit dem Standort

16. Juli 2026 | Pressemitteilung

Die aktuelle Mitgliederumfrage des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) zeichnet ein alarmierendes Bild der Stimmungslage in der chemisch-pharmazeutischen Industrie.

Hohe Kosten, zunehmende Regulierung, geopolitische Unsicherheiten und ausbleibende Reformen setzen die Unternehmen weiterhin massiv unter Druck. Besonders kritisch beurteilen die Unternehmen die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland sowie die politischen Rahmenbedingungen.

Bürokratie und Regulierung bleiben mit Abstand die größten Belastungsfaktoren. Hinzu kommen hohe Rohstoff-, Arbeits- und Energiekosten, steigende Steuer- und Abgabenlasten sowie langwierige Genehmigungsprozesse. Der Konflikt im Nahen Osten hat die Situation zusätzlich verschärft: Rohstoffe, Vorprodukte und Logistikleistungen haben sich spürbar verteuert, Lieferkettenprobleme und Handelskonflikte nehmen wieder zu.

Besonders besorgniserregend sind die langfristigen Auswirkungen auf Investitionen und Innovationen. Während viele Unternehmen für ihre internationalen Märkte weiterhin Wachstumspotenziale sehen, bleibt der Ausblick für das Deutschlandgeschäft verhalten. Gleichzeitig sinkt die Bereitschaft, neue Investitionen am Standort Deutschland vorzunehmen. Auch Forschung und Entwicklung werden zunehmend international ausgerichtet. Hauptgründe sind hohe Standortkosten, regulatorische Belastungen, die Energie- und Klimapolitik sowie mangelnde Planungssicherheit.

Für Hessen zeigt sich ein differenziertes Bild

Die hessischen Unternehmen bewerten ihre eigene Geschäftsentwicklung insgesamt etwas positiver als die Branche bundesweit. So erwarten 54 Prozent der befragten Unternehmen steigende Umsätze im Jahr 2026, während lediglich 25 Prozent mit Umsatzrückgängen rechnen. Auch bei der Ertragsentwicklung halten sich positive und negative Erwartungen mit jeweils 40 Prozent die Waage. Gleichzeitig zeigt die Umfrage eine ausgeprägte Investitionszurückhaltung: Nur rund vier Prozent der Unternehmen planen steigende Investitionen in Deutschland, während mehr als ein Drittel mit rückläufigen Investitionen rechnet.

Positiv hervorzuheben ist die weiterhin hohe Innovationskraft des Standorts. Mehr als 80 Pro-zent der befragten hessischen Unternehmen betreiben Forschung und Entwicklung in Deutschland. Dies unterstreicht die besondere Bedeutung Hessens als Chemie-, Pharma- und Innovationsstandort. Gleichzeitig geben jedoch bereits 36 Prozent der Unternehmen an, Forschung und Entwicklung ganz oder teilweise ins Ausland zu verlagern.

Dr. Joachim Kreysing, Vorstandsvorsitzender des VCI Hessen erklärt: „Die Ergebnisse zeigen, dass die Zeit drängt. Die Unternehmen investieren weiterhin in Hessen und Deutschland, sie tun dies jedoch zunehmend unter Vorbehalt. Investitionen, Innovationen und Forschung folgen langfristig den besten Rahmenbedingungen. Deshalb brauchen wir jetzt konsequente Fort-schritte bei Energiepreisen, Regulierung, Steuerbelastung und Wettbewerbsfähigkeit. Andernfalls drohen Wertschöpfung, Forschungskapazitäten und qualifizierte Industriearbeitsplätze schrittweise ins Ausland abzuwandern.“

Sula Lockl, Geschäftsführerin des VCI Hessen, ergänzt: „Die Unternehmen in Hessen verfügen weiterhin über eine starke industrielle und innovative Basis. Gleichzeitig verschlechtern sich die Rahmenbedingungen so deutlich, dass immer mehr Investitions- und Standortentscheidungen auf den Prüfstand gestellt werden. Besonders belastend sind Bürokratie, hohe Kosten und fehlende Planungssicherheit.“

Positiv wird seitens des VCI Hessen bewertet, dass in Hessen bereits gemeinsam mit der Landesregierung an konkreten Verbesserungen gearbeitet werde. Mit dem Industriepaket Hessen sei ein wichtiger Prozess angestoßen, der die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts stärken solle. Auch die Bemühungen um Bürokratieabbau, effizientere Genehmigungsverfahren und bessere Rahmenbedingungen für industrielle Investitionen gingen in die richtige Richtung.

Die wichtigsten Umfrage-Ergebnisse für Hessen auf einen Blick

  • 85 Prozent der hessischen Unternehmen sehen Bürokratie und Regulierung als schwere oder sehr schwere Belastung.
  • 65 Prozent leiden unter hohen Rohstoffkosten, 65 Prozent unter Handelskonflikten und geopolitischen Risiken.
  • 54 Prozent erwarten 2026 steigende Umsätze, aber nur 4 Prozent planen steigende Inves-titionen in Deutschland.
  • 81 Prozent betreiben Forschung und Entwicklung in Deutschland.
  • 92 Prozent sind der Auffassung, dass die Risiken einer Deindustrialisierung von Bundes-regierung und EU-Kommission nicht ausreichend ernst genommen werden.
  • 81 Prozent bewerten die Politik der EU-Kommission mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“.

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 Johanna Pöhland

Johanna Pöhland

Kommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit