MINT

Erfinderlabor bringt Forschung auf Augenhöhe

25. August 2026 | Bericht

Hessische MINT-Talente forschen an der Medizin von morgen – der VCI Hessen unterstützt das Erfinderlabor seit zwei Jahrzehnten.

Heike Blaum, Bildungspolitik VCI Hessen, begrüßt die Teilnehmenden der Abschlussveranstaltung des 41. Erfinderlabors. © Zentrum für Chemie
Heike Blaum, Bildungspolitik VCI Hessen, begrüßt die Teilnehmenden der Abschlussveranstaltung des 41. Erfinderlabors. © Zentrum für Chemie

Was können Viren im Kampf gegen gefährliche Bakterien leisten? Wie lassen sich Tumorzellen gezielt angreifen? Und wie können Wirkstoffe genau dorthin gelangen, wo sie gebraucht werden? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigten sich 16 besonders leistungsstarke hessische Oberstufenschülerinnen und -schüler beim 41. Erfinderlabor des Zentrums für Chemie (ZFC). Eine Woche lang forschten sie an der Philipps-Universität Marburg in aktuellen Themenfeldern der Biotechnologie und Arzneimittelentwicklung – mit professioneller Laborausstattung, wissenschaftlichen Methoden und vor allem mit viel Eigenständigkeit.

Der VCI Hessen begleitet und fördert das Erfinderlabor seit zwei Jahrzehnten. Denn für die chemisch-pharmazeutische Industrie ist die Förderung naturwissenschaftlich interessierter und leistungsstarker junger Menschen eine Investition in die Zukunft: in Fachkräfte, in Innovation und in die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Hessen.

Forschung erleben statt nur darüber lesen

Für die 16 Jugendlichen war das Erfinderlabor weit mehr als ein anspruchsvoller Schulversuch. In den Forschungsgruppen der Philipps-Universität Marburg arbeiteten sie an realen wissenschaftlichen Fragestellungen und lernten, wie Forschung tatsächlich funktioniert: Hypothesen entwickeln, Experimente planen, Ergebnisse auswerten, unerwartete Ergebnisse aushalten – und daraus neue Fragen entwickeln. Zum Einsatz kamen unter anderem Chromatografie, Massenspektrometrie, Rasterelektronenmikroskopie sowie Zellkultur- und Fluoreszenzverfahren. Begleitet von wissenschaftlichen Mitarbeitenden erhielten die Schülerinnen und Schüler damit einen authentischen Einblick in moderne Life-Science-Forschung.

Genau diese Verbindung von Theorie und praktischer Erfahrung macht das Erfinderlabor aus Sicht des VCI Hessen so wertvoll. Junge Menschen bekommen die Gelegenheit, ihre naturwissenschaftlichen Fähigkeiten nicht nur unter Beweis zu stellen, sondern herauszufinden, wie sich Wissenschaft anfühlt, wenn die Lösung nicht bereits im Schulbuch steht. Eine Teilnehmerin fasste ihre Erfahrung mit einem Wort zusammen: „Eigenständigkeit.“ Ein anderer Schüler erinnerte sich besonders an den Moment, in dem eine Synthese erstmals funktionierte und das eigene Produkt tatsächlich vor ihm lag.

Von der Forschung in die berufliche Zukunft

Zum Erfinderlabor gehört auch der Blick über das Experiment hinaus. Die Jugendlichen lernen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen kennen und erhalten Einblicke in unterschiedliche Studien- und Berufswege.

Bei einer Werksführung am Aenova-Standort Marburg konnten sie die industrielle Arzneimittelherstellung kennenlernen. Am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie erhielten sie Einblicke in wissenschaftliche Arbeitsweisen und akademische Karrierewege. Gespräche mit Forschenden und Studierenden zeigten zudem, wie vielfältig naturwissenschaftliche Laufbahnen sein können.

Für den VCI Hessen ist diese Berufsorientierung ein wichtiger Bestandteil der Nachwuchsförderung. Die chemisch-pharmazeutische Industrie braucht junge Menschen, die sich für Naturwissenschaften begeistern, wissenschaftliche Zusammenhänge verstehen und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

„Dafür braucht es kluge Köpfe“

Wie eng Forschung, Innovation und wirtschaftliche Entwicklung miteinander verbunden sind, wurde auch bei der Abschlussveranstaltung in der Alten Aula der Philipps-Universität Marburg deutlich. Vor rund 170 Gästen aus Wissenschaft, Politik, Schule und Wirtschaft präsentierten die Jugendlichen ihre Ergebnisse.

Heike Blaum vom VCI Hessen betonte dabei die besondere Bedeutung des Forschungsstandorts Marburg. Die Stadt sei seit Langem durch Wissenschaft und pharmazeutische Entwicklung geprägt und zugleich mit neuen Herausforderungen konfrontiert. „Dafür braucht es kluge Köpfe“, sagte Blaum – Menschen, die mitgestalten, Verantwortung übernehmen und gemeinsam Lösungen entwickeln.

Dass die Jugendlichen dazu bereits einen wichtigen Beitrag leisten können, zeigten ihre Präsentationen eindrucksvoll. Trotz hochkomplexer wissenschaftlicher Inhalte gelang es ihnen, ihre Forschung verständlich und anschaulich zu erklären. Gerade diese Fähigkeit zur Wissenschaftskommunikation ist angesichts von Fake News und einer immer komplexer werdenden Informationswelt von großer Bedeutung.

MINT-Wissen als Orientierung in einer komplexen Welt

Für den ZFC ist deshalb ein Ziel des Erfinderlabors besonders wichtig: Naturwissenschaftliches Wissen soll junge Menschen dazu befähigen, Informationen kritisch zu hinterfragen und wissenschaftlich einzuordnen.

Das zeigte sich auch in der Abschlussveranstaltung. Die Jugendlichen erklärten beispielsweise die Bedeutung von PIM-1-Mutationen, Phagen oder Stammzellforschung nicht nur fachlich korrekt, sondern stellten immer wieder Bezüge zum Alltag her. Auch komplexe Themen wie Wasserstofftechnologien oder mRNA-Impfstoffe wurden zum Anlass genommen, darüber zu sprechen, wie wissenschaftliche Aussagen bewertet werden können. Damit geht das Erfinderlabor über klassische Nachwuchsförderung hinaus. Es stärkt wissenschaftliches Denken – eine Fähigkeit, die für Gesellschaft, Wirtschaft und Demokratie gleichermaßen wichtig ist.

Eine langjährige Partnerschaft für den MINT-Nachwuchs

Das 41. Erfinderlabor zeigt erneut, was möglich ist, wenn Schulen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen, Verbände und weitere Partner eng zusammenarbeiten.

Für den Verband ist das Engagement Teil einer langfristigen Strategie: Begeisterung für Naturwissenschaften wecken, Talente fördern, berufliche Perspektiven aufzeigen und jungen Menschen unmittelbare Erfahrungen mit Forschung und Industrie ermöglichen.

Insgesamt hatten sich für die beiden Erfinderlabore des Zentrums für Chemie (ZFC) im Jahr 2026 196 leistungsstarke Oberstufenschülerinnen und -schüler aus 115 hessischen Schulen beworben.

Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler haben eine Woche lang geforscht, experimentiert, diskutiert und präsentiert. Vor allem aber haben sie erlebt, dass Wissenschaft nicht nur aus fertigen Antworten besteh, sondern aus Neugier, eigenen Fragen, Ausprobieren und der Bereitschaft, aus unerwarteten Ergebnissen etwas Neues zu lernen.

Der VCI Hessen wird das Erfinderlabor deshalb auch zukünftig unterstützen: weil aus neugierigen Schülerinnen und Schülern von heute die Forscherinnen, Ingenieure, Fachkräfte und Innovatoren von morgen werden können.

Kontakt

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

 Heike Blaum

Heike Blaum

Bildungspolitik