05. Oktober 2026 | Bericht
Ines Claus, Vorsitzende der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, informierte sich über die aktuellen Herausforderungen und Chancen des mittelständischen Familienunternehmens Engelhard.
Die Wettbewerbsfähigkeit des Pharmastandorts Deutschland stand im Mittelpunkt eines Austauschs zwischen Ines Claus, Vorsitzende der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, Richard M. Engelhard, Geschäftsführer von Engelhard Arzneimittel und Vorsitzender des BPI-Landesverbands Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland, sowie Sula Lockl, Geschäftsführerin des BPI-Landesverbands. Die zentrale Frage des Gesprächs war, welche Rahmenbedingungen erforderlich sind, damit die deutsche Arzneimittelindustrie auch künftig erfolgreich investieren, produzieren und innovieren kann.
Beim Besuch am Unternehmensstandort in Niederdorfelden informierte sich Ines Claus über die aktuellen Herausforderungen und Chancen des mittelständischen Familienunternehmens Engelhard, das seit Generationen in Deutschland produziert und entwickelt.
Bürokratiekosten belasten Wettbewerbsfähigkeit
Richard Engelhard machte deutlich, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zunehmend unter den hohen administrativen Anforderungen leide. Zahlreiche Dokumentations-, Melde- und Nachweispflichten verursachten erhebliche Kosten und binden personelle Ressourcen. Ein konsequenter Bürokratieabbau sei notwendig, um Unternehmen wieder mehr Spielraum für Investitionen, Forschung und Innovation zu verschaffen. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten seien schlanke und praxistaugliche Verfahren entscheidend, um die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland zu sichern.
Ines Claus verwies auf die das zweite hessische Bürokratieabbaugesetz, welches Hürden abbauen und Abläufe vereinfachen soll. Sie betonte, dass Unternehmen Freiräume benötigen, damit Investitionen, Innovationen und die Sicherung von Arbeitsplätzen nicht durch unnötige Vorgaben oder langwierige Verfahren erschwert werden. Wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen seien eine wichtige Voraussetzung für einen starken Wirtschaftsstandort Hessen.
Zusätzlicher Druck durch das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz
Neben bürokratischen Belastungen wurde auch die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung thematisiert. Richard Engelhard verwies darauf, dass Maßnahmen wie der erhöhte Herstellerabschlag und das Preismoratorium die Krankenkassen zwar kurzfristig entlasten, die finanziellen Lasten jedoch auf die pharmazeutischen Unternehmen verlagern. Gerade für mittelständische Hersteller würden dadurch Mittel gebunden, die andernfalls für Investitionen, Forschung, Standortentwicklung und die Versorgung der Patientinnen und Patienten zur Verfügung stünden. Aus Sicht des Unternehmens braucht es deshalb langfristig tragfähige Reformen, die die Finanzierungsprobleme des Gesundheitssystems adressieren, ohne die Innovations- und Investitionskraft der Industrie zusätzlich zu belasten.
Herausforderungen für die Phytotherapie
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die Phytotherapie. Richard Engelhard verwies darauf, dass die Entwicklung pflanzlicher Arzneimittel besonderen Herausforderungen unterliegt. Anders als chemisch definierte Wirkstoffe unterliegen pflanzliche Ausgangsstoffe natürlichen Schwankungen, etwa durch Klima-, Standort- oder Erntebedingungen.
Zwar existieren in Europa spezielle Zulassungs- und Registrierungswege für traditionelle pflanzliche Arzneimittel. Gleichzeitig gelten jedoch umfassende Anforderungen an Qualitätskontrolle, Spezifikationen, Dokumentation und Nachweise, um Wirksamkeit, Sicherheit und Produktqualität sicherzustellen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) verweist selbst auf die besonderen Qualitätsanforderungen und die spezifischen Herausforderungen gegenüber Arzneimitteln mit chemisch definierten Wirkstoffen.
Engelhard sieht hierin einen wichtigen Grund dafür, dass die Forschung und Entwicklung im Bereich pflanzlicher Arzneimittel in den vergangenen Jahren hinter ihren Möglichkeiten zurückgeblieben ist. Notwendig seien regulatorische Rahmenbedingungen, die den Besonderheiten pflanzlicher Wirkstoffe stärker Rechnung tragen, ohne dabei Abstriche bei der Sicherheit der Patienten zu machen.
Klares Bekenntnis zum Standort Deutschland
Sula Lockl hob die außergewöhnliche Rolle von Engelhard Arzneimittel für Hessen und die Branche hervor:
„Engelhard Arzneimittel ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie sich ein Familienunternehmen über Jahrzehnte erfolgreich zum Standort Deutschland bekennt. Dieses Engagement geht weit über das eigene Unternehmen hinaus.“
Richard Engelhard engagiert sich seit vielen Jahren als Vorsitzender des BPI-Landesverbands Hessen und als Mitglied des Bundesvorstands des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI). Damit setzt er sich nicht nur für die Belange seines Unternehmens, sondern für die gesamte pharmazeutische Industrie ein.
In den vergangenen Jahren hat Engelhard Arzneimittel in den Standort Niederdorfelden investiert und damit ein klares Signal für den Produktions- und Forschungsstandort Deutschland gesetzt.
Gleichzeitig machte Richard Engelhard deutlich, dass solche Investitionen keineswegs selbstverständlich seien. Hohe Energiekosten, zunehmende regulatorische Belastungen, Fachkräftemangel und ein intensiver internationaler Wettbewerb erhöhten den Druck auf industrielle Standorte in Deutschland spürbar.
Einigkeit bestand zwischen den Gesprächsteilnehmenden daher darüber, dass die Stärkung des Pharmastandorts Deutschland eine gemeinsame Aufgabe von Politik und Wirtschaft bleibt. Wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und innovationsfreundliche Regulierung seien zentrale Voraussetzungen, damit Unternehmen auch künftig in Hessen investieren, forschen und hochwertige Arbeitsplätze sichern können.
Kontakt
Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.