02. September 2026 | Bericht
Chemie- und Pharmabranche bringt ihre Perspektive in die Debatte ein.
Wie kann Hessen auch künftig ein starker Industriestandort bleiben? Diese Frage stand am 18. August im Mittelpunkt des FDP-Wirtschaftskongresses 2026 mit rund 400 Gästen aus Wirtschaft, Verbänden und Politik.
Die chemisch-pharmazeutische Industrie war dabei mit starken Stimmen vertreten und brachte ihre Perspektiven auf die Zukunft des Industriestandorts Hessen ein.
Chemie und Pharma sind Grundpfeiler des Industriestandorts Hessen
In einer Keynote betonte Dr. Joachim Kreysing, Geschäftsführer der Infraserv GmbH & Co. Höchst KG und Vorstandsvorsitzender des VCI Hessen, dass die Chemie- und Pharmaindustrie als umsatzstärkste Industriebranche des Landes von großer Bedeutung ist. Die Industrie ist nicht nur ein bedeutender Arbeitgeber und Innovationstreiber, sondern auch eine zentrale Verbundindustrie, ohne die viele industrielle Prozesse in Hessen und Deutschland nicht möglich wären.
Gleichzeitig befindet sich insbesondere die klassische Chemieindustrie in einer strukturellen Krise. Seit 2021 ist die Produktion um rund 30 Prozent zurückgegangen. Kreysing verwies auf die zentralen Herausforderungen des Standorts: hohe Energiekosten, wachsende Bürokratielasten, langwierige Genehmigungsprozesse sowie im internationalen Vergleich hohe Arbeits- und Sozialkosten.
Vor allem die Energiekosten hätten sich zu einem entscheidenden Wettbewerbsnachteil entwickelt und belasteten energieintensive Produktionsprozesse erheblich. Investitionen würden dadurch zunehmend an anderen Standorten weltweit erfolgen.
ChemLab diskutiert Zukunftsszenarien für Deutschland 2045
Im Rahmen des Kongresses arbeiteten vier Industry Labs an Zukunftsfragen verschiedener Branchen. Im ChemLab stand die Zukunft der Chemie- und Pharmaindustrie im Mittelpunkt. Moderiert wurde der Workshop von Dr. Marcel Ahlfänger, Foresight Manager bei Evonik Industries AG, und Marlies von der Malsburg, Director EU Advocacy bei Merck KGaA, Darmstadt, Deutschland.
Dr. Marcel Ahlfänger stellte die Ergebnisse der VCI-Zukunftsstudie „Deutschland 2045: Fünf Szenarien“ vor, die vom Foresight-Team von Evonik wissenschaftlich erarbeitet wurde. Die Studie beschreibt fünf mögliche Entwicklungspfade für Deutschland und untersucht, welche Auswirkungen unterschiedliche politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen auf die Chemie-, Pharma- und Biotechindustrie haben könnten.
Die zentrale Botschaft: Deutschlands Zukunft ist gestaltbar. Ob der Standort wieder an Wettbewerbsfähigkeit gewinnt oder weiter an industrieller Substanz verliert, hängt maßgeblich von den heute getroffenen Entscheidungen ab. Entscheidend sind Investitionen in Innovationen, wettbewerbsfähige Energiepreise, weniger Bürokratie und langfristig verlässliche politische Rahmenbedingungen.
Marlies von der Malsburg ordnete die Ergebnisse aus Sicht von Merck ein. Für ein global tätiges Wissenschafts- und Technologieunternehmen mit einer mehr als 350-jährigen Geschichte am Standort Darmstadt seien wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen von zentraler Bedeutung. Gleichzeitig zeige das Beispiel Merck, dass internationale
Gerade die Studie „Deutschland 2045“ verdeutliche, dass die Zukunft industrieller Wertschöpfung nicht vorgegeben ist, sondern aktiv gestaltet werden muss.
Die Ergebnisse des ChemLabs wurden anschließend gemeinsam mit den Erkenntnissen aus den Bereichen Luftfahrt, Verteidigung sowie Automotive und Mobilität im Plenum vorgestellt. Durch das Programm führten die Fraktionsvorsitzenden Wiebke Knell und Dr. Stefan Naas.
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