21. Juli 2026 | Information
Die wirtschaftliche Lage der Chemie- und Pharmaindustrie bleibt angespannt. Die Ergebnisse der aktuellen VCI-Mitgliederumfragen zeigen, dass hohe Kosten, zunehmende Regulierung und geopolitische Unsicherheiten die Unternehmen weiterhin stark belasten.
Die wirtschaftliche Lage der Chemie- und Pharmaindustrie bleibt angespannt. Die Ergebnisse der aktuellen VCI-Mitgliederumfragen zeigen, dass hohe Kosten, zunehmende Regulierung und geopolitische Unsicherheiten die Unternehmen weiterhin stark belasten. Die Länderauswertung für Nordrhein-Westfalen zeigt darüber hinaus, dass zunehmende Regulierung und insbesondere die Energie- und Rohstoffkosten die Unternehmen in NRW besonders belasten.
Etwa 56% der Unternehmen aus NRW rechnen für 2026 mit Umsatzrückgängen für das Deutschlandgeschäft. Gleichzeitig finden Investitionen und Forschung vermehrt außerhalb Deutschlands statt.
Bürokratie und Rohstoffkosten sind größte Belastung
Die mit Abstand größten Herausforderungen für die Unternehmen aus NRW sind die Bürokratie/Regulierung und die Rohstoffkosten. Knapp neun von zehn Unternehmen sehen sich durch die Rohstoffkosten schwer oder sehr schwer belastet, bei der Bürokratie sind es rund acht von zehn Unternehmen.
Ebenfalls stark ins Gewicht fallen die Genehmigungspraxis, Arbeits- und Energiekosten, sowie Internationale Handelskonflikte, Zölle und geopolitische Risiken. Auch Steuern und Abgaben haben sich zu einem zentralen Belastungsfaktor für die Unternehmen aus NRW entwickelt.
Standort Deutschland verliert an Attraktivität
Die hohen Standortkosten und die Energie- und Klimapolitik wirken sich nach Einschätzung der Unternehmen in NRW besonders negativ auf Investitionsentscheidungen aus. Knapp 80 Prozent sehen hierin eine Belastung für neue Investitionen. Auch die mangelnde Verlässlichkeit wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen sowie zunehmender Importdruck bremsen Investitionen.
Die Folge: Investitionen und Forschungsaktivitäten verlagern sich zunehmend ins Ausland. Während die Investitions- und Forschungspläne für ausländische Standorte deutlich positiver ausfallen, gehen die Unternehmen bei Aktivitäten in Deutschland zurückhaltender vor. Jedes zweite Unternehmen aus NRW gibt an, Investitionen teilweise oder deutlich ins Ausland zu verlagern; auch bei Forschung und Entwicklung liegt dieser Anteil bei 48 Prozent.
Die Umfrage zeigt zudem, dass Bürokratie und Regulierung inzwischen zu den größten Innovationshemmnissen zählen.
Wettbewerbsfähigkeit durch Reformen stärken
Die Unternehmen sehen erheblichen politischen Handlungsbedarf. Im Mittelpunkt steht der Abbau von Bürokratie, schnellere Genehmigungen, niedrigere Energiekosten sowie steuerliche Entlastungen und bessere Investitionsanreize. Darüber hinaus wünschen sich die Unternehmen mehr Planungssicherheit, verlässliche Rahmenbedingungen und eine industriepolitische Ausrichtung auf Wettbewerbsfähigkeit und Innovation.
Trotz aller Probleme verfügt Deutschland aus Sicht der Unternehmen weiterhin über wichtige Standortvorteile. Besonders häufig genannt werden qualifizierte Fachkräfte, ein hohes Ausbildungsniveau, politische Stabilität, Rechtssicherheit sowie eine leistungsfähige Infrastruktur. Diese Stärken geraten jedoch zunehmend unter Druck.
Insgesamt zeigt die Umfrage: Die Chemie- und Pharmaindustrie in NRW steht weiterhin unter erheblichem Druck. Neben den strukturellen Standortproblemen verschärfen geopolitische Krisen die Herausforderungen. Um Investitionen, Innovationen und Wertschöpfung in Deutschland und Nordrhein-Westfalen zu halten, sehen die Unternehmen vor allem Reformen bei Bürokratie, Genehmigungen und Energiekosten als dringend notwendig an.
Die vollständigen Ergebnisse der VCI-Mitgliederumfragen vom Mai und Juni sowie weitere Daten und Fakten rund um das Thema Lieferketten und Preise vor dem Hintergrund des Konflikts am Persischen Golf können hier heruntergeladen werden.
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Uwe Wäckers
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