Zirkuläre Wirtschaft

Argumente und Positionen

Die Europäische Kommission hat Ende 2015 ein Paket zur "Circular Economy" vorgelegt, um Wirtschaft und Konsum nachhaltiger zu gestalten. Ziel ist es, "linear" verlaufende Stoffströme vom Rohstoff über Produkte bis hin zum Abfall in Kreisläufe zu überführen, in denen möglichst viel stofflich verwertet (recycelt) wird. Neben Änderungen der Abfallgesetzgebung gehört ein umfangreicher Aktionsplan dazu. Die EU-Kommission will zahlreiche Maßnahmen in unterschiedlichen Politikfeldern ergreifen, die weit über die Diskussion zum Abfall-Legislativpaket hinausgehen.

Offener und ganzheitlicher Ansatz
Für die chemische Industrie ist zirkuläre Wirtschaft mehr als Recycling. Zentral ist die Steigerung der Effizienz zur Minimierung des Ressourcenbedarfs über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg. Bei der Produktion anfallende Nebenprodukte werden wenn möglich wieder direkt in der Produktion eingesetzt. Am Produktlebensende kann die Chemie mehrere Kreisläufe nutzen: Die stoffliche Verwertung von Abfällen (Recycling) oder auch die energetische Verwertung nutzen, bei der Energie gewonnen wird. Das bei der Verbrennung entstehende CO2 kann als Rohstoff direkt verwendet werden. Pflanzen nehmen CO2 auf und wandeln es in Biomasse um, die als nachwachsender Rohstoff genutzt werden kann. So kann die Chemie unterschiedlich zur Schließung des Kohlenstoffkreislaufs beitragen.

Zirkuläre Wirtschaft als Chance
Vom Produktdesign bis zur Abfallverwertung gilt: Vorgaben, die einseitig auf Stärkung des Recyclings abzielen, können kontraproduktiv für die Entwicklung innovativer Materialien sein. Ressourcenschonung und Klimaschutz müssen ebenso berücksichtigt werden wie der Bedarf der Kunden hinsichtlich Kosten, Qualität und Nutzen. Zielkonflikte gilt es im Sinne der Nachhaltigkeit zu lösen. Dann kann die Chemie in einer zirkulären Wirtschaft einen unverzichtbaren Beitrag zur effizienten und nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen leisten. Zudem investiert die Branche in den nächsten Jahren vermehrt in Digitalisierungsprojekte und nachhaltige Geschäftsmodelle. In dieser Ära „Chemie 4.0“ werden digitale Massendaten eingesetzt. Damit sind durch präzisierte Verfahren neue Innovationssprünge zu erwarten – mit Impulsen für eine zirkuläre Wirtschaftsweise, die höchste Ressourceneffizienz bietet.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Freiraum für Innovation und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen schaffen
    Nur mit einem umfassenden Verständnis zirkulärer Wirtschaft, das alle Beiträge zur Schonung von Ressourcen umfasst, können die Potenziale einer zirkulären Wirtschaft für Industrie, Gesellschaft und Umwelt genutzt werden. Das Ziel einer zirkulären Wirtschaft ist ambitioniert und der Weg dahin lang. Die Transformation kann nur mit Freiräumen für Innovationen unter wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen gelingen.
  • Den jeweils zweckmäßigsten Verwertungsweg nutzbar machen
    Nachhaltige Abfallverwertung setzt voraus, dass die Abfallzusammensetzung den jeweils optimalen Verwertungsweg bestimmt. In der Abfallgesetzgebung sollte der Fokus nicht einseitig und undifferenziert auf der stofflichen Verwertung von Abfällen (Recycling) liegen. Für das Recycling sind Abfallzusammensetzung und -qualität entscheidend, um die Funktionalitäten von Materialien, wo sinnvoll, zu erhalten und sie in neuen Produkten als Rohstoff wieder verwenden zu können. Pauschale Erhöhungen und die Neueinführung von Recyclingquoten können die Bemühungen für ein Recycling sogar beschränken. Soweit Recycling nicht zweckmäßig ist, ist die energetische Verwertung die nächste sinnvolle Option. Für Industrieabfallströme, die nicht weiter verwertbar sind – zum Beispiel Verbrennungsrückstände aus der energetischen Verwertung – muss die Deponierung weiterhin möglich sein.
  • Bewährte Regelungen an der Schnittstelle von Abfall- und Chemikalienrecht beibehalten
    Für Abfälle gilt das Abfallrecht. Für Materialien gilt das Chemikalienrecht, auch wenn sie aus dem werkstofflichen Recycling entstehen. Produktsicherheit wird somit durch die bestehenden europäischen Verordnungen REACH und CLP sowie allgemeine und spezifische Produktsicherheitsrichtlinien in Verbindung mit der Abfallrahmenrichtlinie gewährleistet. Eine zusätzliche Aufnahme von chemikalienbezogenen Regelungen ins Abfallrecht wäre kontraproduktiv. Zur Überwindung von Recyclinghemmnissen sollten stattdessen verstärkt qualitätsgesicherte Verfahren zur Anwendung kommen, zum Beispiel durch Leitfäden oder Kooperationen zwischen Wissensträgern.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dipl.-Kfm. Tilman Benzing

EKR / Energie, Klimaschutz und Rohstoffe

E-Mail: tbenzing@vci.de