Steuern:

Steuerliche Forschungsförderung einführen

Argumente und Positionen

Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland gehört zur Weltspitze bei Innovationen. Nach den USA, China und Japan belegt Deutschland Platz 4 bei den Ausgaben der Branche für Forschung und Entwicklung (FuE). Doch die Gewichte verlagern sich rasant vor allem zugunsten asiatischer Staaten, die stark mit deutlichen Steuervorteilen werben. Sie haben den volkswirtschaftlichen Wert von Innovationen erkannt und fördern diese daher intensiv. Der Innovationswettbewerb wird insgesamt härter. Länder, die am meisten in ihre Innovationskraft investieren, gehören häufig auch wirtschaftlich zu den erfolgreichsten. Ein wichtiges Instrument für mehr Innovationen ist die steuerliche Forschungsförderung, deren Einführung in Deutschland überfällig ist.

FuE-Investitionen müssen gesteigert werden
Deutschland hat 2015 das Lissabon-Ziel erneut knapp verfehlt: Der FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt stieg auf nur 2,93 Prozent. Weitere An-strengungen sind daher notwendig, um das von Politik und Wirtschaft befürwortete „3,5-Prozent-Ziel“anzustreben. Helfen könnten dabei zusätzliche staatliche Anreize für Forschungsinvestitionen in zusätzliche oder risikoreichere Projekte. Die meisten OECD-Staaten wenden ein solches Instrument an. Auch in Deutschland steht die Politik einer steuerlichen Forschungsförderung grundsätzlich positiv gegenüber, man konnte sich allerdings bislang nicht auf deren Einführung verständigen.

Steuerliche FuE-Förderung nötig im Wettbewerb um Forschungsstandorte
Die deutsche Industrie benötigt eine steuerliche FuE-Förderung, um im internationalen Wettbewerb der Forschungsstandorte bestehen zu können. Die Unternehmenszentralen berücksichtigen bei Investitionsentscheidungen zu Forschungsprojekten immer stärker, ob steuerliche Forschungsanreize gewährt werden.

Eine steuerliche Förderung der Forschung würde die FuE-Ausgaben der Unternehmen merklich steigern und gleichzeitig zu gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrtsgewinnen beitragen. Dies unterstreichen verschiedene Studien und Expertengremien. So zeigt eine Analyse der Universität Mannheim: Jeder vom Staat eingesetzte Euro würde zusätzliche FuE-Aufwendungen der Unternehmen von 1,25 Euro nach sich ziehen. Gleichzeitig könnte die deutsche Volkswirtschaft mit rund 750 Millionen Euro pro Jahr durch Steuermehreinnahmen und Nutzung des technischen Fortschritts profitieren. Ein „Return on Investment“ für den Staatshaushalt wäre so in wenigen Jahren gegeben.

Ordnungspolitisch ist eine steuerliche FuE-Förderung – zusätzlich zur Projektförderung – sinnvoll, weil sie den Firmen die Wahl der Forschungsthemen überlässt, leicht und unbürokratisch zu handhaben ist und einzelne Branchen oder Unternehmen weder bevorzugt noch benachteiligt.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Mehr Innovationsanreize in Deutschland setzen
    Um den Forschungsstandort zu stärken, Wachstum zu stimulieren und die Innovationskraft der Unternehmen zu erhalten, sind mehr Innovationsanreize gefragt. Die Bundesregierung sollte deshalb eine steuerliche FuE-Förderung zusätzlich zur bisherigen Projektförderung einführen.
  • Tax Credit in Höhe von 10 Prozent gewähren
    Ein forschendes Unternehmen sollte 10 Prozent seiner eigenfinanzierten FuE-Aufwendungen (Personal- und Sachaufwendungen sowie Kosten für Forschungsaufträge) von seiner Steuerschuld abziehen dürfen (sogenannter Tax Credit). Bei Verlusten sollte ihm eine entsprechende Steuergutschrift ausgezahlt werden. Ein Tax Credit von mindestens 10 Prozent erscheint für Deutschland angemessen. In den anderen großen Industrieländern sind Steuergutschriften von 8 bis 20 Prozent üblich.
  • Steuerliche FuE für alle forschenden Unternehmen einführen
    Eine steuerliche Forschungsförderung sollte allen forschenden Unternehmen, unabhängig von deren Größe, zugutekommen. Nur dann könnten die Forschungsaktivitäten der Wirtschaft substanziell gesteigert und dadurch ein Beitrag zur Erreichung des 3,5 %-Ziels geleistet werden. Innovationsrelevant sind sowohl kleine und mittlere als auch große Unternehmen. Letztere sind oft Systemführer bei Innovationskooperationen und Hauptauftraggeber von Forschungsaufträgen an den Mittelstand. Ein erster Schritt hin zu einer steuerlichen FuE-Förderung könnte sein, die FuE-Personalkosten zu berücksichtigen.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Hans-Jürgen Klockner

WTU / Wissenschaft und Forschung (WiFo)

E-Mail: klockner@vci.de

Dr. Martin Reuter

WTU / Wissenschaft und Forschung (WiFo)

E-Mail: reuter@vci.de