Rohstoffbasis der chemischen Industrie

Argumente und Positionen

Die chemische Industrie in Deutschland nutzt verschiedenste Rohstoffe: Salze, Metalle und sogar die Luft gehören dazu. Ein wichtiger Rohstoff ist jedoch Erdöl: Die organische Chemieproduktion baut auf Kohlenstoffverbindungen auf. Wichtigste Rohstoffquelle dafür ist zu 74 Prozent das Erdölderivat Rohbenzin (Naphtha). Zu geringeren Teilen kommen nachwachsende Rohstoffe aus Biomasse (ca. 13 Prozent) und Erdgas (11 Prozent) zum Einsatz.

Alternative Kohlenstoffquellen
Für die Auswahl der passenden Rohstoffe sind Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz wichtige Leitlinien der chemischen Industrie. Um die Rohstoffbasis zu verbreitern, bieten sich in der organischen Chemie neben Erdgas vor allem die nachwachsenden Rohstoffe an. Sie werden schon heute dort eingesetzt, wo dies technische und wirtschaftliche Vorteile bringt. Um neue Anwendungsfelder zu erschließen, ist noch intensive Forschungs- und Entwicklungsarbeit nötig.

Im Rahmen der Sektorkopplung (Nutzung von erneuerbarem Strom in anderen Sektoren) rückt auch die Nutzung von CO2 als Kohlenstoffquelle in den Blickpunkt. Der zur Nutzung des CO2 benötigte Wasserstoff könnte durch Elektrolyse mit erneuerbarem Strom gewonnen werden. CO2 und nachwachsende Rohstoffe sind wesentliche Bausteine für eine zirkuläre Wirtschaft: Die Chemie kann sie als Kohlenstoffquelle nutzen und damit zur Schließung des Kohlenstoffkreislaufs beitragen.

Die deutsche Chemie braucht ungehinderten Zugang zu Rohstoffen
Die chemische Industrie ist auf einen freien Handel auf den Rohstoffmärkten angewiesen. Politische Beschränkungen behindern jedoch zunehmend den Zugang: Zölle und Exportquoten gehören ebenso dazu wie unterschiedliche Preise für inländischen Verbrauch und Export (sogenanntes Dual-Pricing).

Ressourceneffizienz ist ein Schlüsselthema für die chemische Industrie
Die Unternehmen haben aus wirtschaftlichen Gründen selbst das größte Interesse an Ressourceneffizienz. Sie verarbeiten Rohstoffe hocheffizient: Die Chemie hat die Verbundproduktion konsequent ausgebaut und optimiert Produktionsprozesse kontinuierlich. Abfälle werden so weit wie möglich vermieden oder verwertet. Zudem investiert die Branche in den nächsten Jahren vermehrt in Digitalisierungsprojekte und nachhaltige Geschäftsmodelle. In dieser Ära „Chemie 4.0“ sind weitere Innovationssprünge zu erwarten – mit Impulsen für eine zirkuläre Wirtschaftsweise und noch höherer Ressourceneffizienz. Staatliche Vorgaben und Instrumente sind dagegen wenig geeignet, die Ressourceneffizienz zu verbessern. Sie können jedoch der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen schaden.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Ausgewogene Rohstoffversorgung sicherstellen
    Die deutsche chemische Industrie braucht eine sichere und wettbewerbsfähige Versorgung mit Rohstoffen. Nur so kann sie weiterhin auch ihre Rolle als Lieferant von ressourcenschonenden Technologien und Produkten wahrnehmen. Deshalb darf es keine staatlichen Eingriffe durch Instrumente wie Quoten oder Steuern geben, die die Kreislaufwirtschaft (Recycling) oder den Einsatz nachwachsender Rohstoffe erzwingen sollen.
  • Forschung und Entwicklung stärken
    Innovationen sind der Hebel für Veränderungen der Rohstoffbasis und für eine Steigerung der Ressourceneffizienz. Deshalb sollte der Staat Forschung und Entwicklung stärken. Dazu gehört die Grundlagenforschung von Hochschulen und Instituten ebenso wie die Forschung und Entwicklung der Unternehmen an neuen Prozessen, Technologien und Produkten, die weiterhin durch eine ausreichend ausgestattete Projektförderung unterstützt werden sollte. Ergänzend spricht sich der VCI für die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung aus.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dipl.-Kfm. Tilman Benzing

EKR / Energie, Klimaschutz und Rohstoffe

E-Mail: tbenzing@vci.de