Chemie und Pharma:

Anreizstruktur für Innovationen

Argumente und Positionen

Für den Industriestandort Deutschland wird es schwerer, seine Top-Position zu halten. Schwellenländer schließen auf, und die etablierten Industrienationen investieren massiv in Bildung und Forschung und schaffen innovationsfreundliche Bedingungen. Die deutsche chemisch-pharmazeutische Industrie stellt sich dieser Herausforderung: Sie investierte 2016 rund 10,5 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung (FuE) und sorgt für den konsequenten Abbau unternehmensinterner Innovationshemmnisse. Allein kann die Wirtschaft Deutschland allerdings nicht an der Spitze halten – sie braucht politische Unterstützung.

Politischer und gesellschaftlicher Rückhalt
Innovative Produkte und Verfahren aus Chemie und Pharma sind Teil der Lösung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen (Gesundheitsversorgung, demografischer Wandel, Ernährung, Mobilität, Klimaschutz, Ressourcen). Politik und Gesellschaft sollten Innovationen aufgeschlossen gegenüber stehen, damit Fortschritte leichter möglich sind.

Innovations-Check und Finanzierung
Notwendiger Baustein zur nachhaltigen Stärkung der Innovationskraft der Wirtschaft ist die Einführung eines Innovations-Checks bei der Gesetzesfolgenabschätzung. Zudem muss die Finanzierung innovativer Unternehmen und Startups vor allem durch investitionsfreundliche steuerliche Rahmenbedingungen für Wagniskapital verbessert werden.

Forschungsanreiz: Gesicherte Schutzrechte
Zu den essenziellen Rahmenbedingungen für erfolgreiche Chemie- und Pharma-Forschung gehört der Patentschutz: Wenn ein neues Medikament den Markt erreicht, sind aufgrund des langen Entwicklungsprozesses von den zwanzig Jahren Patentschutz bereits viele Jahre verstrichen, sodass nur etwa zehn Jahre Patentschutz mit Marktzugang verbleiben würden. Durch ergänzende Schutzzertifikate können Hersteller derzeit eine Verlängerung der Patentlaufzeit um maximal fünf Jahre sichern, um lange Entwicklungszeiten von Arzneimitteln auszugleichen.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Ausgaben erhöhen, Forschung und Wagniskapital steuerlich fördern, Schutzrechte sichern
    Das politische Ziel für den BIP-Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung sollte auf 3,5 Prozent erhöht werden. Dazu sind auch die Rahmenbedingungen für Forschung und Innovation zu verbessern, vor allem durch eine steuerliche Forschungsförderung für alle Unternehmen. Steuerliche Verlustvorträge von Startups sollten zeitlich und in der Höhe unbeschränkt erhalten bleiben und die Regelungen für Wagniskapital optimiert werden. Zur Sicherung des geistigen Eigentums sind angemessene Patentverwertungszeiten, die Möglichkeit zur Nutzung von ergänzenden Schutzzertifikaten und der Unterlagenschutz entscheidend.
  • Hightech-Strategie konsequent fortführen
    Um das Niveau deutscher Forschung zu halten, sind ausreichend finanzierte und technologisch breit angelegte Förderprogramme wichtig: im Energiebereich, für mehr Ressourceneffizienz, für Gesundheitsforschung und für Schlüsseltechnologien wie neue Werkstoffe, Katalyse, Nano- und Biotechnologie sowie die Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Förderprogramme müssen die spezifischen Belange von mittelständischen Unternehmen ebenso wie die von Großunternehmen berücksichtigen.
  • Naturwissenschaftliche Bildung, MINT-Fächer und Hochschulfinanzierung stärken
    Naturwissenschaftlich-technischer Sachkundeunterricht sollte bereits in der Grundschule eingeführt sowie ein Drittel des Unterrichts in weiterführenden Schulen durchgängig mit MINT-Fächern belegt werden. Eine exzellente Grundlagenforschung ist für die chemisch-pharmazeutische Industrie essenziell. Hochschulen sind finanziell besser auszustatten. Die Möglichkeiten zur qualifizierten Weiterbildung Berufstätiger müssen ausgeweitet werden.
  • Innovations-Check bei der Gesetzesfolgenabschätzung einführen
    Politische Rahmenbedingungen sollten Innovationen nicht erschweren oder gar verhindern. Bestehende und künftige Vorschriften sollten stattdessen durch ausgewogene Chancen-Risiken-Bewertungen und einen Innovations-Check überprüft werden. Dies gilt insbesondere für neue Technologien.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Hans-Jürgen Klockner

WTU/Wissenschaft und Forschung (WiFo)

E-Mail: klockner@vci.de