Chancen von Chemie 4.0 für starken Standort nutzen

Industriepolitik: Chancen von Chemie 4.0

Argumente und Positionen

Die Industrie ist die Basis für die wirtschaftliche Stärke Deutschlands. Die chemisch-pharmazeutische Industrie trägt mit ihren Produkten und Innovationen maßgeblich zum Erfolg bei. Aber das Umfeld, in dem sich die Unternehmen bewegen, verändert sich rasant: Während der Wettbewerbsdruck zunimmt, hat die vierte industrielle Revolution begonnen, und Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Zukunft Deutschlands sind Innovationen, die verstärkt in branchenübergreifenden Netzwerken entwickelt werden. Die chemisch-pharmazeutische Industrie kann mit ihren Innovationen einen entscheidenden Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten, indem sie Digitalisierung, Nachhaltigkeit und zirkuläre Wirtschaft als Chance begreift.

Mit dieser neuen Ära „Chemie 4.0“ formiert sich eine neue Entwicklungsstufe in der 150-jährigen Geschichte der Branche. Durch Digitalisierung, zirkuläre Wirtschaft und Nachhaltigkeit werden die Unternehmen ihre Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle grundlegend verändern. Die Verknüpfung von Produkten der Chemie- und Pharma-Industrie mit digitalen Dienstleistungen ist dabei ein Schlüssel für zusätzliche Wertschöpfung. Digitalisierung bedeutet in der Chemie neben der Nutzung von internen und externen Daten zur Optimierung der betrieblichen Prozesse auch die Entwicklung neuer, digitaler Geschäftsmodelle. Darüber hinaus arbeiten die Unternehmen an zukunftsorientierten Lösungen mit Impulsen für eine zirkuläre Wirtschaftsweise, die steigende Ressourceneffizienz bietet.

Mehr als 1 Milliarde Euro will die Branche in den nächsten drei bis fünf Jahren in Digitalisierungsprojekte und neue nachhaltige Geschäftsmodelle investieren. Hinzu kommen jährlich mehrere Milliarden Euro für die Entwicklung ressourcenschonender Innovationen.

Politik für nachhaltige und digitale Zukunft
Damit aus innovativen Ideen rasch marktfähige Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle werden, benötigen die Unternehmen verlässliche und innovationsfreundliche Rahmen-bedingungen. Denn der Wandel gelingt am besten in einem politischen und regulatorischen Umfeld, das neue Produkte, Dienstleistungen und Investitionen fördert und nicht behindert. Die Stärke der deutschen Industrie wird fälschlicherweise oft als gegeben hingenommen. Industriepolitik ist ein Randthema und setzt primär selektiv auf Subventionen, Auflagen und planwirtschaftliche Maßnahmen. Viele Maßnahmen haben sich als ineffizient erwiesen. Hier sieht der VCI dringenden industriepolitischen Handlungsbedarf.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Nachhaltige Entwicklung durch bessere Rahmenbedingungen stärken
    Die Politik sollte Impulse setzen, indem sie dringende Investitionen in die Infrastruktur anpackt, die Digitalisierung der Industrie unterstützt sowie weitere Anstrengungen zur Handelsliberalisierung und Definition internationaler Regeln unternimmt und auf effiziente und rechtssichere Regulierungen achtet. Darüber hinaus sollte Deutschland sich dem internationalen Steuerwettbewerb stellen. Die Chemie bietet an, ihre Expertise einzubringen.

  • Deutschland fit für die digitale Zukunft machen
    Für die Weiterentwicklung der Digitalisierung sollte die öffentliche Hand die technische Infrastruktur ausbauen, die digitale Bildung fördern und bestehende Datenschutzregelungen prüfen. Spätestens bis 2025 sollte die erforderliche schnelle Breitband-Infrastruktur stehen. Parallel ist der Aufbau eines leistungsfähigen Sicherheitsnetzwerks in Deutschland und Europa zwischen Behörden, Unternehmen und Forschung zu bewerkstelligen.

  • Zirkuläre Wirtschaft industriepolitisch fördern
    Für Fortschritte in der zirkulären Wirtschaft sollten künftige und bestehende Vorschriften einem Innovations-Check unterzogen werden, damit neue Geschäftsmodelle nicht behindert werden. Um mehr Investitionen anzuregen, sind eine technologieoffene Forschungsförderung, gut ausgestattete Projektförderung, ein erleichterter Zugang zu Wagniskapital sowie die Förderung von Private-Public-Partnerschaften für Pilotprojekte zu empfehlen. Zudem ist ein gesellschaftlicher Dialog über die Potenziale der zirkulären Wirtschaft und geeignete industriepolitische Rahmenbedingungen erforderlich.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Henrik Meincke

WFI/Volkswirtschaft (VW)

E-Mail: meincke@vci.de