Gene-Editing

Argumente und Positionen

Gene-Editing ist eine der größten methodischen Innovationen in der Molekularbiologie seit mehr als 20 Jahren und von strategischer Bedeutung für die Life-Science-Industrie. Gene-Editing umfasst ein Bündel an molekularbiologischen Methoden, mit denen einzelne DNA-Bausteine punktgenau und so präzise wie noch nie bearbeitet werden können. Dazu gehören beispielsweise Zinkfinger-Nukleasen, TALEN oder CRISPR-Cas9. Gene können ein- und ausgeschaltet, repariert, eingefügt, ersetzt oder reguliert werden. Die Techniken sind im Vergleich zu herkömmlichen Methoden unkompliziert, zeitsparend und kostengünstig und finden bereits weltweit Anwendung in der molekulargenetischen Forschung sowie in der Biotechnologie und Biomedizin. Ihre Anwendungsbereiche reichen dabei von der Grundlagenforschung zur Aufklärung von Genfunktionen und deren Wechselwirkungen in Netzwerken von Genen, über die Aufklärung und Behandlung von Erbkrankheiten wie Mukoviszidose und die selektive Eliminierung antibiotikaresistenter Keime, bis hin zu klimaresistenteren und nährstoffreicheren Pflanzen.

EuGH-Urteil gefährdet Innovationen
Der europäische Gerichtshof hat sich bis Juli 2018 mit der rechtlichen Einordnung des Gene-Editing befasst. Kernfrage war, ob es unter das Gentechnikrecht fällt, oder ob die im Gesetz verankerte Mutagenese-Ausnahme greift. Gene-Editing wird auch als gezielte Mutagenese bezeichnet und kann beispielsweise in der Pflanzenzüchtung dieselben Veränderungen hervorrufen wie traditionelle Züchtungsverfahren oder natürliche Mutationen. Im Ergebnis sind die Produkte mindestens so sicher und verträglich für Gesundheit und Umwelt, wie Pflanzen, die mit klassischen Methoden gezüchtet wurden.

Dennoch entschieden die EuGH-Richter, dass mit Gene-Editing gentechnisch veränderte Organismen (GVO) entstehen, die nach Gentechnikrecht zugelassen werden müssen. Mit dieser Auslegung der europäischen GVO-Richtlinie wird das enorme Innovationspotenzial von Gene-Editing für die Landwirtschaft politisch blockiert. Dringend benötigte Fortschritte in der Medizin bis hin zur Bioökonomie werden behindert. Wenn die Anwendung von Gene-Editing auf dieser Grundlage eingeschränkt wird, werden Deutschland und Europa gegenüber Ländern wie China und den USA in allen Bereichen der Biotechnologie ins Hintertreffen geraten.

Chance nutzen – Risiken offen diskutieren
Es gilt, das öffentliche und rechtliche Umfeld in Deutschland und der EU für Gene-Editing zu verbessern. Gene-Editing sollte von großen und kleinen Unternehmen der Life-Science-Industrie genutzt werden können. Für die forschungsintensiven Produkte und Verfahren ist es wichtig, dass sie nicht nur in Deutschland entwickelt werden, sondern hier auch schnell zur Anwendung gelangen, zum Beispiel in der Bioökonomie und in der Medizin. Durch pauschale und naturwissenschaftlich unbegründete Ablehnung schadet man gleichzeitig der medizinischen und industriellen Biotechnologie.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Naturwissenschaftliche und differenzierte Einzelfallbewertung von Gene-Editing
    Eine Bewertung der Chancen und Risiken von Gene-Editing darf nicht pauschal erfolgen, sondern sollte sich auf naturwissenschaftliche Einzelfallbewertungen stützen. Die rechtliche Einordnung aller Methoden kann im Rahmen des geltenden EU-Gentechnikrechts und der nationalen Umsetzung erfolgen. Eine Notwendigkeit zur Änderung des deutschen Gentechnikgesetzes besteht nach dem Urteil zunächst nicht.
  • Chancen von Gene-Editing für alle Bereiche der Biotechnologie nutzen
    In Anlehnung an den erfolgreichen NanoDialog könnten in einem BioDialog der Bundesregierung ethische Fragen und eventuelle Risiken gemeinsam mit Politik und Gesellschaft diskutiert werden. Der NanoDialog der Bundesregierung hat erheblich dazu beigetragen, die Chancen und Risiken der Nanotechnologie offen und fair zu beleuchten und damit einen verantwortungsvollen Umgang mit Nanomaterialien zu unterstützen. Das sollte mit Gene-Editing wiederholt werden. Bei der Beurteilung der Einsatzmöglichkeiten sollte zwischen dem Vorsorgeprinzip und dem Innovationsprinzip zum Nutzen von Menschen und Umwelt abgewogen werden.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Ricardo Gent

E-Mail: gent@dib.org