Agrar:

Innovation für eine moderne Landwirtschaft

Argumente und Positionen

Bis 2050 wird die Weltbevölkerung auf bis zu zehn Milliarden Menschen anwachsen. Der Bedarf an landwirtschaftlichen Rohstoffen wird sich bis dahin im Vergleich zur Jahrtausendwende verdoppelt haben. Da die Anbauflächen nicht beliebig erweitert werden können, bleibt nur ein Weg, um die stetig wachsende Weltbevölkerung hochwertig zu versorgen: Landwirte müssen auf gleicher Fläche mehr produzieren. Ein Schlüssel dazu sind innovative Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger. Daneben tragen zunehmend digitale Technologien dazu bei, dass die moderne Landwirtschaft so effizient und schonend wie möglich gestaltet werden kann.

Höhere Produktivität – weniger Anbaufläche
Die moderne Landwirtschaft in Deutschland erzielt heute beim Anbau der wichtigsten Kulturpflanzen wie zum Beispiel Weizen oder Kartoffeln auf gleicher Fläche doppelt so viel Ertrag wie ökologisch wirtschaftende Betriebe, die auf Mineraldünger und die meisten chemischen Pflanzenschutzmittel verzichten. Im Umkehrschluss heißt das: Bei einer Umstellung auf Ökolandbau müssten hierzulande für die gleiche Erntemenge die Anbauflächen verdoppelt werden. Moderne, produktive Landwirtschaft schont die knappen Ressourcen.

Doch bei ihren Anstrengungen, die Zukunftsfähigkeit der Lebensmittelversorgung durch Innovationen zu sichern, sieht sich die forschende Industrie wachsenden regulatorischen Hemmnissen gegenüber.

Zulassungsstau bei den Behörden
Die EU hat das weltweit strengste Regelwerk für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln: Von den Mitgliedstaaten dürfen nur solche Mittel zugelassen werden, deren Wirkstoffe in einer EU-weiten Positivliste geführt werden. Gerade in Deutschland, einem wichtigen globalen Kompetenzzentrum im Pflanzenschutz, hakt es jedoch bei der Umsetzung. Ein Audit im Auftrag der EU-Kommission hat gezeigt, dass die klar definierten Fristen von den deutschen Behörden nicht eingehalten werden. Es gibt einen Zulassungsstau, der sich mittelfristig noch verschärfen wird, da in der EU zahlreiche Wirkstoffe zur Wiedergenehmigung anstehen. Die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln hat sich zu einem Nadelöhr und damit zu einem Wettbewerbsnachteil für deutsche Landwirte entwickelt.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • Funktionierendes Zulassungssystem für Pflanzenschutzmittel in Deutschland
    Die Pflanzenschutzmittel-Zulassung in Deutschland ist weiterhin reformbedürftig. Zwar wurden zuletzt mehr Anträge entschieden, aber weder konnte der Zulassungsstau nachhaltig abgebaut werden noch ist erkennbar, dass Anträge für innovative Produkte in Zukunft fristgerecht bearbeitet werden können. Neben dem zusätzlichem Personal in den Zulassungsbehörden, auf das sich die Bundesregierung in ihrer Koalitionsvereinbarung bereits verständig hat, sollte es in Zukunft nur noch eine, dem für Landwirtschaft zuständigen Ministerium unterstellte Institution geben, die wissenschaftsbasiert alle Prüfbereiche bewertet.

  • Erkennbare Mängel im europäischen Pflanzenschutzrecht beseitigen
    Genehmigungs- und Zulassungsentscheidungen dürfen nicht nach politischen Opportunitäten getroffen werden. Glyphosat ist dafür ein Präzedenzfall. Die Europäische Kommission hat ein Arbeitsprogramm aufgelegt, das die gesetzlichen Regelungen für Pflanzenschutzmittel und Rückstandshöchstgehalte überprüfen soll. In diesem Kontext müssen die offenkundigen Defizite der gegenwärtigen Regulierung entschlossen angepackt werden. Die europäische Harmonisierung in der Pflanzenschutzmittel-Zulassung, die Effizienzsteigerung und die Beförderung von Innovation müssen stärker in den Fokus rücken. Die Unternehmen der Branche benötigen dringend einen verlässlichen Planungsrahmen.

  • Innovationen nicht durch Überregulierung erdrosseln
    Innerhalb von 20 Jahren haben sich die Kosten für die Entwicklung und Markteinführung eines Pflanzenschutzwirkstoffs fast verdoppelt: Sie stiegen von 1995 bis 2014 auf etwa 251 Millionen Euro. Allein die regulatorischen Kosten haben sich seit 2000 verdreifacht. Mittlerweile liegen zwischen der ersten Synthese einer neuen Substanz und dem Beginn der Produktvermarktung im Schnitt 11,3 Jahre. Wird eine innovative Substanz heute entdeckt, kann sie ihre Wirkung voraussichtlich erst Ende der 2020er Jahre entfalten. Die Bundesregierung muss sich in der EU dafür einsetzen, dass Forschung und Entwicklung nicht weiter durch realitätsferne Prüfanforderungen behindert werden.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Jenni Glaser

KOM/Politische Kommunikation

E-Mail: glaser@vci.de